Automatisierung am Arbeitsplatz – Was Mitarbeiter darüber denken

Was denken Mitarbeiter wirklich, wenn es um Roboter und Automatisierung am Arbeitsplatz geht?

Nach jahrelangem Hype hat die Automatisierung während der Pandemie ihre volle Wirkung entfaltet. Unternehmen auf der ganzen Welt stellten fest, dass die vorhandenen Ressourcen, das Humankapital und die Prozesse angesichts einer Krise nicht skalierbar waren.

Es ist kein großes Geheimnis, dass die Automatisierung in der Lage ist, bestimmte Aufgaben besser, schneller und kostengünstiger zu erledigen als Mitarbeitende. Vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels und des wirtschaftlichen Gegenwinds setzen Unternehmen aller Branchen auf eine „Digital First“-Zukunft, in der Maschinen mehr Aufgaben des Tagesgeschäfts übernehmen.

Wenn sich Veränderungen schnell vollziehen, entsteht eine gesunde Spannung, die zu gleichen Teilen aus Hype und Angst besteht. Meistens liegt es irgendwo dazwischen. Die Befürworter der Automatisierung betonen oft die „menschliche Dividende“, die sich aus der Übergabe einer Reihe von banalen und sich wiederholenden Aufgaben an Maschinen ergibt, sodass die Arbeitnehmer ihre Zeit und ihren Einsatz auf lohnendere, strategische Aufgaben konzentrieren können.

Das hat die Beschäftigten jedoch nicht davon abgehalten, sich Gedanken darüberzumachen, was die Zukunft für sie bereithält. Eine kürzlich von KPMG durchgeführte Studie ergab, dass die Angst der Arbeitnehmer vor der Automatisierung während der Pandemie zugenommen hat. Zwei Drittel der US-amerikanischen Arbeitnehmer gaben an, dass sie sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Ihre Arbeitgeber hätten Maßnahmen zur Kostensenkung, Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung durch Automatisierung ergriffen. (Bspw. der Artikel zur Automatisierung in der Buchhaltung)

Vertrautheit macht glücklich

Das Finanz- und Rechnungswesen steht regelmäßig auf der Liste der Aufgaben, die sich am besten für die Automatisierung eignen. Laut einer Studie von Mckinsey können mit den derzeit eingesetzten Technologien 42 % der Finanztätigkeiten automatisiert und weitere 19 % weitgehend automatisiert werden.

Um besser zu verstehen, wie Arbeitnehmer mit dieser Umstellung umgehen, hat Tradeshift eine Umfrage unter Buchhaltungsfachleuten in den USA, Großbritannien, Deutschland und Frankreich durchgeführt. Es wurden ihre Hoffnungen, Ängste und vor allem auch ihre Erfahrungen mit der Automatisierung untersucht.

Fast drei Viertel (71 %) der Befragten sehen die Automatisierung nicht als existenzielle Bedrohung. Sie glauben, dass sich die Technologie positiv auf ihre Arbeitszufriedenheit auswirken wird. Die Studie zeigt deutlich: Die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt mit dem Grad der Automatisierung. In Ländern, in denen die Automatisierung weit verbreitet ist, sind die Arbeitnehmer nicht nur optimistischer, was die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes angeht. Sie sind auch zufriedener mit ihrer Arbeit und würden ihre Stelle eher jemandem empfehlen, der auf den Arbeitsmarkt kommt.

In den USA, wo fast drei Viertel (72 %) sagen, dass der Automatisierungsgrad in ihrer Abteilung bereits sehr hoch ist, gaben ebenso viele (75 %) an, dass sie mit ihrer Arbeit zufrieden sind. In Europa ist der Automatisierungsgrad geringer: Die Hälfte der Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich gibt an, dass die Automatisierung bereits weit fortgeschritten ist, in Deutschland sind es nur 37 % und in Frankreich nur 21 %. Diese Zahlen stehen in engem Zusammenhang mit der Zufriedenheit, der Arbeitsmoral, der wahrgenommenen Arbeitsplatzsicherheit und der Wahrscheinlichkeit, den eigenen Arbeitsplatz weiterzuempfehlen. Im Vereinigten Königreich gaben 55 % der Arbeitnehmer an, mit ihrem Arbeitsplatz sehr zufrieden zu sein, in Frankreich waren es 44 % und in Deutschland nur 40 %.

Höhere Entlohnung, weniger Stress

Es ist schwer, sich der Schlussfolgerung zu entziehen, dass die oft geäußerte Angst vor der Automatisierung unangebracht ist. Bei der Frage, was die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz am wenigsten befriedigt, gaben sie an, dass es die langweiligen, sich wiederholenden Aufgaben sind, die sich am negativsten auf die allgemeine Zufriedenheit auswirken. Lange Arbeitszeiten und eine hohe Arbeitsbelastung trugen ebenfalls zur geringen Zufriedenheit bei.

Eines der Versprechen der Automatisierung ist, dass die Maschinen endlich repetitive und objektiv langweilige Arbeiten übernehmen, wie das Eingeben von Daten und das Beheben kleiner Fehler, die zu Engpässen führen. Es überrascht daher nicht, dass die Befragten unter den Vorteilen, die sie in der Automatisierung sehen, die Beseitigung von geringwertigen, sich wiederholenden Aufgaben als den Punkt angaben, der sie am ehesten zufriedener machen würde. Ein ähnlicher Anteil gab an, dass sie durch die Automatisierung die Karriereleiter schneller erklimmen und gleichzeitig eine gesündere Work-Life-Balance bewahren könnten.

Würden Sie für einen Roboter arbeiten?

Es liegt auf der Hand, dass die Automatisierung zu einer größeren Arbeitszufriedenheit führt, aber die Arbeitnehmer würden sich sicher sträuben, Anweisungen von einem Roboter anzunehmen – oder?

Überraschenderweise sagten viele, sie hätten kein Problem damit, Anweisungen von einer Maschine anzunehmen. Fast die Hälfte der Arbeitnehmer in den USA und im Vereinigten Königreich, wo die Automatisierung am weitesten fortgeschritten ist, gaben an, dass sie einer Software zutrauen würden, ein besserer Vorgesetzter zu sein als ihr derzeitiger Chef. Laut den Aussagen sei die Technologie bei der Erkennung und Lösung von Problemen, der Überprüfung der Arbeit und der Entscheidungsfindung effektiver ist als der Mensch.

Eine Lektion aus der Geschichte

Die Bewältigung des Wandels ist nicht immer einfach. Die besten Technologien sind dazu da, den Status quo zu verändern und infrage zu stellen. In einer Zeit, in der viele traditionelle Einstiegsaufgaben stark automatisiert werden, müssen Arbeitgeber ihren Ansatz bei der Einstellung und Entwicklung von Karrierewegen für Nachwuchskräfte neu bewerten. Investitionen in Technologie müssen mit Investitionen in Fähigkeiten und Ausbildung einhergehen.

Die Technologie wird den Menschen nicht ersetzen. In jeder Generation gab es einen Moment, in dem traditionelle Prozesse und Berufsrollen durch neue Werkzeuge und Technologien infrage gestellt wurden. Jedes Mal hat der Wegfall einer Reihe von Aufgaben Möglichkeiten für höher qualifizierte, besser bezahlte Arbeitsplätze geschaffen.

Die Tradeshift Studie „Are Friends Electric?“

Tradeshift beauftragte das Marktforschungsunternehmen Coleman Parkes mit der Durchführung einer Online-Umfrage, in der die Einstellung von 500 Fachleuten des Finanz- und Rechnungswesens in den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland zur Automatisierung untersucht wurde. Die Umfrage fand im April 2022 statt. Die Befragten reichten von Nachwuchskräften bis hin zu mittleren Führungskräften in der Finanzabteilung mittlerer und großer Unternehmen. Alle Befragten besitzen ein hohes Maß an Verständnis für die Investitionen, die ihr Unternehmen in Technologien im Zusammenhang mit der Automatisierung an ihrem aktuellen Arbeitsplatz getätigt hatte.

Der vollständige Bericht „Are Friends Electric?“ ist hier verfügbar.

Autor: Mikkel Hippe Brun, General Manager Payment Automation, Tradeshift

Tradeshift ist im Bereich E-Invoicing und Automatisierung der Kreditorenbuchhaltung sowie im Bereich B2B-Marktplätze und Zugang zu Lieferantenfinanzierung tätig. Seine Cloud-basierte Plattform unterstützt Einkäufer und Lieferanten, den Einkauf und die Rechnungsbearbeitung zu digitalisieren sowie die Arbeitsabläufe in Beschaffung und der Kreditorenbuchhaltung zu automatisieren und schnell zu skalieren. Das Tradeshift-Netzwerk umfasst eine schnell wachsende Gemeinschaft von Einkäufern und Lieferanten, die in mehr als 190 Ländern tätig sind. Weitere Informationen: Tradeshift.com/de

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