Webseiten für ältere Menschen entwickeln & Was Jüngere daraus lernen können

Wieso sollte man sich überlegen auch Webseiten für ältere menschen zu entwickeln - Hier ein paar Gedanken

Online-Shopping, Online-Gaming oder online Zeitung lesen – in Deutschland sind 86% der Menschen regelmäßig online. Doch wie stellen wir uns die Person vor, die da gerade auf den Screen schaut? Stereotyp zwischen 14 und 40 Jahren, oder? Es stimmt, der Großteil der Internetnutzenden ist tendenziell jung, aber Studien haben seit Jahren den gleichen Tenor: Die älteren Generationen holen auf. Und: Sie sind neugieriger als angenommen.

Die meisten Menschen in Deutschland sind offen und aufnahmebereit für Technologie und digitale Trends. Eine Studie der EU-Kommission von 2019 zeigt: 80% der Deutschen shoppen online, 70% lesen online Nachrichten und 57% verwalten ihre Bankangelegenheiten digital. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis auch „Silver Surfer“ genauso selbstverständlich im World Wide Web surfen, kommentieren und einkaufen. Bis es soweit ist, gibt es noch einiges an Unterstützungsleistung zu erbringen. Denn Digitalisierung muss erstmal durch die Brille von Menschen, die über 65 Jahre alt sind, betrachtet werden. Erst dann kann eine digitale Teilhabe ermöglicht werden, die so lange wie möglich hält und selbstbestimmt ist. Digitalisierung muss auch Neugierde befördern. Es geht also um Empowerment. Ältere Menschen sind keine passiven Personen, die von ihrem sozialen und digitalen Umfeld versorgt werden müssen. Stattdessen können sie aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer sein, die souverän das Internet mitgestalten.

Was sind die Gründe für Offliner*innen oder Nutzer*innen, die selten online sind?

In der vom Bund geförderten Studie „Wie digital ist Deutschland?“ von der Initiative D21 gaben von den Befragten, die noch nie online waren, rund drei Viertel an, dass sie grundsätzlich kein Interesse am Internet haben. So weit, so gut. Ein Drittel gab darüber hinaus an, dass es das Internet zu kompliziert fände. Auch der Nutzen sei durch den Mehraufwand, sich eine digitale Identität zuzulegen, nicht ersichtlich. Stattdessen würden sich die meisten auf die Mithilfe und Online-Präsenz von Freunden und Familie verlassen.

Für uns von memoresa, die sich die Digitalisierung eines sehr analogen Feldes zur Berufsaufgabe gemacht haben, klingen Aussagen wie diese nach einem Umstand, den wir so nicht hinnehmen wollen. Wenn Menschen sich selbstbestimmt von digitalen Lösungen distanzieren, Digital Detox betreiben oder einfach eine kritische Perspektive auf Digitalisierung haben, dann ist das deren gutes Recht und nichts, was man anzweifeln sollte. Wenn sich aus solchen Studienergebnissen aber herauslesen lässt, dass sich manche gar nicht erst darum bemühen, weil sie sich überfordert fühlen und keine Unterstützung auf der Website erfahren, dann klingt das nicht nach Selbstbestimmung und freier Wahl.

Die Auswertung aller genutzten Dienste, wie Facebook, Twitter und Instagram, zeigt ein eindeutiges Bild: Während Menschen zwischen 14 und 29 Jahren überrepräsentiert sind, sind die über 65-jährigen unterdurchschnittlich aktiv. Gründe für Berührungsängste können sein: Der intuitive Aufbau und die logische Struktur sind bei vielen Webseiten nicht konsequent vorhanden. Immer noch 58% der Befragten gaben an, dass sie ihre Internetfähigkeiten eigenständig und vor allem durch Ausprobieren erlangen. Um das nicht zwingend voraussetzen zu müssen, gibt es diverse Unterstützungen.

Wieso missverstehen ältere Menschen Webseiten, die für andere völlig klar strukturiert erscheinen?

Den meisten fehlen konkrete Beispiele, wie sie das Internet in ihren Alltag integrieren können. Man muss ihnen also klare Vorteile nennen, die sie in der analogen Version nicht haben. Darüber hinaus brauchen „Silver Surfer“ mehr Unterstützung bei der Bedienung. Wie kann ich mit meiner und der jüngeren Generation kommunizieren? Wobei muss ich aufpassen und was für Informationsangebote stehen im Internet für mich bereit? Internetaffine Nutzer*innen haben darauf sekundenschnell eine Antwort. Für ältere Menschen müssen diese Fragen aber anders beantwortet werden.

Der Erwerb von Technikkompetenz ist sowohl vom alltäglichen Umgang mit Technologie geprägt als auch vom bewussten Erlernen neuer Fähigkeiten. Der tägliche Umgang mit Technik sozialisiert Menschen mit spezifischen Funktionsweisen und Gebrauchsformen. Der Gebrauch technischer Geräte und Programme wird immer durch den technischen Fortschritt beeinflusst, mit dem man aufwächst. Man kann von Technikgenerationen sprechen. Dieses Konzept besagt, dass Nutzer*innen Routinen in ihren technischen Praktiken entwickeln, diese regelmäßig wiederholen und dann in den Alltag übernehmen. Zentrale Einflussfaktoren hierbei können zu dem Zeitpunkt moderne Massentechnologien sein, der individuelle Zugang dazu und die damit gewonnenen Erfahrungen. Diese Routinen prägen einen Menschen das ganze Leben lang. Bei jeder technologischen Neuentwicklung oder Erweiterung wird auf den bisher gewonnenen Wissensschatz zurückgegriffen.

Wenn man sich diese Umstände vor Augen hält, erlangt man eine andere Perspektive auf die Schwerfälligkeit älterer Menschen bezüglich der Aneignung von Technologien.

Interaktive Menüführungen, wie wir sie auf fast jeder Webseite finden, haben eine andere Bedienlogik als ältere linear programmierte Anwendungen. Wenn man Webseiten oder Applikationen entwickelt, die generationsübergreifend und intuitiv nutzbar sein sollen, muss man sich diese vorhandenen Routinen und Nutzungsgewohnheiten genauer anschauen.

Wir brauchen mehr Datensouveränität und Technikkompetenz!

Digitalität ist eine der umfassendsten Entwicklungen, die wir gerade erfahren und die uns die nächsten Jahrzehnte begleiten wird. Sich digital kompetent durch das Netz zu bewegen, bedeutet moderne Selbstbestimmung. Diese sollte nicht vor dem Alter halt machen. Ob Digital Native oder Digital Migrant – wenn Datenströme und -speicherung transparent sind, sodass ältere Menschen sie nachvollziehen können, dann können alle davon profitieren. Denn unabhängig vom Alter: Alle müssen sich darum bemühen, technische Entwicklungen aktiv mitzubekommen und deren langfristigen Folgen überblicken zu können. Das weiß niemand automatisch – Souveränität und Kompetenz entsteht durch Wissen und Anwendung

Aber was bedeutet Datensouveränität für uns? Souveränität beinhaltet einerseits ein medienkompetentes Selbstverständnis der Surfenden und andererseits die Sensibilität für mögliche Gefahren und Implikationen, die aufgrund des digitalen Informationsaustausches entstehen. Souveränität bedeutet Förderung von Medienkompetenz und Management seiner persönlichen Daten.

Neben Datensouveränität gibt es noch ein weiteres: Technikkompetenz. Wieso sind diese zwei Eigenschaften so erstrebenswert? Wir befinden uns mitten in der Entwicklung hin zu einer digitalen Gesellschaft. Ein souveräner Umgang mit Daten und Technik beinhaltet nicht nur den Zugang zu Wissen, sondern auch gesellschaftliche Teilhabe, Mündigkeit und virtuelle Repräsentanz.

Viele demokratisierende Prozesse spielen sich heutzutage digital ab. Menschen brauchen daher einen gewissen Grad an Technikkompetenz und Datensouveränität, um an der gesellschaftlichen Partizipation teilzunehmen und diese mitzugestalten. Eigene Bedürfnisse und Missstände müssen digital mitgeteilt werden können. Dadurch entsteht ein besseres Verständnis zwischen den Generationen. Selbstständigkeit im Netz bedeutet auch Selbstvertrauen im Analogen. Aus digitalen Wünschen werden analoge Notwendigkeiten. Unsere Mission heißt: Wir helfen Älteren dabei, auch Akteur*innen der Digitalisierung zu werden.

Dabei gilt es nicht, Skepsis und Angst zu ignorieren oder klein zu reden, sondern Technik als Assistent der digitalen Gesellschaft schmackhaft zu machen. Ältere sind neugierig auf Technik und wollen deren Vorteile kennenlernen. Wir wollen diese Neugierde nicht stillen, sondern anspornen. Wie schafft man das? Die Antwort lautet generationsübergreifend: Erkenntnisse selbst schlussfolgern und Dinge selbst gestalten. Technikkompetenz sollte spielerisch und aktiv erworben werden. Denn mit Spaß an der Sache kann man Kompetenzangst und digitaler Überforderung begegnen.

Unser Umgang damit

Das kann alles bis hierhin etwas erschlagend wirken. Es ist auch eine große Verantwortung und bedarf auf jeden Fall der Fähigkeit, die Welt durch die Augen oder vielmehr Brille anderer zu sehen. Wichtig ist nur, dass man immer versucht und nicht aufhört, die Benutzerfreundlichkeit zu steigern und jedes Feedback, ob vom sozialen Umfeld oder Nutzer*innen, gleichermaßen ernst nimmt. Anwendungen, wie embedded help-Kästchen, Verlinkungen auf zentrale FAQ-Seiten und interaktive Pfeile können bereits einen großen Impact haben.

Weitere Quellen:
https://ec.europa.eu/commission/news/digital-economy-and-society-index-2019-jun-11_de
https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Smart_Country/DigitaleTeilhabe_2017_final.pdf

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Quelle Europäische Komission Bertelsmann Stiftung Initiative D21

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