Arbeitswelt 4.0 im New Work Kontext – Teil 1: Arbeitsplatz bzw. Places

People, Place, Technology - Mensch, Arbeitsplatz, Technologie

Places oder Arbeitsort

Wie und wo werden wir in Zukunft arbeiten.

In einer Zeit, in der wir durch die technischen Möglichkeiten mit fast schon absurder Geschwindigkeit unterwegs sind, treffen 4 Generationen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen aufeinander. Für die Unternehmen heisste es nun endlich “ins Tun” zu kommen und ein Umdenken einzuleiten, denn die verstaubten “Top-Down” Strukturen, insofern sie überhaupt noch funktionieren, werden langfristig wirtschafts- und arbeitsmarktgerecht nicht mehr greifen.

Agile Arbeitsmethoden werden in den Unternehmen etabliert, kollektive Intelligenz wird durch Arbeitsmodelle wie Design Thinking oder WOL (working out loud) aktiviert und somit die intrinsische Motivation der Mitarbeiter gefördert.

Nur durch selbstbestimmtes Arbeiten innerhalb einer durch Vertrauen geprägten Firmenkultur, die in stetiger Kommunikation mit ihren Mitarbeitenden steht, kann die notwendige Flexibilität, die der Wirtschaftsmarkt heute fordert, garantiert werden.

Jedes Unternehmen muss mit seinen individuellen Mitarbeitenden ein passendes Instrument zum Weg in eine neue Arbeitswelt finden und warum nicht… sogar neu er-finden. 

Vision und Mission mitzuentwickeln gehört nicht nur zum Recht eines Angestellten, sondern auch zur Pflicht.

Es ist eine Verantwortung, die damit von jedem Beteiligten übernommen wird und keine Verlängerung von Urlaubs- oder Pausenzeiten. Aus dieser Perspektive haben das leider immer viele, vor allem KMU Betriebe, nicht betrachtet und beklagen sich über Fachkräftemangel und fehlende Nachwuchskräfte. An Rastern und Schemata im Rekruting hat sich ebenfalls fast nichts geändert, bis zu Ausschreibungen von offenen Stellen, dem Activ Sourcing auf Onlinekanälen und der digitalen Verwaltung der Bewerber.

Büro, Coworking und Arbeitsplatzkonzepte

Bei der Suche nach Begriffen zu Arbeit und Raum bin ich auf Arbeitsplatzkonzepte, Arbeitszeitkonzepte aber mit keinem Treffer auf Arbeitsortkonzepten gelandet?

Doch der Ort an dem ich arbeite wird in Zukunft wichtiger. Unternehmen denken oberflächlich über die Gestaltung ihrer Arbeitsplätze nach. Das Büro ist der Teil, den man physisch sieht, der aber auch einen vollkommen falschen ersten Eindruck vermitteln kann.

Wir hatten bislang noch die alten Bürokonzepte abgespeichert und ein «fancy» Eingangsbereich mit Stehtischen wird bereits als Indikator für ein Unternehmen im New Work Prozess gesehen. Das deutet aber nicht zwingend auf einen zeitgemässen Arbeitsort hin, denn für einen nutzerorientierten Workplace braucht es einiges mehr.

Bitte nicht zu verwechseln sind Open-Spaces mit Grossraumbüros!  Mir stellen sich die Nackenhaare, wenn das selbst in Medienberichten als neue Art von…bezeichnet wird.

Das Grossraumbüro ist wie im verlinkten Artikel schon bezeichnend dargestellt, nichts anderes als ein riesiges Teppichareal, auf dem Schreibtische und Schränke angeordnet,  dazwischen Human Ressources verfrachtet werden und was «uns» in den 90iger Jahren als moderne Bürolandschaft verkauft wurde. Wegen der damals noch miserablen Schallisolierungen zwar nicht zum Arbeiten, aber zur Kontrolle der Mitarbeitenden wunderbar geeignet.

In einem Open-Space muss ich tätigkeitsorientierte und gesundheitserhaltende Arbeitsplätze-und Räume anbieten können, was mit einem kompletten Umbau bis hin zum Umzug in ein neues Gebäude einhergehen kann. Entsprechend der Firmengrösse gibt es aber auch Alternativen, wie das Einmieten in einem grosszügigen Coworking oder durch komplettes Office-Sharing. Also die gemeinsame Anmietung mit anderen Unternehmen, was neben finanziellen Vorteilen auch den netten Nebeneffekt haben kann, externe Dienstleitungen im gleichen Büro zu vergeben oder so zu neuen Kunden zu kommen.

„Büro der Zukunft“ Quellen: „obs/Sedus Stoll AG“

Umbau oder Umzug?

Eine Befragung der Mitarbeiter zu ihren individuellen Anforderungen an den Arbeitsplatz muss vorab erfolgen. Wenn Leitungsebenen aber bereits an dem Punkt auf ihren Einzelbüros bestehen und sich somit einer einheitlichen Umstrukturierung entziehen, sollte man an diesem Punkt die Planungen unterbrechen und sich den Fragen zur Unternehmenskultur widmen.

Bei allen Angeboten von flexible Arbeitsplatzkonzepten, Arbeitszeitmodellen und modernen Arbeitsorten ist unumgänglich, dass diese auch von der Geschäftsleitung in Vorbildfunktion genutzt werden. Denn häufig es so, dass sich sonst gar niemand traut. Bestimmt kennt jemand «die riesige Lounge» im Büro, die nach 4 Jahren immer noch aussieht wie neu. Fragen wir uns warum?!

Ein Arbeitsort-Konzept das allen Generationen die gewünschten Freiräume bietet, ist nicht nur von der gestalterischen Situation abhängig, sondern ergibt sich aus Kompromissen, Weitsicht, Einsicht und dem “Loslassen können” von überholten Statussymbolen, wie dem eigenen Schreibtisch. Solche Egotrips kann sich heute im “War for Talents” kein Unternehmen mehr leisten, das in der Aussenwirkung als attraktiver Arbeitgeber gesehen werden möchte.

Auch die Macht der Gewohnheit oder das Festhalten an der Komfortzone hat bislang viele Beschäftigte an einen fixen Arbeitsplatz gebunden. Nach dem Lockdown wird es in dem Zusammenhang hoffentlich weniger Widerstände und mehr Veränderungen geben.

Es wird immer noch als der Bestandteil von Verbindlichkeit im Unternehmen gesehen: «ich weiss, dass ich dort meinen Schreibtisch vorfinde und am Ende des Monats aufgrund meiner zugesicherten Arbeitszeit und erbrachten Anwesenheit, mein Gehalt bekomme» – die Lohnarbeit, wie Frithjof Bergmann es nennen würde.

In einer neuen Arbeitswelt muss es darum gehen, dieses Bündnis der Verbindlichkeit auf eine andere, sinnstiftende Ebene zu heben. Dazu braucht es weder einen fixen Schreibtisch im Firmenbüro noch die Kontrolle des Vorgesetzen. Vertrauen, Wertschätzung und gemeinsame Ziele sind heute die Voraussetzungen, um mit dem Unternehmen verbunden zu sein.

Wir brauchen jetzt mehr unterschiedliche, flexible Arbeitsmodelle.

Die bekanntesten sind, Homeoffice, remote work, Jobsharing und das Arbeiten im Coworking-Space.

Jedes Modell hat seine Berechtigung und die Wahl für welches sich der einzelne Mitarbeitende entscheidet, hängt in erster Linie natürlich von der Möglichkeit der Umsetzung ab.

Wer betriebsbedingt Präsenzzeiten wahrnehmen muss, kann nicht spontan entscheiden einen Tag ins Homeoffice zu verlegen. Hierzu müssen gemeinsam im Team die Rahmenbedingungen für Abwesenheit und Erreichbarkeit festgelegt werden. Erst dann kann die Neugestaltung beginnen, weil die Gestaltung entsprechender Raumkonzepte erst mit diesem Hintergrundwissen möglich wird.

Alle Planungen wie die für ein Desk-Sharing hängen davon ab, zu wissen wieviel Mitarbeiter z.B. durchschnittlich im Büro der Geschäftsstelle arbeiten.

Eine bedürfnisorientierte und von den Mitarbeitern mitgestaltete Arbeitsumgebung inspiriert, fördert die Kreativität und stiftet Identität. Es gibt eine Vielzahl von wichtigen Punkten, die dabei beachtet werden müssen (Licht, Ergonomie, Temperatur, Lautstärke etc.) und aus diesem Grund werde ich auf das Thema in einem Folgeartikel detaillierter eingehen.

Die meisten Unternehmen stehen auf dem Weg in eine neue Arbeitswelt immer noch am Anfang, aber jedem Anfang wohnt ein Zauber inne – bei mir die Hoffnung.

Heike Bauer unterstützt Unternehmen bei der Ist-Analyse und Befähigung von Mitarbeitern auf dem Weg in eine neue, digitale Arbeitswelt, mit dem Instrument eines zeitgemässen NEW-WORK Ansatzes. Ausgebildet als Führungskraft für Industriebetriebe erkennt sie schnell die Stolpersteine, die einem echten kulturellen Wandel im Weg liegen. Bei den Dimensionen People, Place, Technologie setzt sie auf den kostbaren, Wissenstransfer zwischen den Generationen Publikation und Artikel: Mitautorin an der Studie Arbeitswelt 4.0. Als KMU die Arbeitswelt der Zukunft erfolgreich gestalten, Autorin bei MtD und topsoft und hält Vorträge zum Thema New Work. Vortragsreihe 2020: Wenn New Work die Antwort ist, was war nochmal die Frage.

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