Digitalisierung als Chance für Vereine und das Ehrenamt

Wie kann sich die Digitalisierung auch auf Vereine und Ehrenämter auswirken

Die Bedeutung des digitalen Wandels wird nicht nur deutlich bei der Vielzahl an Vernetzungsmöglichkeiten sowie die eigene Arbeit durch die Reichweiten einem größeren Publikum bekannt zu machen. Es werden auch neue Möglichkeiten des Engagements geschaffen, die auch Menschen eine Beteiligung ermöglichen, deren Situation (z.B. aufgrund des Alters oder von Entfernungen) dies bisher nicht erlaubte. Doch was bedeutet Digitalisierung im Ehrenamt konkret? Im Folgenden werden mögliche Ansätze vorgestellt:

Vorhandene Strukturen effektiver gestalten

Die Digitalisierung ermöglicht es, bereits vorhandene Engagementformate zu optimieren und somit effektiver zu gestalten. Gerade für ländliche Regionen kann es sich für Vereine als große Chance erweisen, denn oftmals haben sie aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte und teils großen Entfernungen größere Schwierigkeiten, neue Mitglieder sowie Aktive für ihren Verein zu gewinnen. Dieser Rückgang bei der Zahl der Ehrenamtlichen hat schon oft dazu geführt, dass Vereine sich aufgelöst haben. Als Gründe hierfür sind vor allem der demografische Wandel, die Abwanderung vom Land in größere Städte sowie die Alterung der ländlichen Bevölkerung anzuführen.

Vor diesem Hintergrund können nun die durch die Digitalisierung entstandenen Möglichkeiten dazu beitragen, die genannten Probleme, insbesondere in ländlichen Regionen, zu überwinden. Tools wie Kollaborationsplattformen machen eine bessere Vernetzung unter allen Mitgliedern möglich, der Informationsfluss lässt sich steigern und die Kommunikation und Austausch untereinander verbessern. Durch den Einsatz von Social Media (z.B. Veranstaltungsbericht oder Ehrenamtsgesuche auf Facebook) könnten Interessierte aufgrund der hohen Verbreitung und Reichweiten leichter erreicht auf den Verein aufmerksam gemacht werden.

Entwicklung neuer Formate für die ehrenamtliche Tätigkeit

Der digitale Wandel ermöglicht zudem die Schaffung von neuen Formaten für die Ehrenamtsarbeit. Die Motive, weshalb sich Menschen in der heutigen Zeit engagieren wollen, sind vielfältig und individuell. Flexible Lebensmodelle, die aus beruflichen Gründen oftmals erwartete Mobilität sowie wenig Zeit haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich die Erwartungshaltung an eine ehrenamtliche Tätigkeit geändert hat. Insbesondere jungen Menschen, die über das entsprechende digitale Know-how verfügen, sind bereit sich ehrenamtlich zu engagieren, finden jedoch oftmals nicht den Zugang zu den bisherigen, klassischen Formaten, da diese nicht auf die Bedürfnisse der jungen und digitalaffinen Zielgruppe passen. Dies wird u.a. auch in der aktuellen Situation durch das Corona-Virus deutlich: junge Menschen sind zwar noch in Vereinen und Verbänden organisiert, engagieren sich jedoch vermehrt auch außerhalb der etablierten Strukturen z.B. bei Civic Hackathons wie den beiden Hackathons #WirVSVirus (Bundesregierung) und #EUVSVirus (EU-Kommission), bei denen es darum ging, (digitale) Lösungen in interdisziplinären und internationalen Teams in Zeiten von Corona zu entwickeln und umzusetzen. Hierfür nutzten sie die gesamte Bandbreite digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien: die Vernetzung und der Informationsaustausch erfolgten vollständig digital.

Hier haben Vereine nun die Möglichkeit und Anknüpfungspunkte, durch den Einsatz von digitalen Tools (z.B. Slack, Atlassian Confluence) genau diese Menschen anzusprechen und in ihren Verein einzubinden. Onlinebasiertes Engagement ist heutzutage keine Seltenheit mehr, sondern für immer mehr Vereine ein selbstverständlicher Bestandteil in der Vereinsarbeit.

Weiterer Artikel dazu: Social Media im Ehrenamt – Wie Vereine profitieren

Digitalisierung im Ehrenamt

Die Gestaltung des digitalen Wandels erfordert Expertise, Zeit und natürlich auch finanzielle Ressourcen. Für viele Vereine ist dies aufgrund knapper Budgets eine große Herausforderung. Dabei heißt es nicht, dass sie alles wissen und/oder können müssen. Der erste und wichtigste Schritt ist hierbei, sich den neuen digitalen Arbeitsweisen und Tools zu öffnen und bestehende Strukturen zu hinterfragen. Dabei kann es hilfreich sein sich mit anderen Vereinen und Organisationen, die möglicherweise bereits mehr Erfahrungen in diesem Umfeld gemacht haben, zu vernetzen und Erfahrungen sowie Best Practices untereinander auszutauschen. Ebenfalls gibt es mittlerweile viele, teils kostenfreie Online-Angebote, wie z.B. Webinare zu verschiedenen Themen. Hierdurch erhalten Ehrenamtliche die Möglichkeit, sich online weiterzubilden. Dies ermöglicht einen Kompetenzaufbau im eigenen Verein, wodurch dieser langfristig profitieren wird, indem er ehrenamtliche Helferinnen und Helfer findet und durch die veränderten Strukturen und Formate und die gewonnene Flexibilität an sich binden kann.

Bereits seit ihrer Kindheit von der Digitalisierung und ihren Möglichkeiten fasziniert ist Simone Dogu nun seit vielen Jahren als Projektmanagerin und IT Consultant in diesem Umfeld unterwegs. Um ihr Wissen weiterzugeben lehrt sie zudem an verschiedenen Hochschulen und engagiert sich ehrenamtlich in Vereinen und Verbänden auf Bundesebene.

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