Führung & Entrepreneurship – Wie führe ich mein eigenes Unternehmen

Der erste Schritt ist getan und inzwischen hat der Arbeitsalltag bereits begonnen, aber wie gehe ich die Unternehmensführung jetzt am besten an?

Im letzten Artikel wurde beschrieben, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit ein Start-up überhaupt Erfolg haben kann. Aber, wie geht es danach weiter?
Nachdem die erste Hürde überwunden ist, die Produktion, der Verkauf und das Marketing begonnen haben, ist es Zeit sich auszuruhen und die Füße hochzulegen. 

– Leider muss ich an dieser Stelle enttäuschen.

Entrepreneurship ist ein 100-Meter-Sprint, ein Marathon und ein Hürdenlauf, aber nie nur eines davon, sondern alles gleichzeitig. Selbstverständlich, ohne eine strategische und vorausschauende Planung geht der Überblick schnell verloren. Darum sind Beharrlichkeit, Geduld und Flexibilität von grundlegender Bedeutung, besonders bei Deadlines, Kunden, Investoren oder Mitarbeitern. 

Nach meiner Zeit bei meinem ersten Start-up wusste ich, es ist essenziell, so schnell, wie möglich eine eigene Marke aufzubauen, um unabhängig vom Markennamen wahrgenommen zu werden. Die ersten ein bis zwei Jahre waren mit großem Aufwand verbunden, ich habe viele finanzielle Ressourcen investiert, teilweise auch, wenn es problematisch für mich war, diese aufzubringen. Mir war klar, wenn ich mich reinhänge und immer dahinter stehe, dann stehen die Chancen gut, bald den Turning Point zu erreichen. Wie ein Wahnsinniger habe ich auf mein Ziel hingearbeitet und trotz schwieriger, scheinbar aussichtslosen Situationen letzten Endes den Punkt erreicht, ab dem es endlich bergauf ging.

Man muss für seinen Erfolg kämpfen, investieren und geduldig sein. Erfolg ist nichts, dass von heute auf morgen passiert. Auch Rückschläge und schwere Zeiten sind unvermeidlich. Das muss einem erstmal klar werden. Lasse ich mich von so etwas entmutigen, werde ich nicht weiter kommen.

Motiviert bleiben

Grundsätzlich ist das Umfeld Start-up sehr ausgefallen und macht Spaß. Nach außen hin wirkt es unbeschwert, gerade weil Anfangs meist nur die Erfolgsgeschichten an die Öffentlichkeit kommen. Aber nur, weil man von den Rückschlägen der Unternehmer nicht viel mitbekommt, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Über verlorene Kunden, drohende finanzielle Engpässe oder betriebsinterne Probleme zwischen den Gesellschaftern oder den Mitarbeitern erfährt man im Speziellen bei Jungunternehmen nur selten etwas. Dennoch können diese Probleme Selbstzweifel, Selbstkritik sowie Bedenken an dem eigenen Vorhaben zur Folge haben. Es ist nicht immer einfach mit solchen Gedanken motiviert zu bleiben, selbst wenn es sich bei der Motivation um eine grundlegende Bedingung handelt.

Meiner Erfahrung nach gibt es vier wesentliche Faktoren, die bei der Motivation unterstützend wirken.
Das grundlegende Interesse das Unternehmen weiterzubringen, Spaß an der Arbeit, Wertschätzung und die Kommunikation. Mit Sicherheit wird es Aufgaben geben, die weniger spannend sind und einem nicht unbedingt Freude bereiten. Das ist einfach so, das ist part of the deal. Auch mir geht es so. Spaß bei meiner Tätigkeit ist mir selbstverständlich auch wichtig, dennoch hat Wertschätzung einen höheren Stellenwert für mich.
Es geht hierbei aber nicht nur um die Wertschätzung von außen, also von Kollegen, Mitarbeitern oder Freunden, sondern auch die eigene Wertschätzung ist unvorstellbar kostbar. Ich persönlich, wie auch 
sicherlich viele andere, werden nicht immer das Gefühl erhalten, dass all die Arbeit und Bemühungen, die investiert werden, in einem für sich zufriedenstellenden Ausmaß wertgeschätzt werden. Umso mehr gewinnt in diesen Situationen die innere Wertschätzung an Bedeutung. Das eigene Bewusstsein, dass man etwas gut gemacht hat und etwas Großartiges bewirkt oder beeinflussen konnte, kann einem unfassbar viel Kraft, neue Energie und Selbstbewusstsein zum Weitermachen geben.

Als weiterer Motivationsfaktor kann die firmeninterne Kommunikation dienen. Egal ob es darum geht ehrliche Kritik anzunehmen und an dieser zu wachsen, oder eben ein verdientes Lob auszusprechen. Auch bei periodischen Arbeiten hilft Feedback den Mitarbeitern dabei ihre erbrachten Leistungen besser einzuschätzen und kann, resultierend daraus, eine motivierende Wirkung haben.
Zu häufiges Loben kann jedoch ebenso gegenteiliges Bewirken, soweit es unglaubwürdig erscheint oder die Person keinen Raum mehr zum Wachsen sieht. Um Spannungen zu vermeiden, ist es außerdem wichtig, nicht in Bevorzugungen zu geraten.

Kommunikation

Wie oben bereits angedeutet, ist sie ein essenzieller Teil der Motivation. Es ist aber auch nicht zu unterschätzen, welchen Stellenwert Kommunikation im erfolgreichen Miteinander ausmacht. Schließlich gewährleistet die Absprache untereinander ein reibungsloses Arbeiten, wo jede/r genau weiß, was seine/ihre Arbeit ist, und was gegenseitig voneinander zu erwarten ist.

Ebenso ist es für zwischenmenschliche Beziehungen von hoher Bedeutung sich geschickt untereinander austauschen zu können. Schließlich macht es einen Unterschied, ob jemand mit Mitarbeitern zu tun hat, die sympathisch sind, oder mit welchen, denen man lieber aus dem Weg gehen möchte. Durch gute und richtige Verständigung ist man dazu in der Lage etwaige Spannungen und vor allem Missverständnisse schnell aufzufassen und zu lösen.

Mitarbeiter

Viele Arbeitgeber verlassen sich auf den ersten Eindruck, wenn es um die Auswahl ihrer Angestellten geht. Dabei sollte genau diese oberflächliche Wahrnehmung nicht ausschlaggebend für die Mitarbeiterwahl sein.
Heterogene Kompetenzen, homogene Werte. Diese zwei Dinge sind das, worauf es ankommt. Wer sich in den Fähigkeiten ergänzt und bei den Grundeinstellungen übereinstimmt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gut miteinander arbeiten können. Durch diese Kombination haben kleine Start-ups das Potenzial schnell zu wachsen und in Zukunft auch erfolgreiche Projekte zu entwickeln. Ein ergänzendes, funktionierendes Team ist unentbehrlich, es ist das Herz und die Seele einer jeden Firma. Aufgrund dessen sollte das Arbeitskollektiv ebenso ein Mitspracherecht bei neuen Bewerbern haben. Sind die Mitarbeiter unglücklich, wirkt sich dies auf das gesamte Unternehmen aus.

Ernsthaftigkeit

Obwohl die Arbeit Spaß machen soll, handelt es sich nichtsdestotrotz immer noch um Arbeit. Es geht um viel Geld und auch um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter. Investoren, Kunden und auch Lieferanten, sie alle sind von den Entscheidungen und dem Verhalten der Unternehmer beeinflusst. Ein/e Unternehmensinhaber/in muss mit Fokus und Interesse hinter der Firma stehen. Den Betrieb nur nebenbei zu führen funktioniert nicht, es bedarf der gesamten Aufmerksamkeit um aufkommende Probleme bereits frühzeitig zu entdecken und zu beheben. Ist im Vorhinein schon klar, dass es nur ein halbherziges Projekt wird, sollte das Vorhaben gar nicht erst begonnen werden.

Ein Unternehmen zu führen, ist kein leichtes Unterfangen. Von Motivation und Arbeitsklima, von Mitarbeitern und Kommunikation bis hin zu den eigenen körperlichen und seelischen Grenzen an die man zwangsläufig stößt. Es gibt jede Menge Gelegenheiten, an denen der Traum vom Entrepreneurship selbst nach erfolgreicher Unternehmensgründung noch scheitern kann. Führt man sich aber die wichtigsten Dinge vor Augen und bleibt seinem Plan treu, dann hat man eine gute Chance seine Ziele zu erreichen. Dann ist man schon auf dem richtigen Weg eines Tages ein erfolgreicher CEO zu werden, zu dem andere aufblicken und den andere als Beispiel, vielleicht sogar als Vorbild nehmen.

By: Yvonne Maria Göstl & Kambis Kohansal Vajargah

Kambis Kohansal Vajargah ist Entrepreneur, Company Builder und Startup Mentor. Er unterstützt Startups in der frühen Entwicklungsphase bei der marktreifen Umsetzung ihrer Ideen. Zu seinen erfolgreichen Unternehmungen zählen Startups, wie Carployee und die Softwareschmiede vendevio. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeiten liegt in den Bereichen digitales Marketing, strategische Unternehmensentwicklung und Leadership Management. Vom World Economic Forum zum europäischen Digital Leader ernannt, treibt er als aktive Kraft die Digitalisierung Europas voran. Sein Motto: Believe. Execute. Learn

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