Datenaffinität ist der Schlüssel zum digitalen Wandel
Von Mobilität bis Gesundheit: Wie Datenaffinität den digitalen Wandel treibt – und warum sie unverzichtbar ist.
Daten sind der Schlüssel zur Zukunft – ob für effiziente Mobilitätskonzepte, personalisierte Bildung oder medizinischen Fortschritt. Trotzdem hemmen Unwissenheit und Bedenken ihre Nutzung, dabei könnten sie Innovation und Lebensqualität maßgeblich steigern.
Schon vor Jahren kündigten Aussagen wie „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts“ bildgewaltig an, was inzwischen längst außer Frage steht: Die richtige Datenstrategie ist entscheidend für den digitalen Wandel. Trotzdem ist die dafür erforderliche breite Datenaffinität vielerorts noch nicht vorhanden.
Der Grund: Die Möglichkeiten digitaler Technologien sind zwar im Bewusstsein der Menschen angekommen; die entscheidende Rolle, die Daten dabei spielen, hingegen noch nicht. Dass sie als Schlüsselressource im digitalen Zeitalter noch aktiver und vor allem weit ambitionierter gefunden, bereitgestellt und genutzt werden müssen, ist noch zu wenigen wirklich klar – sei es in Unternehmen, Gesellschaft oder Politik. Stattdessen bremsen Unwissenheit und (oftmals unberechtigte) Bedenken die Datenerhebung und -nutzung aus.
Ideen und Chancen werden infolgedessen schon im Keim erstickt. Dabei gibt es auch abseits der üblichen Paradedisziplinen gewinnbringender Datennutzung, wie der Produktion in Unternehmen, zahlreiche Belege dafür, wie hoch der Mehrwert für alle sein kann. Griffige Beispiele sind:
Mobilitätsdaten als Richtungsweiser für Verbesserungen
Index
Geschäftsmodelle wie das Autonome Fahren, Mobilitätssoftware oder Mobility-as-a-Service sind ohne Mobilitätsdaten undenkbar. In Zeiten vielfältiger Verkehrsproblematiken könnten sie aber Abhilfe schaffen, sofern die dafür erforderlichen Informationen umfassend erhoben und genutzt werden dürften – beispielsweise, wenn es um die Entlastung von Verkehrsknotenpunkten, den effektiven Einsatz von Winterdiensten oder die passgenaue Planung von ÖPNV-Verbindungen geht. Doch während Busse, Taxen und Uber ihre Daten bereits zur Verfügung stellen, fehlen noch der Schienenverkehr und Sharing-Anbieter, weil die Erhebung der Daten bei ihnen noch nicht geregelt ist; eine gesetzliche Grundlage steht aus.
Bildungsdaten als Wegbereiter für die Zukunft
Mit der fortschreitenden Digitalisierung können Bildungsdaten helfen, Lernprozesse zu individualisieren und die Bildungsergebnisse zu verbessern. Sie ermöglichen die Verfolgung von Lernfortschritten, die Identifizierung individueller Stärken und Schwächen sowie die Entwicklung maßgeschneiderter Lernpläne. Durch die Analyse von Daten aus verschiedenen Bildungseinrichtungen können zudem Best Practices identifiziert und verbreitet werden, was zu einer insgesamt besseren Bildungsqualität führt. Stichwort: Success Modelling – ein Prinzip, das beispielsweise auch im Unternehmensumfeld noch viel zu selten praktiziert wird.
Gesundheitsdaten als Rezept für medizinische Fortschritte
Fitness-Tracker machen auf persönlicher Ebene längst vor, wie sinnvoll das Sammeln und Verwenden von Gesundheitsdaten sein kann. Die Diskussion darüber, wie Gesundheitsdaten im Einklang mit dem Datenschutz für Forschung und Versorgung besser genutzt werden können, ist dagegen noch im Gange. Zwei bedeutende Großprojekte haben kürzlich an Dynamik gewonnen: das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) und der Europäische Raum für Gesundheitsdaten (European Health Data Space, EHDS).
Das GDNG, das nun in wesentlichen Teilen in Kraft getreten ist, zielt darauf ab, Gesundheitsdaten leichter für gemeinwohlorientierte Zwecke nutzbar zu machen. Dies umfasst die Verknüpfung von pseudonymisierten Daten aus der elektronischen Patientenakte, Abrechnungsdaten der Krankenkassen und Informationen aus dem Krebsregister. Diese Datenauswertung soll dazu beitragen, Krankheiten früher zu erkennen, Therapien zu individualisieren und Heilungschancen zu verbessern.
Parallel dazu stellt der EHDS einen Eckpfeiler der europäischen Gesundheitsunion dar und markiert den ersten gemeinsamen EU-Datenraum in einem spezifischen Bereich, basierend auf der EU-Datenstrategie. Im Frühjahr haben das Europäische Parlament und der Rat eine politische Einigung über den Vorschlag der Kommission zum EHDS erzielt. Durch den EHDS kann die EU das Potenzial eines sicheren Austauschs sowie der sicheren Nutzung und Weiterverwendung von Gesundheitsdaten voll ausschöpfen, um Patienten, Forschern, Innovatoren und Regulierungsbehörden zu dienen.
Daten: Bedenken „aus“, Chancen „an“
Spätestens wenn Daten zu einer besseren Gesundheit beitragen können, sollte die Motivation, Chancen zu nutzen, größer sein als die Bedenken. Die positive Einstellung gegenüber Daten sollte ermutigen, innovative Lösungen zu verfolgen, die das Wohlbefinden und die Lebensqualität erheblich verbessern können. Und das Gesundheitsthema lässt sich hierbei metaphorisch wunderbar auf andere Bereiche wie die Unternehmenswelt übertragen.
Wenn Unternehmen datenaffin sind, können digitale Transformationsprozesse ambitioniert und konsequent vorangetrieben werden. Daten ermöglichen es Betrieben, fundierte Entscheidungen zu treffen, Prozesse zu optimieren und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Dies führt zu mehr Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und langfristigem Erfolg. Denn ein datengetriebenes Unternehmen kann auch schneller auf Veränderungen im Markt reagieren und sich an neue Gegebenheiten anpassen. Dadurch wird es widerstandsfähiger gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen und kann sich proaktiv auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten. (Nur) dann sind Unternehmen „gesund“ und zukunftsweisend aufgestellt.
Darüber hinaus fördert eine datengestützte Unternehmenskultur die Zusammenarbeit und den Wissensaustausch innerhalb der Organisation. Mitarbeiter können durch den Zugang zu relevanten Daten und Analysen bessere Entscheidungen treffen und ihre Arbeit effektiver gestalten. Dies trägt nicht nur zur Steigerung der Produktivität bei, sondern auch zur Zufriedenheit und Motivation der Belegschaft – in Zeiten des Fachkräftemangels ein entscheidender Aspekt.
Fazit
Datenaffinität ist entscheidend für den Erfolg im digitalen Zeitalter. Dass es trotz der bekannten Bedeutung von Daten in vielen Bereichen noch an der notwendigen breiten Akzeptanz und Nutzung fehlt, ist eine Herausforderung, die es dringend zu bewältigen gilt – in Unternehmen, Gesellschaft und Politik.

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