Digital Leadership und Wertewandel

Wie Werte nun Hierarchien und Statussymbole ablösen

Was bedeutet Digital Leadership und warum hat es so viele Auswirkungen und Verschiebungen bei Führungskräften? Der neue Fokus und die neue Herausforderung.

Der Digitalisierungsschub wirkt aktuell auf Führende wie eine Adrenalin-Injektion. Die einen feiern die geballte Energie, die anderen reagieren überwältigt und orientierungslos. Digital Leadership heißt das Stichwort für das neue Paradigma in der Führung.

Was ist Digital Leadership und was ergibt sich konkret daraus? Das soll in diesem Artikel beleuchtet werden.

Was ist Digital Leadership?

Mit Digital Leadership kommt der Anspruch, dass Führung agiler und flexibler werden soll. Können Unternehmen dem gerecht werden und welche Effekte werden dadurch ausgelöst?

In einer Studie der Uni Frankfurt wird Digital Leadership so definiert: „Die Führung in Unternehmen durch Nutzung von neuen Methoden und Instrumenten durch die Führungskräfte, wie zum Beispiel zur Kollaboration in sozialen Medien, in der Leistungsbewertung durch onlinebasierte, mobile Systeme oder auch im Projektmanagement durch Methoden wie Scrum, BarCamp o.ä. Mit der Offenheit für den Einsatz dieser Instrumente zeigen Führungskräfte, dass sie agiler sein wollen, sich im Unternehmen vernetzen und Mitarbeiter an Prozessen stärker teilhaben lassen.“

Jochen Mai, Gründer der Karrierebibel, definiert Digital Leadership so: „Letztlich geht es beim Digital Leadership darum, mittels klarer Überlegungen die Stärken eines Unternehmens zu nutzen, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Digital Leadership ist viel mehr als nur der Umgang mit dem Internet. Es gilt den  Transformationsprozess des digitalen Wandels zu begleiten, zu organisieren, zu delegieren und zu managen.“

Frank Kohl­-Boas, HR-Chef für Europa bei Google, drückt es so aus:  Letztlich bedeutet Führung das Erzielen von Ergebnissen durch andere. Digital Leadership“ bedeutet absolute „User Centricity“ zu verfolgen, die absolute Fokussierung auf das Einbeziehen von Menschen – als Nutzer, Kunden und als Mitarbeiter.

Verschiebungen durch Digital Leadership?

Wir sehen, es gibt keine einheitliche Definition. Was geschieht konkret, welche Verschiebungen finden statt und wie wirken sie sich aus? Schauen wir uns das auf verschiedenen Ebenen an.

Technologie

Technologien verändern sich rasant. Auch Führungswerkzeuge unterliegen einer Art Disruption, also der zerstörerisch erlebten Variante von Veränderung. Digital Leadership bedeutet sich mit der Nutzung von Social Media, Vernetzungsplattformen, agilem Projektmanagement etc. konkret auseinanderzusetzen. Von Führenden wird verlangt, dass sie die neuen Werkzeuge kennen und nutzen.

Hierarchie

Gewohnte Hierarchien aus der Ära der Industrialisierung lösen sich auf. Führung agiert nicht mehr aus der Distanz eines Chefbüros mit eigenem Fahrstuhl heraus. Gründer aus der Babyboomer Zeit übergeben an die Nachfolgegeneration, die Führung anders definiert: flachere Strukturen mit mehr Mitbestimmung. Ein Beispiel dafür ist die Dina Elektronik GmbH, die vom Gründersohn Stefan Najib sehr erfolgreich zu einem holokratischen Unternehmen umgebaut wurde.

Rechthaberisches Mikromanagement wird sich nicht mehr halten können. Digital Leadership legt den Fokus auf Teilhabe und der Unterstützung aller agil Arbeitenden bei der Selbstorganisation.

Beziehung

Jede Beziehung lebt von Nähe. In der Arbeitswelt bedeutete das bisher räumliche Nähe im Firmengebäude oder bei Präsenztreffen. Digitales Arbeiten löst den räumlichen Bezug zum Arbeitsplatz auf. Kontakt im gemeinsamen Büro, im Konferenzraum, in der Teeküche, beim Treffen in einer Kantine gibt es kaum noch. Die räumliche Nähe wird von emotionaler Nähe abgelöst. Empathisches Führen schweißt ein Team zusammen und bindet an das Unternehmen. Kontrolle ist eine Herausforderung, die transparent diskutiert und geregelt werden sollte.

Status

Wo der Platz in der Hierarchie über Statussymbole wie Firmenwagen, Vorzugsparkplatz, Bürogröße zelebriert wurde, muss man sich Neues einfallen lassen. Ein Trend geht in Richtung kreativer Jobtitel. Der „Head of …“ wird ziemlich inflationär und wenig aussagekräftig genutzt, wie ein Headhunter in einem Gespräch klagte. Die Frage ist, ob sich Statussymbole nicht überlebt haben. Passen sie in eine Zeit, in der flexible Arbeitszeiten zugunsten der Kinder höher bewertet werden als das Gehalt?

Wie Digital Leadership den Fokus ändert

Welche Konsequenzen ergeben sie aus diesen Verschiebungen? Wie kann das konkret aussehen? Dazu ein paar Anregungen.

Technologiekompetenz wird individuell

Technologiekompetenz ist nicht mehr in der IT zu Hause. Sie kann nicht mehr delegiert werden. Wer führen will, muss sich digitale Kompetenzen in den Feldern aneignen, die Menschen tagtäglich vernetzt. Empathisches Führen auf Distanz braucht nicht nur emotionale Kompetenz, sondern auch Kompetenz beim Nutzen agiler Werkzeuge und Plattformen. Der CEO mit eigenem Social-Media-Kanal – auch Businessplattformen wie LinkedIn zählen zu den Social Media – ist ein „Digital Leader“, der Digitalisierung lebt statt sie zu nur predigen.

Werte werden neu definiert

Werte dürfen keine leeren Sprechblasen in der Unternehmensvision bleiben. Ein Unternehmer erzählte mir in der Beratung, dass er bereits ein Unternehmensleitbild mit einer externen Agentur erarbeitet hat. Dieses hänge im Foyer der Firma an der Wand. Auf mein Nachfragen konnte er keinen einzigen Wertegrundsatz aus diesem Leitbild nennen.

Werte müssen vorgelebt werden

Werte definieren ist nur der erste Schritt. Sie müssen authentisch sein. Gerold Wolfarth hat die bk group zum Weltmarktführer gemacht. Sein Buch „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt“ ist ein Füllhorn mit Tipps für unternehmerischen Erfolg.

Er plädiert für Ehrlichkeit und Transparenz. In einem Interview erzählte er, wie er nach einem dramatischen Umsatzeinbruch seine Mannschaft offen und schonungslos über die tatsächliche Situation informierte. Und er gab das Versprechen ab, dass niemand seinen Arbeitsplatz verlieren wird. So hat er jeden einzelnen auf das Ziel eingeschworen und das Versprechen einlösen können.

Werte vorleben schafft Bindung, wie dieses Beispiel zeigt. Werte sind wie Leitplanken, die verhindern, dass wir von der Straße abkommen. Werte entstehen aus dem Bewusstsein für das, was wichtig ist. Sie sind das Fundament für das digitale Mindset. Mehr zum Thema Bewusstsein der Führung im digitalen Wandel in diesem Artikel.

Die Verantwortung des Digital Leader

Miriam Meckel, Herausgeberin der WirtschaftsWoche, brachte es beim Dialog Digital Leadership  auf den Punkt: „Kein technischer Fortschritt enthebt uns der Verantwortung, als Führungskraft Vorbild zu sein. Wer seine Mitarbeiter von der analogen in die digitale Welt mitnehmen will, muss sich zuerst in sie hineinversetzen.“

Ava Hauser navigiert Führungskräfte durch die Stromschnellen massiven Wandels. Führung 4.0 versteht sie als die optimierte Verbindung von Selbstführung und Führung in Zeiten der Digitalisierung. Mit 20 Jahren Erfahrung im Coachingbusiness hat sie dafür ein Programm entwickelt, das ungenutzte Ressourcen aktiviert und die Selbstführung verbessert. So meistern Leader die Herausforderungen und erreichen bessere Resultate ohne persönliche Reibungsverluste. Sie ist Keynote Speaker und Expertin für [Selbst]Führung und Highperformance.

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