Wofür kann ICH denn die Blockchain-Technologie nun nutzen?

Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie

Die Blockchain-Technologie wird aktuell in vielen Publikationen, Vorträgen und Gesprächen als „DER“ nächste Schritt der Digitalisierung hervorgehoben. Mit der Technologie wird das Arbeiten in gemeinsamen Wertschöpfungsnetzwerken und die damit verbundene Generierung von Synergieeffekten verbunden. Dabei stehen hohe Erwartungen in vielen Branchen im Raum. Viele Führungskräfte fragen sich in dem Zusammenhang: „Wofür kann ICH es in meinem SPEZIELLEN Business nutzen?“. Da die Möglichkeiten der Technologie und auch die Themengebiete extrem vielfältig sind, ist eine pauschale Antwort nicht möglich. Das überrascht zunächst. Die Blockchain-Technologie ist eben keine Lösung für ein bestimmtes Anwendungsfeld.

Konkrete Use Cases sind vielfältig und sehr unternehmensspezifisch

Sollen nun daraus konkrete unternehmensspezifische Anwendungsszenarien abgeleitet werden, sind diese meist sehr individuell. Im Folgenden werden nun zwei beispielhafte Möglichkeiten dargestellt, in denen die Technologie bereits zum Einsatz kommt:

Im Bereich der klassischen Supply Chain entsteht eine Prozesskette vom Lieferanten bis zum Kunden. In diesen Prozess sind ggf. Speditionen, Reedereien und Behörden, wie der Zoll, integriert. Ziel ist es, diesen Prozess transparent und digital zu dokumentieren, ohne dass ein Teilnehmer im Prozess Daten manipulieren kann. Die aktuellen Herausforderungen liegen dabei unter anderem in folgenden Punkten:

  • Viele verschiedene Dokumente und Formate, die meist manuell mit der Ware mitgeliefert werden und somit nicht digitalisiert sind
  • Zusammenarbeit zwischen globalen Partnern, bei denen jeder Partner über ein eigenes Datensilo verfügt
  • Lang andauernde, administrative Prozesse durch manuellen Informationsaustausch

Jeder Teilnehmer im Prozess bekommt eine Identität in der Blockchain. Diese Identität wird von unabhängigen Institutionen, wie einem Notar, im Netzwerk einmalig bestätigt. Somit ist sichergestellt, dass ein Teilnehmer im Netzwerk auch berechtigt ist, einen Auftrag durchzuführen und ggf. entsprechende Daten einzusehen. Dies erhöht das Vertrauen in das Netzwerk selbst. Zusätzlich ist es möglich, dass sich Unternehmen Berechtigungen und Zertifikate bestätigen lassen. Dies kann der Fall sein, wenn der Lieferant bestimmte Umweltkriterien oder Sozialstandards zu erfüllen hat. Eine vertrauensvolle Institution, wie eine Zertifizierungsstelle, kann diese Bestätigung hinterlegen. Über den Prozess, in dem alle Teilnehmer in einem dezentralen Netzwerk miteinander über Smart Contracts (z.B. digitale Verträge, Anfragen, Angebote, Aufgaben) und Digital Twins (z.B. einzelne Produkte, Güter oder auch Chargen) verbunden sind, kann nun verfolgt werden, wo sich die bestellte Ware befindet. Jeder Teilnehmer im Prozess bekommt entsprechende Aufgaben von seinem Kunden zugewiesen. Dabei werden automatisiert Berechtigungen vergeben. Auf Basis eines speziellen Datenverschlüsselungssystems sehen die Teilnehmer nur die Daten, die für sie auch relevant sind. Dokumente können in diesem Rahmen digitalisiert und revisionssicher in einer verteilten Datenbank abgelegt werden.

Doch selten interagieren Lieferant und Abnehmer ausschließlich in klassischen Prozessketten. Durch die enge Zusammenarbeit im Wertschöpfungsprozess entwickeln sich dabei Lieferanten zu strategischen Geschäftspartnern innerhalb der Wertschöpfungsnetzwerke. In diesen Netzwerken arbeiten Unternehmen mit unterschiedlichen Digitalisierungsgraden. Die aktuellen Herausforderungen in der Zusammenarbeit liegen dabei unter anderem in folgenden Punkten:

  • EDI-Verbindung nur zwischen Unternehmen mit ERP-Systemen und lediglich für eine Teilmenge von Prozessen
  • Konsolidierung von Anfragen aus verschiedenen Medien (E-Mail, Excel, Fax, EDI etc.)
  • Datenpflege verschiedener Bestellportale bzw. virtueller Marktplatzsysteme von Kunden (Kapazitätsabfrage)

Wird ein Netzwerk vom Abnehmer zum Rohstofflieferanten aufgespannt, muss dieses entsprechend gesteuert werden. Automatisierte Anfragen oder auch Ausschreibungen werden im Netzwerk auch bei bisher unbekannten, aber durch die digitale Identität vertrauensvollen Partnern/Lieferanten platzieren. Mitgelieferte Dokumente werden wiederum durch die Blockchain in einer verteilten Datenbank gespeichert. Verfügbare Kapazitäten, Konditionen und Rahmenbedingungen werden durch ein Angebot seitens der Lieferanten an den Abnehmer direkt kommuniziert. Es ist somit nicht notwendig, dass Kundenplattformen pauschal mit Kapazitätsdaten befüllt werden. Unabhängig vom Digitalisierungsgrad der Unternehmen kann die Kommunikation über Web, App oder auch eigene ERP-Systeme erfolgen. Eine End-to-End-Auftrags- und Produktverfolgung im Wertschöpfungsnetzwerk ist damit ohne zentralen Intermediär und somit direkt zwischen den Unternehmen möglich. Die Blockchain-Technologie kann also im Einkaufs- und Supply Chain-Umfeld als Basis für den Aufbau und die Steuerung von dezentralen Lieferantennetzwerken, die über eine direkte Vertragsbeziehung miteinander verbunden sind, genutzt werden.

Fazit

Doch bei all der überschwänglichen Technologie-Stimmung – für diese Form der dezentralen und partnerschaftlichen Kooperation in Wertschöpfungsnetzwerken ist ein gewisses Umdenken in der Zusammenarbeit erforderlich. Der Aufbau einer Kooperationskultur zwischen Unternehmen, Abteilungen und damit zwischen Menschen ist Voraussetzung, um gemeinsam in einer vernetzten Welt zu bestehen, in der auch das Supply Chain Management durch ständig wechselnde Rahmenbedingungen einem schrittweisen Wandel unterworfen ist.

 

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Anja Wilde sucht immer nach neuen Lösungen im digitalen Umfeld, um Prozesse smarter und effizienter zu gestalten. Sie ist Dozentin an der Akademie des BMÖ und unterstützt Unternehmen bei Digitalisierungsprojekten auf Basis der Blockchain Technologie im evan.network. Erfahrungen sammelte sie in der Vergangenheit auch in den Bereichen Lieferanten- und Risikomanagement, Data Mining und KI.

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