Internationalisierung – der menschliche Faktor entscheidet

Interkulturelle Kompetenz und Kollaboration als Schlüssel zum Erfolg

Um ihren Profit zu steigern, erschließen Unternehmen seit Jahrhunderten ausländische Märkte. Durch das Internet ist dies einfach denn je, es bietet aber auch einige Fallstellen. War der Kernbereich des Auslandsgeschäfts bislang der Vertrieb, müssen Unternehmen in der digitalisierten Welt internationales Online-Marketing, Lokalisierung von Webseiten und Community Management unterschiedlicher Sprachmärkte leisten. Durch richtig geplante Internationalisierung kann man Arbeit sparen und synergetische Kräfte nutzen.

Der Begriff Internationalisierung ist vielschichtig: Politik, Bildung und Wirtschaft operieren international. Häufig wird Internationalisierung in Zusammenhang oder als Synonym zur Globalisierung verwendet. Im ökonomischen Bereich heißt Internationalisierung die Ausweitung geschäftlicher Aktivitäten über nationalen Grenzen hinweg – zum Beispiel als Lizenzvergabe, Franchise oder Eröffnung einer Tochtergesellschaft. Gründe können dafür die Erschließung neuer Märkte, Auslagerung (Outsourcing) von Dienstleistungen aus Kostengründen oder Beschaffungsmotive von Ressourcen oder Wissen sein.

Internationalisierung in der Informations-

und Kommunikationstechnik (IuK)

In der digitalen Ära hat der Begriff Internationalisierung eine spezielle Bedeutung bekommen: Die Softwareentwicklung bezeichnet damit die möglichst universelle Programmierung einer Software, App oder Webseite. Oft benutzt man die codierte Abkürzung i18n – das englische „Internationalization“ hat 18 Buchstaben zwischen dem ersten Buchstaben I und dem letzten Buchstaben n. Die Internationalisierung soll bereits in der Programmierung die Anpassung an andere Sprachen und Kulturen gewährleisten.

Sprachen unterscheiden sich in Sonderzeichen, Zahlenformaten, unterschiedlichen Textlängen und grammatikalischen Besonderheiten. Daher sollten alle Texte im Unicode programmiert werden, um spätere Anpassungsprobleme zu vermeiden. Zeichen müssen übersetzbar sein, ohne dass man das Programm dafür verändern muss. Insbesondere im User Interface (UI) sollte man darauf achten, dass die Textfelder für längere Übersetzungen ausreichend groß oder variabel sind.

Für digitale Unternehmen ist die Internationalisierung eine große Herausforderung. Start Ups oder KMU sollte sich davon nicht abschrecken lassen – selten gelingt es in der Praxis reibungslos. Unternehmen können nicht alle technologischen Anforderungen oder gesetzlichen Regelungen einkalkulieren, da diese sich häufig ändern. Produkte bleiben nicht im Zustand des Prototyps – sie werden Kundenwünschen und Verkaufsergebnissen angepasst. Eine Internationalisierung wird außerdem erst nach erfolgreicher Operation im Heimatmarkt möglich oder überhaupt wünschenswert.

Internationale Kommunikation –

ohne Interkulturelle Kompetenz geht nicht

Bei der Internationalisierung eines Unternehmens arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten zusammen. Dabei kann es zu interkulturellen Missverständnissen kommen. Diese entstehen häufig durch sprachliche Verständigungsschwierigkeiten und unterschiedliche Wertehorizonte. Soll die Erschließung von fremden Märkten gelingen, kommt es auf drei Punkte an:

1. Sprache beherrschen

Die möglichst fließenden Beherrschung der Fremdsprache ist wichtig, reicht aber nicht. Sprache ist nicht gleich Sprache – neben der rein semantischen Ebene ist die pragmatische Ebene – die Kontextebene von sprachlichen Äußerungen – von entscheidender Bedeutung. Wie läuft die Begrüßung oder schriftliche Ansprache ab? Welche Gesten und Redeformeln sind bei einem Treffen notwendig, welche sind unhöflich? Wie trage ich mein Anliegen so vor, dass ich mein Ziel erreiche, ohne übervorteilt zu werden oder die Partner zu verprellen? Welche Themen sind beim Gespräch tabu?

2. Gesetzliche Regelungen kennen

Vor der Expansion in einen fremden Markt stellen Sie sich zuerst die Frage: Sind meine Geschäftsinteressen durch das politische und rechtliche System ausreichend abgesichert? Überprüfen Sie in Ländern mit vermehrter Internetzensur und autoritären Regimes wie der Türkei, Russland und China, ob das eigene Geschäft Konfliktpotential enthält. Gesetzliche Regelungen zu Datenschutz, Urheberrecht, Patenten und dem elektronischen Geschäftsverkehr sind in der EU weitestgehend harmonisiert, in Drittländern wie den USA, China oder Russland gibt es aber teilweise erhebliche Abweichungen. Merke: vorher genau informieren, um Überraschungen zu vermeiden. Denn Unkenntnis schützt bekanntlich nicht vor Strafe.

3. Kulturelle Besonderheiten berücksichtigen

Es gibt hard facts bei der Expansion ins Ausland: wie leicht bzw. weit verbreitet ist der Zugang zu Hochgeschwindigkeits-Internet im Zielmarkt? Welches sind die bevorzugten Endgeräte der Nutzer? Welches sind die meist genutzten Zahlungssysteme? Fast noch wichtiger sind aber die soft facts: Wie hoch sind die Kundenerwartungen des Ziellandes? Wie wichtig ist die Religion? Wie ist das Rollenverständnis der Geschlechter – traditionell oder liberal? Gibt es kulturelle Verbote, die mein Geschäft betreffen? An diese Gegebenheiten müssen Produkte, Dienstleistungen und Unternehmensstrukturen angepasst werden.

Strategische Internationalisierung durch Kollaboration

Internationalisierung ist ein Risiko, das sich nicht vollständig kalkulieren lässt. Es bietet aber auch enorme Chancen durch synergetische Effekte, wenn man die unterschiedlichen kulturellen Blickweisen für sich zu nutzen versteht. Notwendig ist neben einer grundlegenden Basisstrategie eine offene Fehlerkultur, die Problemstellen schnell und unkompliziert erfasst und analysiert. Halten Sie sich dabei nicht mit Schuldfragen auf, sondern dokumentieren Sie die Schwachstellen in einer Wissensdatenbank. So kann man sie beim nächsten Mal vermeiden. Dies kann als geordnete Zusammenarbeit durch Kollaboration geschehen.

Nachhaltiges Wissensmanagement im Unternehmen bietet eine praktische Grundlange für das einheitliche Anleiten neuer Mitarbeiter im In- und Ausland. Außerdem beugt es Fehlern durch Kommunikationsprobleme vor. Oftmals wird eine Dokumentation aus Auftragsdruck in die unbestimmte Zukunft verschoben. Dies ist ein Fehler, der langfristig Zeit und Geld kostet. Moderne Software-Programme zur Kollaboration verhindern zusätzlichen Planungsaufwand durch integrierte Dokumentation. Kollaboration bedeutet dabei gemeinsame Arbeit an einem Projekt in Echtzeit, wobei das Projekt für alle Beteiligten in seiner Gänze transparent überschaubar ist.

Damit kollaboratives Arbeiten im Unternehmen funktioniert, bedarf es einer demokratischen Firmenkultur mit flachen Hierarchien und gegenseitigem Respekt. Kollaboratives Wissensmanagement hat den Vorteil, dass 1. unterschiedliche Blickpunkte die Business Operations besser auf den Zielmarkt ausrichten (Flexibilität der Wertschöpfung) 2. Mitarbeiter motiviert werden, sich aktiv auf allen Ebenen einzubringen (Qualität der Wertschöpfung). Unterstützen und belohnen Sie proaktive Leistung entsprechend.

Fazit Internationalisierung

Interkulturelle Kommunikation und integriertes Wissensmanangement sind Schlüssel zum Erfolg digitaler Geschäftsmodelle im Ausland. Dazu muss man in das Unbekannte eintauchen: Lassen Sie sich von der fremden Kultur faszinieren statt irritieren! Je mehr Insiderwissen man über den ausländischen Zielmarkt besitzt, desto besser versteht man ihn. Da man dies als Non-Native selten leisen kann, sollte man auf einheimische Strukturen und Mitarbeiter zurückgreifen. Mit positivem Grundvertrauen in die gemeinsame Zusammenarbeit gelingt die Abgabe von Verantwortung. Denn: Was du selbst nicht gut kannst, lass lieber andere besser machen!

Simone Belko interessiert sich für die Schnittstelle zwischen Industrie 4.0, Wissensgesellschaft und Politik. Die Sprach- und Europawissenschaftlerin arbeitete als Journalistin und PR-Managerin in internationalen Redaktionen und Organisationen wie dem Europäischen Parlament. Zuletzt war sie für das russische Unternehmen Mail.Ru Games als Projektleiterin tätig.

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