Digitalisierung als Chance: 5 Thesen wie sie zu Führung 4.0 beiträgt

Ein Blick auf die neue, digitale Führungskultur und welche Chancen die Digitalisierung birgt

Die massiven Veränderungen im Digitalisierungszeitalter nehmen Führungskräfte mit in eine neue Welt, ob sie das wollen oder nicht. Führung als Aufgabe in einer hierarchischen Struktur wird zu  Führung als leitender Wert im Selbstmanagement einer Person.

5 Leitgedanken für ein aktives Mitgestalten

Wir brauchen eine neue Sichtweise auf Führung, wenn wir den Wandel mitgestalten wollen anstatt ihm jammernd ausgesetzt zu sein. In diesem Sinne habe ich 5 Leitgedanken formuliert, die Führung in einen neuen Bezugsrahmen setzen. Ich möchte damit Impulse setzen für Einsteiger, die sich bisher mit dem Thema kaum auseinandergesetzt haben und eine tiefere Diskussion anstoßen.

1. Mehr Bewusstheit statt mehr Wissen

Es ist tatsächlich noch nicht überall angekommen: Digitalisierung ist kein IT-Projekt!  Digitalisierung ist „nur“ ein Wort für den umfassenden Paradigmenwechsel der global abläuft. Wir erleben seit Jahren den Zusammenbruch von Strukturen in verschiedenen Bereichen, Systemen und Ebenen.

Auf politischer Ebene zerfallen Strukturen: der Ostblock, die Mauer, Staatenverbünde haben sich aufgelöst. Wer hätte gedacht, dass die Wiedervereinigung möglich ist?

Im Medizinsektor fallen Paradigmen, die unverrückbar schienen: Die Epigenetik beweist gerade, dass Gene kein Schicksal sind. Wir haben die Schlüssel für die Genexpression tagtäglich in der Hand – das heißt wir entscheiden selbst, ob eine Krankheit ausbricht oder nicht.

Kommunikation wird dank Social Media grenzenlos. Wir können mit einem Mausklick zu Menschen Kontakt aufnehmen, die früher hinter unüberwindbaren Schranken verborgen waren.

Die Rechenleistung der Computer verdoppelt sich gemäß Moore`s Gesetz alle 2 Jahre. Das Wissen verdoppelt sich mindestens alle 5 Jahre. Und es ist nicht mehr verborgen hinter den Türen des Elfenbeinturms. „Wissen ist Macht“ gilt nicht mehr.

Wenn jegliche Information nur 5 Mausklicks entfernt ist, dann geht es um das Auffinden und Anwenden des Wissens. Gewusst wie! Der Elfenbeinturm ist aufgebrochen und wir haben freien Zugang. Entscheidend ist lediglich, ob es uns ausreichend interessiert.

Wir brauchen nicht noch mehr Wissen, da es analog zur Rechenleistung in Moore`s Gesetz bereits exponentiell wächst.

Digitalisierung ist kein IT-Projekt! Wir sind mitten im Zusammenbruch der alten Welt. Und wir sollten Pionierdenken pflegen. Wir können mit mehr Bewusstheit die Umwälzungen mitgestalten. Dafür ist ein sogenanntes höheres Bewusstsein nötig, das berücksichtigt, dass alles verbunden ist. Ein Bewusstsein für die systemischen, inneren Zusammenhänge der Welt und wie wir diese Welt erhalten.

Wir brauchen vor allem mehr Know-Why statt Know-How.

2. Life-Balance statt Work-Life-Balance

Ein höheres Bewusstsein verbindet anstatt zu spalten. Mit Beginn der Industrialisierung haben wir angefangen Arbeiten und Leben aufzuspalten. In der bäuerlich geprägten Gesellschaft davor war dies nicht so.

Heute sprechen wir demzufolge von Work-Life-Balance. Was sich hilfreich anhört, ist leider nur das Symptom einer ungesunden Trennung von Arbeiten und Leben. Wir kreieren ein Ungleichgewicht, um es danach aufwendig in Balance zu bringen.

Warum nicht dem Leben generell mehr Qualität geben? Wer als Führender Work und Life nicht in Balance hat, wird keine nachhaltige Leistungsqualität in seinem Unternehmen und bei seinen Mitarbeitern initiieren können. Denn auch hier gilt das Gesetz der Resonanz.

Unausgeglichene oder fehlende Selbstführung setzt sich vom Kopf in den Körper fort – auf Unternehmensebene wie auf persönlicher Ebene. Der Fisch stinkt vom Kopf her, sagt das Sprichwort. Die Lösung: Life-Balance vorleben. Das schafft im Team zufriedene Mitarbeiter, die ebenfalls sich selbst gut führen. So gelingt mehr Benefit für alle: Mitarbeiter, Führende, Unternehmung.

3. Recht auf Teilhabe statt Recht auf Arbeit

Das Recht auf Arbeit ist ein Postulat aus der Zeit der Industrialisierung. Durch Digitalisierung wird dieses weiter ausgehöhlt werden. Derzeit wird noch versucht, mehr Arbeit zu generieren, indem man durch Konsumanreize die Wirtschaft ankurbelt.

Doch der Anspruch der Vollbeschäftigung gehört zur vergangenen Ära der industriellen Revolution. Es wird nicht mehr genug Arbeit für alle geben. Wir müssen Arbeit neu definieren.

Robotik, KI und weitere Technologien reduzieren Arbeit quantitativ. Dafür steigt der Bedarf an qualitativer Arbeit.

Das erfordert ein riesiges Umdenken. Der Besitz von Gütern wird ersetzt durch sinnvollere Nutzung von Gütern. Statt durch Arbeit den Besitz von Dingen zu ermöglichen, sichern wir durch Wertschöpfung Teilhabe an der Nutzung von Dingen.

Sharing economy ist kein Trend, sondern die Zukunft nachhaltigen Arbeitens. Dieser Planet verträgt nicht noch mehr Konsum. Dieser Planet braucht Verzicht auf permanentes Wirtschaftswachstum, da seine Ressourcen nicht nur begrenzt sind, sondern in vielen Bereichen bereits aufgebraucht. Der Versuch mit mehr Konsum mehr Arbeit zu schaffen, ist rückwärtsgewandtes Denken.

Wir brauchen nicht noch mehr Dinge. Wir brauchen eine gerechtere Verteilung der Nutzung von Dingen. Die Digitalisierung schafft die nötigen Werkzeuge dafür.

4. Vernetzte Führung ersetzt hierarchische Führung

Hierarchische Strukturen haben weitgehend ausgedient. Die Digitalisierung ermöglicht auf allen Ebenen Teilhabe der Nutzenden, der Produzierenden und der Führenden. Das heißt, die gewohnten Strukturen werden verschwinden.

In einer Zeit, da es möglich ist, alle Informationen weltweit zu teilen, verschwindet die Macht einzelner Zellen. Es ist nicht mehr zwingend notwendig, dass die Elemente einer Wertschöpfungskette innerhalb desselben Unternehmens unter derselben Führungsstruktur organisiert sind. Für eine sinnvolle Unternehmung braucht es kein Unternehmen mehr, es genügt eine projektbezogene Organisation unter Leitung eines agil Führenden.

Führung definiert sich weniger organisationsfokussiert wie eine Pyramide mit einem Einzelnen (oder einem kleinen Organisationselement) an der Spitze. Führung definiert sich mehr prozessorientiert gemäß den neuronalen Netzen, die auch in der KI genutzt werden, um komplexe Dynamiken wirksam abzubilden.

Das heißt, wer in der Lage ist, sich gut und ergebnisorientiert zu vernetzen, ist für die digitale Welt gut aufgestellt.

5. Erfolgreiche Führung durch Selbstführung

Wer sich selbst nicht führen kann, wird auch andere nicht führen können. Das hat schon Alfred Herrhausen festgestellt – und es gilt heute noch. Wir alle leben in einer unsicheren und verunsichernden VUCA-Welt. Vor allem Führungskräfte müssen eine enorme Anpassungsfähigkeit an beständige Veränderungen und persönliche Belastbarkeit aufbringen. Die persönliche Gesundheit wird zum starken Faktor in der Selbstführung.

Das zeigt die Arbeit von Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratieff. Er identifizierte lange Zyklen der Wirtschaftsentwicklung mit Bezug auf eine Schlüsseltechnologie. Der sog. 5. Kondratieff hatte seinen Höhepunkt in den 80-90er Jahren und bezog seine Antriebsenergie aus der Entwicklung der computerbasierten IT. Die Welt wurde informationell zum Dorf.

Aktuell sehen Wirtschaftswissenschaftler, die diese Theorie weiterführen, den Zyklus des 6. Kondratieff geprägt von psychosozialer Gesundheit und Biotechnologie. Sie nehmen hier explizit den klassischen Gesundheitssektor aus, weil er den Mensch als Biomaschine betrachtet und den Anschluss an die Erkenntnisse aus Physik und Quantenphysik verpasst hat. Einfach ausgedrückt: der Mensch ist selbst für seine Gesundheit und Erhalt der Leistungsfähigkeit verantwortlich. Psychosoziale Gesundheit! Das heißt die Hebelwirkung geht nicht von einer technischen Entwicklung aus, sondern von einem Verhalten, einer Lebensweise. Die Reichweite dieser Hebelwirkung wird sich in der Zukunft zeigen.

Agile Führungskräfte führen sich selbst und indirekt ihre Mannschaft, indem sie auch in der Gesundheitsverantwortung Vorbildfunktion übernehmen. Siehe These 2.

Fazit

Die Globalisierung und die Digitalisierung verbinden uns in neuen Strukturen. Wenn wir diese Erkenntnis in einen anderen Bezugsrahmen setzen, dann ist der Satz „wir sind alle verbunden, wir sind alle eins“ nicht mehr spirituell zu verstehen. Dann spiegelt dieser Satz die Welt, wie wir sie heute erleben.

Wir agieren wie in einem Hologramm, in dem jeder Teil eine kleinere Version des Ganzen ist. Wir alle haben die volle Verantwortung für uns selbst, unsere Arbeit und unsere Ergebnisse – und wie wir mit diesem Planeten umgehen.

Die Digitalisierung ist die größte Gestaltungsaufgabe unserer Zeit, schreibt Karl-Heinz Land in Erde 5.0. Die entscheidende Frage wird sein, mit welcher Haltung die Menschen diese Herausforderung annehmen.

Schaffen wir also eine neue Führungskultur mit authentischen Leadern, die ihrer Vorbildfunktion gerecht werden und auf der Basis emotionaler Intelligenz und mit den entsprechenden Werten zu aktiven Mitgestaltern des Wandels werden. Das nenne ich Führung 4.0.

Ava Hauser navigiert Führungskräfte durch die Stromschnellen massiven Wandels. Führung 4.0 versteht sie als die optimierte Verbindung von Selbstführung und Führung in Zeiten der Digitalisierung. Mit 20 Jahren Erfahrung im Coachingbusiness hat sie dafür ein Programm entwickelt, das ungenutzte Ressourcen aktiviert und die Selbstführung verbessert. So meistern Leader die Herausforderungen und erreichen bessere Resultate ohne persönliche Reibungsverluste. Sie ist Keynote Speaker und Expertin für [Selbst]Führung und Highperformance.

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