Digitales Mindset und selbstverantwortliches Lernen: 2 Einflussfaktoren für Innovation und Transformation

Die Auswirkungen von einem digitalen Mindset und selbstverantwortliches Lernen auf Organisationen

Wie digitales Mindset und selbstverantwortliches Lernen Innovation und Transformation beeinflussen und Unternehmen weiterbringen können.

Was haben AirBnB, Lemonade und Peloton gemeinsam? Alle drei Unternehmen haben mit ihren Produkten ganze Branchen disruptiert und verändert. Digitales Mindset war hierfür jeweils die Basis.

Vor dem Aufstieg von AirBnB war der Übernachtungsmarkt weltweit hauptsächlich durch große Hotelketten geprägt und war relativ unbeweglich. Denn um in diesen Markt einzusteigen waren riesige Investments notwendig, denn es mussten schließlich Gebäude gebaut, renoviert und in Stand gehalten werden. Zudem war viel Personal notwendig, um den Service zu gewährleisten, der versprochen wurde. Dadurch war die Markteintrittshürde für neue Unternehmen auf dem globalen Übernachtungsmarkt wirklich hoch. AirBnB hat all das nicht abgeschreckt und sie haben mit einer digitalen Plattform, die Angebot und Nachfrage miteinander verbindet, d.h. mögliche Übernachtungsgäste mit Unterkünften von Privatpersonen verbindet, den Markt betreten. Nach kurzer Zeit ist AirBnB als Plattform für Übernachtungen weltweit immer weiter gewachsen und konnte schnell skalieren. Dies ging im Vergleich zu traditionellen Hotels natürlich deutlich schneller, da außer für die technische Infrastruktur, kaum Investitionen notwendig waren. Doch was ist nun das Erfolgsgeheimnis von AirBnb und der Idee hinter der Plattform?

Ist es eine geniale technologische Erfindung, die an Raketenwissenschaften grenzt? Eher nicht, denn Plattformen zur Verbindung von Angebot und Nachfrage gab es auch vor AirBnB schon häufig. Der Kern des Erfolgsgeheimnisses liegt in ausgeprägter Kundenzentriertheit, einem offenen Umgang mit Scheitern bei Rückschlägen in der Anfangsphase, hoher Proaktivität einen Markt verändern zu wollen und Kreativität, wie bestehende Technologien schnell für das Vorhaben adaptiert werden können.

Dies sind allesamt Dimensionen des digitalen Mindsets und sind nicht nur bei AirBnB, Lemonade oder Peloton der Kern des Erfolges, sondern vielmehr ein zentraler Einflussfaktor für Innovation.

Digitales Mindset – was ist das und wie sieht der Einfluss auf Innovation aus

Was ist überhaupt „Digitales Mindset und warum hat es einen Einfluss auf Innovation? Digitales Mindset beschreibt die Ausprägung in sechs Persönlichkeitsdimensionen, die erfolgskritisch für den Umgang mit Scheitern sind. So geht es hierbei nicht um das Beherrschen von Technologien, Software Programmen oder gar Programmiersprachen. Es geht um die folgenden sechs Persönlichkeitsdimensionen:

  • Offenheit und Agilität
  • Kundenzentriertheit
  • Kreativität
  • Kritikfähigkeit
  • Proaktivität und unternehmerische Handlungsorientierung
  • Offener Umgang mit Scheitern

Digitales Mindset in ein elementarer Einflussfaktor auf Innovation, da es bei erfolgreichen Innovationen weniger um technisches Know-How oder tiefes Fachwissen geht, sondern vielmehr um die genannten sechs Persönlichkeitsdimensionen, die als Fundament für fachliche Skills dienen. Vor allem mit Blick auf die Zukunft wird es immer schwieriger werden zu prognostizieren, welche fachlichen Fähigkeiten exakt gebraucht werden. Denn die digitale Transformation und fortschreitende exponentielle Entwicklung von Technologie macht es unmöglich exakt zu sagen, welche fachlichen Fähigkeiten heute erlernt werden sollten, um langfristig die richtigen Fähigkeiten zu besitzen. Deshalb verschiebt sich der Fokus von der Entwicklung von fachlichen Fähigkeiten auf die kontinuierliche Entwicklung des digitalen Mindsets. Digitales Mindset dient dann als Grundlage, um situativ die richtigen und passenden fachlichen Fähigkeiten zu erlernen.

Doch wie kann digitales Mindset entwickelt werden? Hierfür ist ein grundlegend anderer Lernansatz notwendig als für das Erlernen von technischen Fähigkeiten. Digitales Mindset Entwicklung funktioniert nicht in einem Blockseminar und dann hat man alles Relevante zur Entwicklung mitbekommen. Die Entwicklung gleicht eher einem Marathon, für den Ausdauer und auch Kontinuität notwendig ist.

Hier kommt Selbstlernkompetenz und digitales, selbstverantwortliches Lernen ins Spiel.

Selbstverantwortliches Lernen als Zukunftskompetenz

Laut einer aktuellen Studie von Kienbaum und StepStone ist lebenslanges Lernen und Lernagilität die zweitwichtigste Zukunftskompetenz für die nächsten 5 bis 10 Jahre. Damit lebenslanges Lernen jedoch funktionieren kann, ist eine hohe Selbstverantwortung für Lernen notwendig. Dies bedeutet, dass Unternehmen die passenden Lernangebote und Rahmenbedingungen schaffen müssen, die Mitarbeiter*innen diese Lernangebote jedoch selbstverantwortlich aufnehmen müssen und sich somit entwickeln. Das klassische 1-Tages-Seminar pro Jahr, bei dem Wissen konsumiert wird, reicht hierfür nicht mehr. Es ist vielmehr wichtig, kontinuierlich und in kleineren Häppchen neues Wissen aufzunehmen. Dies kann nur durch ein selbstverantwortliches Lernen geschafft werden, denn Unternehmen können keine dauerhafte Live Lern-Betreuung für alle Mitarbeiter*innen bieten und sicherstellen. Zudem würde dieser Ansatz auch nicht das für eine erfolgreiche Zukunft benötigte digitale Mindset entwickeln und auch nicht die passenden Skills vermitteln.

Allerdings können Unternehmen selbstverantwortliches Lernen fördern, indem sie die Rahmenbedingungen schaffen, innerhalb derer die Mitarbeiter*innen Selbstverantwortung für das Lernen entwickeln können. Diese Selbstverantwortung besteht aus Selbstorganisation, Selbststeuerung und Selbstbestimmung. Diese Rahmenbedingungen lassen sich grob in zwei Kategorien einordnen:

1. Digitale Programme

Unternehmen können passende und maßgeschneiderte digitale Lernprogramme anbieten, sog. Learning Experience Platforms (LXP). Diese machen ein zeit- und ortsunabhängiges Lernen möglich, d.h. dass jede*r Mitarbeiter*in zu der Uhrzeit und an dem Ort lernen kann, an dem er*sie es möchte. Zudem sind Learning Experience Platforms im besten Fall nicht nur eine beliebige Lernplattform, sondern ein individueller Lernbegleiter, der individualisierte Lernpfade für jede*n Mitarbeiter*in erstellt und ausspielt. Hierfür ist es wichtig, dass jede*r Mitarbeiter*in eine objektive und valide Standortbestimmung (z.B. mit Hilfe valider Diagnostik) zu Beginn erhält.

2. Unterstützende Lernarchitektur

Unternehmen können durch ein passendes Design der Lernarchitektur die Selbstverantwortung im Lernen unterstützen. Dies muss nicht zwingend ein digitales Angebot sein, sondern es können auch bestimmte Austauschformate, Regeltermine oder Workshop Angebote sein. Diese Formate fördern den sozialen Aspekt des Lernens, das sog. Social Learning und unterstützen dadurch ebenfalls die Selbstverantwortung beim Lernen.

Strategische Ausrichtung des Lernens als Innovationstreiber

Je strategischer das Corporate Learning in Unternehmen ausgerichtet ist, desto stärker unterstützt das sowohl die Innovationsleistung und auch die Umsetzung der digitalen Transformation. Dies geht aus einer aktuellen Kienbaum und Stepstone Studie hervor. Die Umsetzung der digitalen Transformation und die Innovationsleistung sind bei Unternehmen mit starker strategischer Ausrichtung des Corporate Learning signifikant höher. Diese Zahlen zeigen sehr stark, wie wichtig Corporate Learning für den heutigen und vor allem zukünftigen Erfolg von Unternehmen sind. Es handelt sich bei Lernangeboten nicht nur um ein nettes Angebot zur Weiterbildung, sondern um einen wichtigen Faktor der Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens. Jedoch berichten zeitgleich nur 37% der Learning & Development-Verantwortlichen, dass das Lernen an Unternehmensstrategie ausgerichtet ist. Dies zeigt, wie viel Potenzial im Learning & Development Bereich noch vorhanden ist, zum einen durch eine engere Verknüpfung mit der Unternehmensstrategie, zum anderen durch eine Fokussierung auf digitales Mindset verbunden mit einem hohen Maß an selbstverantwortlichen Lernen.

Es bleibt abzuwarten, was die nächsten AirBnBs, Lemonades oder Pelotons genau werden und wie diese Innovationen aussehen. Eins ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch sicher: Digitales Mindset, selbstverantwortliches Lernen und strategisch orientiertes Learning & Development werden den Grundstein hierfür legen.

Mit dem Fokus auf dem digitalen Mindset begleitet Julian Knorr Unternehmen im Rahmen zukunftsgerichteter Organisations- und Personalentwicklung und innovativer Recruiting Lösungen. Mit dem Digital Competence Indicator (DCI) entwickelte er mit seinem Unternehmen hierfür ein wichtiges Tool, um das digitale Mindset der Mitarbeiter messbar zu machen. Er ist Gründer & Vorstand der ONESTOPTRANSFORMATION AG und Gründer & Geschäftsführer der Agile Kitchen GmbH. Zudem ist er Keynote Speaker und Business School Dozent.

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