5 grosse Herausforderungen an Führung in der digitalen Welt

Auf was Führungskräfte unbedingt achten sollten, wenn diese in der digitalen Welt agieren

Führung der Digitalisierung hat viel mit digitalen Prozessen zu tun – aber nicht nur. Was bringen die besten digitalen Prozesse und Technologien wenn diese von den Menschen abgelehnt werden. Die SBB hat um die Jahrtausendwende bereits einen Pilotversuch laufen, wo die Passagiere keine Tickets mehr kaufen mussten, sondern die Fahrtstrecke vom Einstiegspunkt bis zum Endpunkt via RFID Chip gemessen wurde und automatisch die Strecke abgerechnet wurde. Die Technik war da, doch bis heute nicht eingeführt. Der Mensch war im Kopf nicht bereit.

Genau so gilt es im digitalen Wandel die Menschen mit auf die Reise zu nehmen. Dabei sind besonders die Führungskräfte gefordert, mit gutem Beispiel voran zu gehen, die Fahne hoch zu halten und selbstbewusst die Sehnsucht nach der weiten See zu wecken. Neben all den neuen Handlungskompetenzen in Bezug auf neue Technologien und den sich wandelnden Strukturen gilt es besonders die zwischenmenschlichen Fähigkeiten unter Berücksichtigung digitaler Einflüsse auszubauen und zu stärken.

Führen im digitalen Umfeld stellt ganz neue Anforderungen an die Führungskräfte wobei die fünf folgenden Kompetenzfelder besondere Aufmerksamkeit verdienen:

1. Lernfähigkeit und Lernwillen – Führung

Um die Jahrtausendwende hat sich das auf der Welt verfügbare Wissen zirka alle 7 Jahre verdoppelt. Heute im Jahr 2018 tut es dies alle 2 Jahre. Genauso hat auch die Geschwindigkeit des Lernens massiv zugenommen. Mit der Verfügbarkeit von Wissen in immer schneller auffindbarer Form, steigt auch die Lernkurve.

Doch diese steigt nicht nur bei den Mitarbeitenden sondern vor allem die Führungskräfte sind in diesem Umfeld massiv gefordert. Auch wenn es heute noch vielen «Luftpumpen» gelingt, sich in diesem Umfeld zu verstecken wird es je länger je schwieriger.

Erfolgreiche Führungskräfte sind heute gefordert ihre eigene Lernkurve massiv nach oben zu schrauben. In einem Umfeld wo Agilität und holacracy Strukturen immer mehr um sich greifen, zählt nicht mehr die einmal erreichte Position sondern kommen viel mehr die entsprechenden Kompetenzen und Skills zum Vorschein.

Dabei geht es nicht um ansammeln von Informationen sondern vielmehr um informelles, anwendbares und im entsprechenden Kontext nützliches Wissen. Genauso das Schaffen von lernfördernden Umgebungen bis hin zum Forcieren von entsprechenden Lernmöglichkeiten wie Lerndatenbanken, digitale Lernmöglichkeiten, «best-practice» Beispielen bis hin zur Schaffung einer lernenden Organisation. (Für viele Führungskräfte heute noch mit Namen tanzen gleichgesetzt)

Change ist lernen – Lernen ist Change

Unabhängig in welchem Stadium der Veränderung sich ein Unternehmen oder eine Abteilung befindet, Change ist allgegenwärtig und wir durch entsprechende Lernschritte forciert. Umso schneller gelernt wird, umso schneller schreitet die Veränderung und vor allem die Fähigkeit zur Veränderung voran. Umso schneller und massiver die Veränderung umso schneller und tiefgründiger muss gelernt werden.

Schaffen Sie eine neue, den Anforderungen gerecht werdende Lernkultur durch die nötigen Lernstrukturen, Lernformate und Lernziele. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und nutzen Sie die Möglichkeiten als erstes intensiv. Nein, Sie sollen die Mitarbeitenden nicht zum Lernen motivieren. Diese sind grundsätzlich motiviert. Schaffen Sie Lernhindernisse ab und sorgen Sie dafür, dass sie ein motivierendes Lernumfeld vorfinden. Der Mensch ist grundsätzlich neugierig – wenn er einen Sinn darin sieht!

2. Identifikation und Sinnhaftigkeit – Führung

Im agilen digitalen Umfeld verschwimmen die Grenzen von Projekten und Abteilungen zunehmend. Sogar unternehmensübergreifend entstehen Verknüpfungen die oft nicht mehr erkennbar sind. Dabei fallen oft klare Zuständigkeiten dahin womit Bezugspunkte seine Gültigkeit verlieren und zu massiven Unsicherheiten führen. So verlieren Mitarbeitende oft die Identifikation mit dem Unternehmen und oft stellt sich in diesen Momenten die Sinnfrage.

Um dem zu entgegnen müssen sich Führungskräfte stärker denn je mit dem Thema Unternehmenskultur auseinander setzen. Da lohnt es sich dafür Zeit und Geld zu investieren. Angefangen vom Erkennen der gelebten Kultur, respektive der gelebten Werte bis hin zum Vermitteln einer gemeinsamen Vision in Form von «story telling».

Hierbei nimmt die Führung eine entscheidende und zentrale Rolle ein. Es gilt Prinzipien, Überzeugungen und Werte zu vermitteln und vorzuleben.

3. Technologische Readiness – Führung

Auch in der Personalführung hat die Technologie Einzug gehalten. Dies stellt die Führung in einen ganz neuen Kontext. Heute ist es möglich über diverse Tools und Hilfsmittel zu kommunizieren. Dies auch über grosse Distanzen hinweg, schnell und einfach in einer Qualität die vor ein paar Jahren noch nicht denkbar war. Führungskräfte können in unterschiedlichen Zeitzonen mit Mitarbeitenden an unterschiedlichen Standorten gleichzeitig kommunizieren und an diversen Projekten arbeiten.
Ob via ConferenceCalls, Emails, Chat bis hin zu Robots. Technologisch stehen uns ganz neue Möglichkeiten offen. Dies führt dazu, dass die Skills für den Umgang mit diesen Tools neu gelernt werden müssen. Alleine die Kommunikation via Skype4Business oder Webex verlangt komplett neue Kommunikationsfertigkeiten im Gegensatz zum physischen Meeting.

Wollen Sie in Zukunft fit in Ihren Führungsaufgaben sein, kommen Sie nicht umhin sich mit dem richtigen Umgang mit diesen Medien auseinander zu setzen. Dabei geht es sowohl um die richtige Medienwahl zum richtigen Zeitpunkt wie auch um die richtige Wortwahl und Disziplin in entsprechenden Gesprächen. Insbesondere bei grösseren Gruppen, Meetings strukturiert zu gestalten, alle Teilnehmenden bei der Stange zu halten, schriftlich zu dokumentieren und Verbindlichkeit zu schaffen.

Schaffen Sie die Voraussetzung für erfolgreiche Führung durch Beherrschen der neuen digitalen Führungsinstrumente.

„Die Hauptfähigkeiten der Führung auf Distanz liegt zukünftig noch stärker im Beziehungsmanagement“

4. Der innovative Fels in der Brandung – Führung

In den Führungsaufgaben verspüren Führungskräfte immer mehr grosse Unsicherheiten. Veränderungen werden immer schneller. Während früher noch eine Welle vorüberzog, bevor die nächste im Anmarsch war, folgt heute die nächste bereits wenn die erste grade mal auftaucht.

Umstrukturierungen werden in immer kürzeren Zeitzyklen abgeschlossen. Innovation und Agilität stehen an jeder Säule und werden intensiv gefordert. Da gilt es handlungsfähig zu bleiben, was natürlich die immer grösser werdende Bereitschaft zum Risiko mit sich zieht. Immer schneller müssen immer grössere Projekte angestossen werden. Disruptive Prozesse drohen die Arbeit zunichte zu machen und das Rad scheint sich immer schneller zu drehen.

Trotz der ganzen Unsicherheiten sind Führungskräfte gefordert diese Innovationsprozesse nach vorne zu treiben und die Rahmenbedingungen zu schaffen dass diese passieren können. Dabei gilt es auch die Mitarbeitenden auf diesem Weg mitzunehmen. Ein Umfeld für motiviertes Handeln zu schaffen und den Mitarbeitenden den Raum zu schaffen wo jeder seine Stärken einbringen und zum Erfolg einsetzen kann.

5. Digital Networking in der Führung

NetworkingFuehrung
Networking in der digitalen Welt – Vernetzung und digitale Werkzeuge

Digitale Netzwerke greifen um sich und machen damit die Arbeitswelt und Führung auf der einen Seite komplexer auf der anderen auch transparenter. Im digitalen Umfeld verbreiten sich Entscheidungen und Änderungen in einer rasanten Geschwindigkeit, die in der analogen Welt nie möglich war, was auch zu einer komplett neuen Tragweite führt. Durch die Erfassung dieser digitalen Interaktionen in Form von Daten können diese auch ausgewertet werden. So sind Führungskräfte auch in der Lage die entsprechenden Kompetenzen und das entsprechende Wissen der Mitarbeitenden viel gezielter einzusetzen. Dabei gilt es in der Führung auch, sich auf die Kompetenz und das Können der Mitarbeitenden zu vertrauen und sich auch in Unsicheren Wassern darauf zu verlassen. Diese Menschen wollen aber auch in die Entscheidungen und Prozesse viel stärker mit einbezogen werden.

Somit entsteht aus hierarchischen Strukturen auf einmal ein Wissens- und Kompetenznetzwerk, dass in sich anfängt zu atmen. Dabei gilt es dann den Wissensaustausch zu fördern und die Entwicklung und Karrieren zu fördern.

Führen in der digitalen Welt oder Führen auf Distanz erfordert ganz neue Kompetenzen. Viele dieser Kompetenzen sind heute schon sichtbar. Von vielen haben wir aber noch keine Ahnung. Ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft nach Fähigkeiten Ausschau halten, von denen wir heute noch keine Ahnung haben, dass diese überhaupt existieren.

Ich bin auch überzeugt, dass Führung ganz neu definiert wird. Wenn heute Schnelligkeit und Dynamik im Vordergrund stehen, kann durchaus in absehbarer Zeit die Seniorität und erfahrungsbedingte Gelassenheit eine neue und hohe Qualität in die Unternehmen bringen.

Eine ganz grosse Kernkompetenz wird die Changeability in der Führung sein. Die Fähigkeit aktiv auf Veränderungen zu reagieren oder sogar diese Veränderungen aktiv und proaktiv mitzugestalten.

Nun bin ich natürlich auch auf deine Inputs und Anregungen gespannt und wünsche dir viel Erfolg bei der Umsetzung dieser Punkte. Natürlich freue ich mich auf dein Feedback oder wenn du dich mit Fragen direkt an mich wendest. Teilen ausdrücklich erwünscht.

    Strategie, Change, Digitalisierung etc. – wo bleibt der Mensch? Mit welchen Methoden müssen welche Fähigkeiten und Verhalten trainiert werden damit Mitarbeitende fit für die Zukunft sind, beschäftigt Gerri Hagspiel seit über 25 Jahren. Gerhard Hagspiel ist ausgebildeter Managementtrainer und Business Coach und beherrscht den Spagat zwischen wissenschaftlichen Modellen und praktikabler Umsetzung excellent. Als Head of Business Development bei Performance Plus verantwortet er die Entwicklung von Lösungen und Angeboten im Bereich Mitarbeiterentwicklung und Performancesteigerung.

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