Fakes – 3 Gründe warum wir auf Fakes reinfallen

Wir alle fallen auf Fakes rein. Manchmal bemerken wir es nur nicht.

Wie kann man Fakes identifizieren und warum fallen wir immer wieder auf Fake Informationen rein? 3 Gründe warum wir immer wieder darauf reinfallen.

Wenn ich diese These meines Buches #FAKE präsentiere, erhalte ich oft erbitterte Gegenrede. „ICH falle nicht auf Fakes rein“ heißt es dann. „MIR kann das nicht passieren, ich bin doch Profi.“ Dabei ist es genau dieser Gedanke, der anfällig für Fakes macht. Im letzten Jahr hatte ich gleich 2 (!) Posts von promovierten oder gar habilitierten Personen in meinem Facebook-Feed – beide Digital-Berater, die Facebook Fake Gewinnspielen auf den Leim gegangen sind. Ich selbst habe bei einem Fake Shop aus China Hanteln bestellt, ein guter Kollege hat seine Facebook Konten durch eine Fake App verloren. Wir haben alle eines gemeinsam: Wir sind überdurchschnittlich medienaffin und arbeiten genau in dieser Branche. Und trotzdem hat der Fake uns nicht verschont.

Ich bin ich davon überzeugt – niemand ist vor den Fakes im Netz sicher. In der einen oder anderen Form sind wir alle Betroffene.

Doch warum sind wir so empfänglich für Fakes? Das hat vor allem drei Gründe:

1) Wir sind oberflächlich

Ganz ehrlich: Wer hat noch nicht einen Artikel geteilt, ohne mehr als die Überschrift gelesen zu haben? Studien zufolge passiert das jedenfalls sehr häufig – 59% aller bei Twitter geposteten Links scheinen nicht mal vom Absender selbst angeklickt worden zu sein.

Das ist ein riesiges Problem im Netz. Wir nehmen uns zu wenig Zeit, reagieren zu schnell, impulsiv und emotional und hinterfragen viel zu wenig. Wir teilen die Schlagzeile, wenn sie uns in unserem Verdacht bestätigt. Wir bestellen das tolle Sonderangebot, auch wenn uns der Shop eigentlich verdächtig vorkommen müsste…

2) Wir sind medieninkompetent

Medieninkompetent – das sind immer die anderen. Wenn wir zur jungen Generation gehören, halten wir die Alten für zu doof, mit dem Internet umzugehen. Und wenn wir schon älter sind, lächeln wir gern über die Jugend oder fordern mehr Medienkompetenz-Unterricht für Kinder.

Aber sind wir doch mal ehrlich: Was (digitale) Medien angeht, sind wir alle Quereinsteiger. Kaum jemand da draußen hat doch eine fundierte Ausbildung in diesem Bereich genossen. Wir haben uns die digitalen Fähigkeiten eben so angeeignet, learning by doing. Was ja auch völlig ok ist. Das Problem ist eben, dass dabei große Lücken entstehen, über die wir gar nichts wissen. Stichwort „unbewusste Inkompetenz“.

Studien zeigen, dass junge Nutzer:innen oft nicht mehr zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung unterscheiden können (ein Effekt, den wir Älteren im Marketing natürlich über 20 Jahre bewusst und gewollt herbeigeführt haben). Und auch was Influencer angeht, herrscht oft eine beängstigende Vertrauensseligkeit vor.

Aber sind die Älteren „besser“? Wer klickt denn auf die ganzen Viagra-E-Mails? Wer bezahlt denn die Anwaltsgebühren für die diversen Prinzen aus Nigeria, damit das Millionen-Erbe schon bald überwiesen werden kann? Wer nimmt denn bei Facebook die Freundschaftsanfragen leichtbekleideter Damen mit kuriosen Namen an? Teenager wohl eher nicht…

Alte und Junge spielen sich da gern den Ball zu. Fakt ist aber: Wir alle könnten eine gute Portion mehr Medienkompetenz vertragen.

Medienkompetenz ist weder etwas, das man mit zunehmender Lebenserfahrung automatisch erwirbt noch etwas, das einem qua später Geburt in die Wiege gelegt wird. Sie kann nur durch intensive Beschäftigung und fundierte Ausbildung erworben werden.

3) Wir sind psychologisch prädestiniert

Unser Gehirn, so faszinierend und mächtig es auch ist, ist anfällig für eine ganze Reihe von Fehlschlüssen. Solche sogenannten „Biases“ beschreibe ich im Buch detailliert. Hier picke ich nur einen heraus: den „Confirmation Bias“. Wir sehen, glauben und interpretieren Dinge immer so, dass sie uns in unserer Erwartung und unserer bestehenden Meinung bestätigen.

Dieser Faktor spielt eine große Rolle bei der Verbreitung von Fake News. Ein Artikel kann voll sein von logischen Fehlschlüssen, Tippfehlern und offensichtlichen Lügen – wenn wir nur ein paar Aussagen finden, die uns in unserer Meinung bestätigen, halten wir den gesamten Beitrag eher für wahr. Auch bewerten wir Informationen, die zu unserer Erwartung passen, als wichtiger, relevanter und wahrer als solche, die uns widersprechen würden. Auch hier: idealer Nährboden für Fakes.

Können wir also verhindern, dass wir Fakes aufsitzen? Können wir das verhindern? Ja, durchaus. Aber das erfordert, dass wir an uns arbeiten. Wir müssen uns klarmachen, dass wir eben NICHT immun sind gegen Fakes, egal wie schlau, medienerfahren oder gebildet wir sind. Dadurch sind wir nicht per se schlauer sind als die Betrüger, Abzocker und Faker. Eben weil sie nicht auf mangelnde Intelligenz abzielen, sondern auf unsere Oberflächlichkeit, Medieninkompetenz und psychologischen Voreinstellungen.

Eine gute Hilfestellung Fakes ist die „30-Sekunden-Regel“. Wenn ich online eine Entscheidung treffe, egal ob ich in einem mir unbekannten Shop bestelle, eine Nachricht weiterreiche, einen Beitrag teile oder wütend einen Post kommentiere – 30 Sekunden abwarten und erst dann handeln (oder eben auch nicht).

In diesen 30 Sekunden kann viel passieren: eine Emotion kühlt ab, ein Hinterfragen setzt ein, eine kurze Google-Recherche ist möglich. Wie viele verletzende Kommentare würden nicht geschrieben, wie viele Euros nicht in Fake Shops versenkt und wie viel Blödsinn nicht im Netz verteilt, wenn wir uns vor dem Klick mal 30 Sekunden Zeit nehmen würden, um „runterzukommen“.

Solange die Social Networks und anderen Tech-Giganten keine 30-Sekunden-Wartefrist vor wichtigen Aktionen einbauen, bleibt es bei uns – nehmen wir uns eine halbe Minute, um bessere Entscheidungen zu treffen? Ich plädiere für ein klares Ja.

Autor: Felix Beilharz (LinkedIn), Dozent und Autor des Buches #FAKE

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