Firmenkultur als wichtigster Faktor der digitalen Transformation

Die Technologie wird sich immer wandeln, doch wird es die Firma auch machen?

Die Welt um uns herum verändert sich rapide und die digitale Revolution verändert Kunden und Firmen. Doch wie können sich Firmen auf diesen Wandel einstellen? Wie kann man sich für die eigene digitale Zukunft wappnen? – Die Antwort für beide Fragen ist wahrscheinlich nicht in der Technologie zu finden. Firmen müssen sich agil aufstellen und dazu gehört auch eine flexible Firmenkultur.

Jeden Tag scheint die Technologie sich weiterzuentwickeln. Cloud-Technologien, Künstliche Intelligenz in allen möglichen Bereichen, Internet of Things (IoT) das in immer mehr Produkten verfügbar ist und vieles mehr. Doch egal wie schnell sich die Technologie auch entwickeln mag, es wird immer wichtiger mit diesem Trends mithalten zu können. Dies erfordert, dass die Mitarbeiter sich damit auseinandersetzen, Organisationsstrukturen sich anpassen und auch eine Innovationskultur vorherrscht, die es ermöglichen soll, sich nachhaltig den Veränderungen am Markt anzupassen.

Digitale Disruption und Firmenkultur

Blockbuster, eine Firma mit 8.000 Läden, 84.000 Angestellten und über 6 Milliarden Dollar umgesetzt hat, wurde mit dem flexiblen Netflix konfrontiert. 2004 war Blockbuster noch einer der grössten Firmen im Medienbereich und heute ist es nur mehr einen kleinsten Bruchteil des damaligen Imperiums. Es gab viele Faktoren, die dazu geführt haben, wie Blockbuster sich damals verkalkuliert hat. Doch einer der wichtigsten Faktoren, die zum Untergang der Milliarden Dollar Firma geführt hat, war das langsame und die nicht vorhandene Fähigkeit zur Adaption.

Im gleichen Zug war aber ein Schlüsselmoment für Netflix. Das agile Unternehmen hat es verstanden seine Kunden zu verstehen, es nutzte den Silicon Valley Mindset um sich zu entwickeln und sich dementsprechend schnell zu entwickeln. Personen, Kunden und Kultur in den Mittelpunkt zu stellen, war der Grundstein dafür die Medienbranche zu revolutionieren, Konkurrenten zu disruptieren und komplett neue Marktsegmente zu erschliessen.

Digitale Transformation stellt Personen in den Mittelpunkt

Wenn man den Unterschied zwischen Digitalisierung und Digitale Transformation verstanden hat, dann weiss man auch, dass die Menschen bei der digitalen Transformation im Mittelpunkt stehen. Die Technologie wird sich immer weiterentwickeln und Kundenbedürfnisse werden sich wandeln. Eine Organisation kann nur nachhaltig funktionieren, wenn sie sich agil an diese Veränderungen anpassen kann.

Für Führungskräfte ist es genauso eine Herausforderung wie für die Angestellten. Kürzere Entscheidungswege, flache Hierarchien und neue Arten der Arbeitsteilung sind dabei hilfreich aber auch eine kulturelle Herausforderung. Jede Firmenkultur muss so aufgebaut sein, um sich bestmöglich an die externen Veränderungen anzupassen und sollte genug Platz bieten um neue Ideen auszuprobieren.

Das richtige Umfeld für eine gute Firmenkultur

Digitale Transformation passiert auf allen Ebenen und mit allen Personen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass Leute sich erst dann entfalten können, wenn man ein richtiges Umfeld bietet. Grundsätzlich kann man auch sagen, dass sich die Transformation leichter durchführen lässt, wenn man vorher schon das Umfeld verändert.

Indem man die Menschen in den Mittelpunkt des Prozesses stellt, die Fragen beantwortet und auch auf die Probleme genauer eingeht, wird man nicht nur die Kunden besser bedienen können, sondern auch die eigene digitale Transformation vorantreiben können. Ein starker Fokus auf Menschen und Kunden sorgt auch dafür, dass in dem Prozess der eigenen digitalen Transformation weniger intern gekämpft wird und mehr darauf geachtet wird, wie man sich selbst und den Kunden ein besseres Erlebnis bieten kann. Ein gemeinsames Ziel ist dabei sehr hilfreich den Fokus auf das zu richten was wichtig ist, glückliche Kunden schaffen.

Schneller sein als die Konkurrenz

Eine harmonische und zielgerichtete Firmenkultur sind schön und gut. Doch der grosse Nutzen daraus entsteht, wenn man dadurch schneller wird. Der Fokus und die bessere Effizienz sorgen dafür, dass man längerfristig schneller adaptieren kann und somit der Konkurrenz einen Schritt voraus ist. Digitale Transformation ist ein laufender Prozess und wird sich auch immer wieder neu erfinden, jedoch kann eine gute Firmenkultur dafür sorgen, dass dieser Prozess ungehindert fliessen kann und sich die Firma agil auf neue Technologien, neue Märkte oder auch neue Konkurrenten einstellen kann.

6 Schritte für eine agile Firmenkultur und ein agiles Mindset

Eines der grössten Herausforderungen im Change Management besteht ohne Zweifel darin die Firmenkultur zu verändern. Es wird niemals über eine kurze Zeit passieren und schon garnicht über Nacht. Speziell wenn Firmen sehr starr und traditionell organisiert werden, eine längere Firmenkultur so aufgebaut wurde, wird dieser Wandel wesentlich länger und mehr Ressourcen brauchen.

Die hier aufgezeigten Schritte sind natürlich für jede Branche und jede Industrie anders, jedoch gibt es ein paar Punkte die immer wichtig sind und die zeigen wir euch.

1. Die Dringlichkeit zur Veränderung kommunizieren

Wir fürchten uns alle vor Veränderungen, auch wenn diese meist der einzige Weg sind um sich zu retten. Diese natürliche Angst vor Neuem führt dazu, dass sich Firmen nicht verändern wollen, denn es hat ja bisher so geklappt wie es ist. Um aus dieser Komfortzone auszubrechen, müssen alle Mitarbeiter klar verstehen, dass es keinen anderen Weg gibt und die eigene Veränderung notwendig ist. Ziel ist es aber die Mitarbeiter zu Neuem zu inspirieren und ihnen verständlich zu machen, warum ein agiles Mindset besser ist.

2. Ungewissheit und Unklarheit als Chance verstehen

Viele Firmen verbringen Wochen, Monate oder sogar Jahre damit auf die Gewissheit hinaus zu arbeiten und verpassen dabei wichtige Chancen. Es mag zwar gut sein nur auf die Gewissheit hin zu arbeiten, aber Veränderung und Gewissheit gehen nie gut miteinander. Wichtig in einer guten Transformation ist es bestehende Paradigmen aufzubrechen. Dabei müssen Strukturen hinterfragt werden und Aussagen wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ vermieden werden.

3. Fehlerkultur zulassen und zelebrieren

Wie vorhin schon beschrieben, ist es schwierig einen Wandel durchzuführen ohne Gewissheit, was dannach kommt. Um nachhaltig auch dafür zu sorgen, dass man sich weiterentwickelt, ist es nötig auch Fehler zuzulassen. Mitarbeiter müssen lernen, dass es auch die Möglichkeit gibt Fehler zu begehen, daraus zu lernen und dadurch den nächsten Schritt besser zu machen. Wenn verstanden wird, dass Fehler ein zentraler Bestandteil der eigenen Entwicklung sind, dann werden neue Denkanstösse und neue Herangehensweisen besser funktionieren und die digitale Transformation schneller von statten gehen.

4. Neue Perspektiven einbringen

Um bestehende Kulturen aufzubrechen, ist es auch nötig Inputs von anderen Stellen zu bekommen. Dabei ist es immer hilfreich neue Ideen und neue Perspektiven von Aussenstehenden in die eigene Kultur mit einzubinden. Externe Experten und Partner können dabei helfen und auch gut genutzt werden um einen frischen Wind in die eigene Gedankenwelt zu bringen.

5. Auf Kunden hören

Viele denken, dass sie ihre Kunden nach zig Jahren im Geschäft schon auswendig kennen und wissen, was diese wollen. Dies kann ein fataler Fehler sein, denn auch diese Kunden entwickeln sich weiter. Ziel ist es nicht einfach nur Annahmen zu treffen, sondern aktiv die Kunden zu fragen und mit ihnen auch mal ein Brainstorming anzustreben. Dies kann helfen die Kunden besser zu verstehen, die Kunden fühlen sich ernst genommen und man kann sich an deren Bedürfnissen orientieren um die eigene digitale Transformation vorzubereiten.

6. Starke Partnerschaften aufbauen

Nicht nur für neue Perspektiven sind Partner gut, sondern auch, wenn es darum geht sich im Markt zu positioniern. Ökosysteme und starke Collaborationspartner sind der Treibstoff der nächsten Geschäftsbeziehungen. So empfiehlt es sich auch nach innovativen Partnern Ausschau zu halten um mit deren Innovationen und von ihrer Firmenkultur mitlernen zu können. Gemeinsam ist man stärker – Dies gilt heute mehr denn je.

Auf das „WHY“ fokussieren

Simon Sinek hat einen wichtigen Satz gesagt, der stellvertretend für viele grosse Firmen wie Apple, Netflix etc. zu verstehen ist. “People don’t buy what you do. They buy why you do it.”

Digitale Transformation ist nicht nur ein Projekt oder eine Phase der Transformation, es ist auch eine Einstellungssache. Der Prozess der digitalen Transformation ist nicht endend und ein langfristiges Konzept. Die Vision wird immer wichtiger in der schnell ändernden Welt und so wird auch die Firmenkultur zum zentralen Punkt für diese Vision und wie man diese umsetzt.

Um das WHY wirklich beantworten zu können braucht man Leute die daran glauben, die für dieses Why auch arbeiten wollen und die dahinter stehen. Frische Talente, neue Partner und ein agiler Mindset sind dabei gute Wege um diese gemeinsame Vision zu verfolgen und langfristig Erfolg zu haben.

Hier noch ein Video von Simon Sinek über das WHY, das ich jedem empfehlen würde.

Serien-Unternehmer seit er erfolgreich mit 13 Jahren die ersten Firmen gründete. Seit jeher hinterfrägt er den «Status Quo» und setzt sich für Innovation, Disruption und neue Ideen ein. Als internationaler Keynote-Speaker, Berater für Firmen und Staaten, Dozent und veröffentlichter Digital Transformation Experte versucht Benjamin international die Themen der Digitalisierung, digitalen Transformation und Innovation voranzutreiben.

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