Mitarbeiterauswahl – Der erste Eindruck zählt, aber der zweite ist von Bedeutung

Warum der erste Eindruck beruflich zählt, aber der zweite wirklich von Bedeutung ist.

Wieso ist uns der erste Eindruck eigentlich so wichtig?
Wie sind wir auf die Idee gekommen, dass zehn oder zwanzig Minuten mit einem Menschen ausreichend sind, um auch nur erahnen zu können, was für eine Person dahinter steckt?

Tatsache ist, wir versäumen durch diese Angewohnheit Möglichkeiten, neue interessante Leute zu treffen oder fähige Mitarbeiter/innen einzustellen.
Das Herausfinden, ob man gemeinsam harmoniert und in Zusammenarbeit Projekte verwirklichen kann ist ein Prozess, ein langer und stetig andauernder Prozess. Menschen ändern sich, Umstände ändern sich und Arbeitsverhältnisse ebenso. Es ist nahezu unmöglich, aufgrund eines kurzen Gespräches die richtige Entscheidung zu treffen. Was man machen kann: das Risiko einer Fehleinstellung reduzieren.

Der Entrepreneur kann durch folgende Punkte seinem/ihrem Entscheidungsprozess die richtige Objektivität verleihen, und damit den trügerischen ersten Eindruck entkräften.

Unterlagen analysieren

Natürlich ist der Inhalt des CV selbst nicht zu vernachlässigen, man sollte aber auch das große Ganze betrachten. Handelt es sich um eine Standardbewerbung, die an alle möglichen Firmen weitergeleitet wird? Ist ein Motivationsschreiben vorhanden? Auf welche Art und Weise hat man sich beworben? Wie kreativ oder besonnen ist der Gesamtauftritt?

Vorstellungsgespräch

Beim Gespräch selbst sollte man auf zwei Punkte Rücksicht nehmen. Erfahrung und Vertrauen. Nicht alle Bewerber/innen haben gleich viele Erfahrungen in Bewerbungsgesprächen. Praxiserfahrung und Übung sind aber essentiell wichtig um den “perfekten” ersten Eindruck hinterlassen zu können.
Genauso herrscht zu Beginn noch keine Vertrauensbasis. Auch auf Grundlage dessen werden manche Kandidaten/innen zurückhaltender oder nervös sein und nicht viel von sich preisgeben.

Das Verhalten nach der Bewerbung

Dies kann auch ein weiteres wichtiges Selektionswerkzeug sein. Steht die Person wirklich dahinter? Meldet sie sich und erkundigt sich erneut nach der Stelle? Gibt sie sich Mühe den Arbeitsplatz zu bekommen?
Gegensätzliches Verhalten, nämlich Zurückhaltung, kann auch von taktischer Natur sein. Bei dieser Vorgehensweise möchte man ausdrücken „Ich muss keinem Job nachlaufen. Das Unternehmen sucht nicht mich aus, ich suche mir das Unternehmen aus“.

Erkundigungen

Sich bei vorherigen Arbeitgebern zu erkundigen, ist auch ein weiterer wichtiger Punkt. Allerdings bekommt man auf diese Weise nur eine einseitige Meinung vermittelt. Rücksprache mit dem/der Aspirant/in zu den mitgeteilten Informationen ist unverzichtbar, um ein unverzerrtes Bild zu erhalten.

Team

Das bestehende Team sollte auch ein Mitspracherecht haben. Vor allem in Kleinst- und Kleinunternehmen sollte ihre Meinung nicht nur respektiert, sondern auch berücksichtigt werden. Wenn die Mitarbeiter unglücklich sind, wirkt sich dies auf das gesamte Unternehmen aus. Außerdem wird sich der Neuankömmling schwer einleben können.

Zu beachten

Sobald eine Person aus dem eigenen Netzwerk empfohlen wird, wirft dies im Vorhinein schon ein positives Licht auf sie. Genauso ist es bei Leuten mit denen man schon früher zu tun hatte oder sogar gemeinsam gearbeitet hat.
Bei ehemaligen Arbeitskollegen weiß man schließlich schon, dass man bereits in der Vergangenheit zusammen ein erfolgreiches Projekt verantwortet hat. Aber nur, weil man früher einmal gut mit diesem Menschen arbeiten konnte, heißt das nicht automatisch, dass es bei der neuen Tätigkeit genau so ist.
Das Arbeitsverhalten wird von dem Umfeld, dem Setting und natürlich der geforderten Arbeit bestimmt. Man soll sich also in jeder neuen Position aufs neue beweisen.

Wie schon bereits erwähnt, handelt es sich um einen Prozess bis man merkt, ob die richtige Entscheidung bei der Mitarbeiterwahl getroffen wurde oder nicht. Erst durch längere Zusammenarbeit zeigt sich das „wahre Ich“ einer Person.
Neueinsteiger könnten Eingewöhnungszeit benötigen, bevor sie ihr volles Potenzial entfalten und auch zeigen können.
Im Kontrast dazu verlieren Manche nach einiger Zeit ihren anfänglichen Enthusiasmus.

Natürlich gibt es auch Tipps für Arbeitnehmer um den optimalen Betrieb für eine langfristige Beschäftigung zu finden.

Verhalten vortäuschen

Sich selbst für einen Arbeitsplatz zu verstellen ist illusorisch. Früher oder später verrät man sich und wenn nicht, wird man nur unglücklich. Mit dieser Einstellung wird man zwar nicht jeden Job bekommen, aber darum geht es auch gar nicht. Es geht schlussendlich darum, eine Arbeit zu finden, mit der man glücklich wird und die man für eine lange Zeit auch gerne macht.

“Überqualifiziert”

Zu denken, man wäre für Banalitäten überqualifiziert, ist der falsche Ansatz für ein gutes Arbeitsverhältnis. Sei es jemanden einen Kaffee mitzubringen, oder auch mal Milch oder Obst für das gesamte Büro mitzunehmen. Das ist keine unangemessene Arbeit, sondern Wertschätzung gegenüber dem Team.

Werte

Sollte es grundlegende Unterschiede zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hinsichtlich ihrer Wertvorstellungen und Prinzipien geben, ist es gleich besser sich eine andere Anstellung zu suchen. Beispielsweise, ein umweltbewusster Mensch hat sich um eine Stelle beworben und merkt während des Bewerbungsgesprächs, dass das Unternehmen ausschließlich profitorientiert handelt und sie auf den Klimawandel, Recycling, die Meere und die Natur keinen Wert legen. Auch wenn diese Anstellung finanzielle Bedürfnisse abdeckt, würde diese grundlegende Differenz, das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigen.

Zu beachten

Auch für Arbeitnehmer gilt: der erste Eindruck ist nicht unbedingt ausschlaggebend, denn, auch hier kann man von verschiedenen Faktoren getäuscht werden. Man sollte nicht die berufliche Laufbahn von dem ersten Kennenlernen oder Gespräch abhängig machen. Manchmal erscheinen Arbeitgeber zu beginn kühl und reserviert, erweisen sich dann aber als freundliche Führungskräfte.

Es gibt ihn, den ersten Eindruck und wir Menschen brauchen für ihn nur 150 Millisekunden wie die bekannte Studie des Max Planck Instituts für Wirtschaft zeigt. Nach spätestens sieben Sekunden ist der erste Eindruck gebildet. Auch die Harvard University brachte eine Studie zu diesem Thema. Nach dieser kurzen Zeitspanne haben wir bereits ein eigenes, voreingenommenes Bild von unserem Gegenüber, ohne ihn auch nur ansatzweise zu kennen. Dieses Bild beruht maßgeblich auf unserer Körperhaltung und den Gesichtsausdruck. Selbst der Sprachstil spielt eine wichtige Rolle.
Es ist nicht das Ziel dieses Artikels zu sagen, dass der erste Eindruck unwichtig ist und dass man ihn nicht beachten sollte. Ein gutes Bild von sich selbst zu vermitteln, kann natürlich entscheidend sein. Gleichzeitig dürfen wir ihm aber nicht zu viel Bedeutung zuschreiben, ansonsten könnten uns Gelegenheiten entgehen.

Aus diesen Gründen lautet mein Leitsatz zu diesem Thema:

“First impressions count, but second impressions really matter.”

By: Yvonne Maria Göstl & Kambis Kohansal Vajargah

Kambis Kohansal Vajargah ist Entrepreneur, Company Builder und Startup Mentor. Er unterstützt Startups in der frühen Entwicklungsphase bei der marktreifen Umsetzung ihrer Ideen. Zu seinen erfolgreichen Unternehmungen zählen Startups, wie Carployee und die Softwareschmiede vendevio. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeiten liegt in den Bereichen digitales Marketing, strategische Unternehmensentwicklung und Leadership Management. Vom World Economic Forum zum europäischen Digital Leader ernannt, treibt er als aktive Kraft die Digitalisierung Europas voran. Sein Motto: Believe. Execute. Learn

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