Digitalisierte Verträge

Was verbirgt sich hinter Smart Contracts und Digital Twins?

Seit dem Hype im Bitcoin Ende 2017 verbinden viel die Blockchain mit Kryptowährungen. Doch diese Reduktion ist nicht gerechtfertigt. Die Technologie hat weitaus mehr Potenzial. Sie könnte zukünftig unsere Art der Zusammenarbeit und auch die Art, wie wir Verträge abschließen nachhaltig verändern. Smart Contracts und Digital Twins sind dabei ein elementarer Bestandteil. Die folgenden kurzen Erläuterungen sollen dabei helfen, die fremdartigen Begriffe zu verstehen und diese mit Hilfe von Beispielen für die eigenen Anwendungen zu adaptieren.

Direkt und verbindlich – Smart Contracts

Smart Contracts sind Computerprotokolle im dezentralen Blockchain-Netzwerk, die es ermöglichen Logiken bzw. Regeln automatisiert abzuwickeln. Eine manuelle Überwachung wird dabei überflüssig. Auf Basis der Smart Contracts können vertrauenswürdige Transaktionen zwischen verschiedenen (anonymen) Partnern und ohne die Notwendigkeit eines Intermediärs (zentralen Behörde, Mittelsmann) durchgeführt werden. Die automatisierten Verträge machen alle Transaktionen nachvollziehbar, transparent und irreversibel. Setzen wir die Idee einfach in Bezug zu einem Beispiel aus dem Bereich Supply Chain Management:

Wenn Lieferant A 100 kg Kaffee an den Abnehmer B geliefert hat, diese 100 kg Kaffee durch den Wareneingang beim Abnehmer B bestätigt wurden, dann zahlt der Abnehmer B automatisiert und direkt 1000€ an den Lieferanten A.

Auf Basis von Smart Contracts können Partner direkt und ohne Intermediär zusammenarbeiten. Die papierlose Kommunikation erlaubt zudem eine revisionssichere Dokumentation der Vorgänge. Z.B. entfällt durch die automatisierte Regel von Zahlungsmodalitäten der lästige Papierkram, das manuelle Überweisen oder auch das Anlegen eines Dauerauftrages. Stimmen beide Parteien, wie im realen Leben auf dem Papier, einem Smart Contract zu, kann das Vorgehen ein hoher Effizienzgewinn für beide sein.

Gläserne Güter – Digital Twins

Digital Twins sind virtuelle Abbilder von physischen Objekten oder Systemen. Dabei kann ein Digital Twin spezifische Merkmale, wie Maschinendaten oder die Herkunft eines Produktes über den Wertschöpfungsprozess, speichern. Anhand des Kaffee-Beispiels kann das wie folgt aussehen:

Eine Packung/Charge Kaffee erhält einen Digitalen Zwilling. Alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette schreiben oder lesen die Daten im Digital Twin hinein bzw. hinaus. Es kann somit nachvollzogen werden, dass der Kaffee auf einem Feld in Costa Rica bei einem bestimmten Rohstofflieferanten geerntet worden ist. Dann wurde das Produkt 2 Tage nach der Ernte zum Hafen gebracht, wo es wiederum verschifft worden ist. Die Zollbehörde kann alle erforderlichen Herkunftsnachweise im Digital Twin herauslesen und bestätigt die Einfuhr in das Zielland. Hier angekommen ist es möglich, dass der Digitale Zwilling sich selbstständig im evan.network verfügbare Speditionen sucht und mit diesen einen Vertrag zum weiteren Transport schließt. Der Spediteur fährt dann den Kaffee zum Abnehmer, z.B. der Rösterei.

So lässt sich nicht nur nachvollziehen, welche Inhalte ein bestimmtes Lebensmittel enthält und wann es produziert/geerntet worden ist, sondern auch welche Transport- und Vertriebswege ein Produkt durchläuft. Digitale Zwillinge begleiten reale Objekte als digitale Echtzeitkopien – beginnend mit ihrer Entstehung bis hin zu ihrer Entsorgung. Dabei werden digitale Produktinformationen mit realen Zustands- und Verhaltensinformationen verknüpft. Mithilfe des Digitalen Zwillings können Unternehmen Probleme frühzeitig erkennen und Verbesserungen in Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service anstoßen.

Auch auf der diesjährigen CeBIT wurden wieder viele Anwendungsfälle von Smart Contracts und Digital Twins gezeigt. Einen Showcase der etwas anderen Art gab es in diesem Zusammenhang von DXC. Die Kollegen verbanden das Nützliche mit dem Angenehmen. Ein Roboter mixte auf Basis von Smart Contracts Getränke. Blockchain war damit nicht nur ein Mysterium, sondern eine anfassbare Basis zur Abkühlung.

 

Weitere Informationen:

https://www.presseportal.de/pm/126139/3968009

https://www.cloudcomputing-insider.de/die-cebit-2018-verordnet-sich-coolness-a-724792/

 

Weitere Beiträge zu Smart Contracts:

Smart Contracts, Blockchain & Co – Unterschiede, Definition und Info zur Distributed Ledger Technologie

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Anja Wilde sucht immer nach neuen Lösungen im digitalen Umfeld, um Prozesse smarter und effizienter zu gestalten. Sie ist Dozentin an der Akademie des BMÖ und unterstützt Unternehmen bei Digitalisierungsprojekten auf Basis der Blockchain Technologie im evan.network. Erfahrungen sammelte sie in der Vergangenheit auch in den Bereichen Lieferanten- und Risikomanagement, Data Mining und KI.

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