So gelingen Online-Workshops und Online-Events – 3 Zutaten und einige Anleitungen

Ein Leitfaden mit Tipps zu Technik, Moderation, Design und anderen Anleitungen

Index

Seit Jahrzehnten versprechen sich die Befürworter und Promotoren digitaler Medien in der Zusammenarbeit mehr Effizienz und höhere Produktivität durch den Einsatz von Technologie. Doch viele Menschen sträuben sich gegen Settings, die sie im Vergleich zu „echten“ Workshops, Meetings oder Trainings im wahrsten Sinne des Wortes als „blutleer“ warnehmen.

Und sie haben auch guten Grund dazu, denn einige Jahrtausende an Evolution lassen sich nicht durch wenige Jahrzehnte an Digitalisierung und schon gar nicht durch einige Monate Lockdown und Social Distancing auslöschen: Biologisch ist unser Wahrnehmungsapparat auf physische Begegnungen in realen Raum programmiert.

Zwar werden Technologien unsere Sinne vielleicht schon bald hinreichend gut überlisten können. Doch echte Telepräsenz im grossen Stil ist momentan entweder noch Science-Fiction oder für alltägliche Anwendungsfälle zu teuer.

Bild: Virtuelles Meeting im Film „Kingsman“, © 20th Century Studios Quelle: Youtube

Bis Augmented oder Virtual Reality die perfekte Illusion alltagstauglich hinbekommen, müssen wir uns also anders behelfen.

Nun können äussere Umstände wie die Corona-Krise dazu zwingen, auf Formen der virtuellen Zusammenarbeit auszuweichen. Von einfachen Meetings über anspruchsvollere Settings wie Arbeitstreffen und Kurse bis hin zu ganzen Vorlesungen oder Workshops und Projektarbeit – entweder fallen diese Tätigkeiten einfach aus oder sie werden irgendwie online organisiert.

Wenn „ausfallen lassen“ für Dich keine Option ist, dann enthält die folgende Checkliste einige wichtige Erfahrungen und Tipps für den Umgang mit dieser Herausforderung.

1. Online zusammenarbeiten – zusammen online arbeiten

Worum es hier geht:

1.1 Online arbeiten in Gruppen

Die meisten werden schon Erfahrungen mit One-on-One Videoanrufen haben. Auch wenn diese – beispielsweise in Coachingsituationen – durchaus anspruchsvoll sein können, so geht es hier vor allem um das Zusammenarbeiten in Gruppen. Denn dort steigt die Komplexität sprunghaft an. Insbesondere dann, wenn Interaktionen mit und zwischen den Teilnehmenden gewünscht oder nötig sind. Entsprechend wird hier von „Onlineworkshops“ gesprochen.

1.2 Moderiertes Arbeiten

Es gäbe auch vieles zu sagen, das sich an die Teilnehmenden solcher Onlineworkshops richtet. Schliesslich haben sie massgeblich Anteil am Gelingen. Die folgenden Ausführungen richten sich aber an Moderatorinnen und Moderatoren von Onlineworkshops. Ausserdem noch zwei Hinweise vorweg:

  • Die Rolle der Moderation kann durchaus von einer anderen Person als beispielsweise der Referentin oder dem Präsentierenden wahrgenommen werden. Oft ist das sogar sinnvoll.
  • Die Arbeit der Moderation beginnt schon vor dem eigentlichen Onlineworkshop mit der Gestaltung des passenden Setups.

1.3 Basics – Pflicht – Kür – Wow!

Für eine bessere Übersicht habe ich die Checkliste in vier Teile aufgeteilt:

  1. Die „Basics“ behandeln Vorüberlegungen und grundsätzliche Aspekte zum Thema moderierte Onlineworkshops.
  2. Bei der „Pflicht“ geht es um die essenziellen Erfahrungen zur Technik, Moderation und Dramaturgie. Die Berücksichtigung diese „Hygienefaktoren“ verhindert, dass der Onlineworkshop scheitert.
  3. Mit der „Kür“ tragen Organisatoren und Moderatoren dazu bei, dass ein Onlineworkshop gelingt.
  4. Und wer seine Teilnehmenden begeistern möchte, der kann mit dem „Wow!“ noch einen draufsetzen.

2. Die Basics: Wichtige Vorüberlegungen

Auch Onlineworkshops sind Workshops!

Deshalb solltest Du Dir, wenn Du zu einem Onlineworkshop einlädst, völlig unabhängig von der Form der Durchführung, dieselben Fragen stellen wie bei jeder anderen Intervention auch, insbesondere: ‚Was ist das Ziel?‘ und ‚Wer sollte / muss dafür teilnehmen?‘.

In Bezug auf Onlineworkshops gilt zu beachten: Nachlässigkeiten oder Fehler im Setup wirken sich unter den Bedingungen des „Social Distancing“ einer Onlineveranstaltung gravierender aus und sind meist schwieriger zu kompensieren. Gute Vorbereitung und eine laufende Selbstreflexion während der Durchführung wird aus diesen Gründen online noch wichtiger.

Das Rezept für gelingende Onlineworkshops hat drei Zutaten: Man nehme…

2.1 … Technik und Tools

Die Technik ist, wenn überhaupt, dann das geringste Problem.

Ein Computer mit Kamera und Mikrofon, im äussersten Notfall auch ein Smartphone, Internetzugang, und eine oft auch kostenlose Software für Videokonferenzen wie Skype, Zoom oder MS Teams – von dieser Basisinfrastruktur wird man heute ausgehen können. Weitere leistungsfähige und bezahlbare Infrastruktur ist in der Cloud verfügbar. Die Technik ist, wenn überhaupt, dann das geringste Problem.

Schwierigkeiten in diesem Bereich sind am ehesten auf einschränkende Regeln von Organisationen zurückzuführen, die untersagen, workshoptechnisch Sinnvolles und technisch Machbares auch zu tun.

Manchmal kann „Bring Your Own Device“ hier Abhilfe schaffen.

2.2 … Moderation und Leitung

Bei den Skills für und Erfahrungen in der Leitung von Onlineworkshops, inklusive dem Know-how im Bereich Setup und der nötigen Vorbereitungsarbeiten, sieht es hingegen schon anders aus.

Der eingeschränkte Zugang zur Stimmung der weniger sicht- und spürbaren Teilnehmenden, zusätzliche Unsicherheiten aller Beteiligten wegen fehlender Routine oder auch eine ungewohnte Gruppendynamik machen die Steuerung eines Onlineworkshops im Vergleich zur Präsenzveranstaltungen zu einer deutlich anspruchsvolleren Aufgabe.

Moderations-Einsteigern wird möglicherweise anfangs etwas Goodwill zugestanden, vor allem wenn der Schritt in die Onlinewelt durch eine Krise ausgelöst wurde. Entsprechend tiefer sind die Erwartungen der Teilnehmenden. Auf Dauer, oder wenn eine Veranstaltung besonders wichtig ist, solltest Du bei fehlender eigener Erfahrung auf jeden Fall auf eine professionelle externe Moderation zurückgreifen.

2.3 … Konzeption und Design

Viele „Best Practices“ zur Konzeption und zum Design gelten online ganz analog wie bei Präsenzworkshops. Was im Face-to-Face Kontext zu Inhalt und Form der Agenda, Phasen und Dramaturgie des Ablaufs, Setup und individueller Vorbereitung etc. gilt, das gilt auch für die Onlinevariante. Weil hierzu schon viel gesagt und geschrieben wurde sei das hier nur erwähnt und auf die vorhandene Ressourcen verwiesen.

Bei Onlineworkshops gehen aber viele Dinge verloren, die bei gemeinsamem Arbeiten im selben physischen Raum so selbstverständlich sind, dass sie überhaupt nicht als „Feature“ wahrgenommen werden: Simple Gesten wie das Zeigen auf etwas, die Möglichkeit der kurzen Verständnisfrage an den Sitznachbarn, die Gruppenarbeit in Breakout Sessions, die gemeinsame Visualisierung oder Dokumentation des erarbeiteten Ergebnisses am Flipchart – was mit Standardinfrastruktur im Seminarraum Alltag ist, das muss im Onlineworkshop erst durch zusätzliche Features oder Dienste (Chat, Online Collaboration Space, virtuelles Whiteboard) aufgerüstet werden.

Dazu kommt die eingeschränkte beziehungsweise fehlenden Möglichkeit der Einflussnahme auf das physische Umfeld der Teilnehmenden: Angefangen bei der Qualität des Internetzugangs über die Ergonomie des Arbeitsplatzes bis zur Ablenkung durch die Familie oder Bauarbeiter im Homeoffice können unvorhergesehene Störungen für Sand im Getriebe der Zusammenarbeit sorgen.

Soweit zu den Zutaten.

Werfen wir jetzt einen Blick auf das Rezept.

3 Die Pflicht: Damit es überhaupt funktioniert

3.1 Technik und Tools

Hardware

  • PC oder Mac
  • eingebaute oder externe Kamera
  • eingebautes oder externes Mikrofon / Headset
  • Internetzugang, möglichst Breitband
  • allenfalls Telefon, um sich bei instabiler Internetverbindung telefonisch einzuwählen.
  • Tablets und Smartphones sind wegen der fehlenden Eingabegeräte, die vor allem bei der Bedienung von Online Collaboration Tools oft nötig ist, für Onlineworkshops nicht zu empfehlen.

Software

Wichtigste nützliche Features:

  • Bildschirmfreigabe / Screensharing (mindestens durch die Moderation, besser: durch jeden Teilnehmenden)
  • Chat (für Fragen, auch parallel zu Gesprächen, für das Teilen von Links und Dokumenten, für Aufträge an die Teilnehmenden)

Einstellungen überprüfen

Je nach verwendeter Soft- und Hardware sind viele individuelle Einstellungen möglich. Je nach Kontext sind andere nötig und sinnvoll.

Tipp

Technik-Check auf der Teilnehmerseite vorab: Hindernisse wie unternehmensinterne Firewalls und Zugriffsbeschränkungen auf Cloudservices am besten schon im Vorfeld abklären und testen (beziehungsweise durch die Teilnehmenden testen lassen). Eine Checkliste mit den wichtigsten Punkten vorab an die Teilnehmenden minimiert unliebsame Überraschungen.

3.2         Moderation und Leitung

Pflicht der Leitung ist es, Klarheit schaffen. Und zwar vor, während und nach dem Onlineworkshop. Insbesondere zu diesen Fragen:

Vor dem Workshop: Setup

Klarheit über das Ziel des Onlineworkshops

Welches Ergebnis soll erreicht werden? Es macht einen Unterschied, ob eine Entscheidung zu treffen ist, Wissen vermittelt werden soll, über ein Thema informiert wird, Ideen entwickelt werden, ein Fall zu bearbeiten ist, etc. Klarheit über das Ziel ist die Voraussetzung für die Gestaltung einer geeigneten Dramaturgie.

Klarheit über die Teilnehmenden
  • Wer soll / muss / darf / kann teilnehmen?
  • Welchen Beitrag leisten die Teilnehmenden zur Zielerreichung? Was müssen sie dafür tun (und tun können)?
  • Welche (ähnlichen/unterschiedlichen) Erfahrungen mit dem Kontext und dem Medium haben die Teilnehmenden?
  • Gibt es bezüglich des Themas des Onlineworkshops unterschiedliche Vorkenntnisse, kritische Erwartungen und Haltungen der Teilnehmenden, die besonders zu berücksichtigen sind?
Klarheit über die Logistik
  • Einladung rechtzeitig und vollständig (inklusive Link(s) für Zugänge auf verwendete Tools
  • Welche Informationen brauchen die Teilnehmenden noch? (Teilnehmerliste, Zielsetzung, Agenda, Informationen, Vorbereitungsaufgaben, etc.)
Klarheit über den Ablauf
  • Zeitstruktur (Start, Ende, Pausen)
  • Agenda / inhaltliche Struktur (Was wird wann bearbeitet)
Klarheit über die Spielregeln

Folgende Spielregeln haben sich als Minimum bewährt:

  • Kamera an (in begründeten Ausnahmen autonom Kamera vorübergehend ausschalten). Das Bild hilft, die ohnehin grosse soziale Distanz zu verringern.
  • Ton aus (bei Anmerkungen, Fragen und anderen guten Gründen autonom einschalten). Nebengeräusche stören die Konzentration und summieren sich auf.
  • vereinbarte Signale, insbesondere wann Präsentierende wie für Fragen, Kommentare oder auch Pausenwünsche unterbrochen werden können.
  • Vorgehen bei technischen Schwierigkeiten (Verbindung verloren, Schwierigkeiten mit Zugang) vereinbaren

Während des Workshops: Moderation

  • Für die Einhaltung der Spielregeln sorgen
  • Für die Abwicklung des geplanten Ablaufs sorgen
  • Bedürfnisse und Wünsche der Teilnehmenden entgegennehmen und wenn möglich und sinnvoll berücksichtigen und umsetzen

Nach dem Workshop: Wrap-up

Dokumentiere die Ergebnisse und stelle sie den Teilnehmenden zur Verfügung

3.3. Konzeption und Design

Klarheit und Sicherheit

Klarer Nutzen

Wer in einem Onlineworkshop nicht mitmachen möchte, der ist bereits physisch abwesend. Der Schritt zur geistigen Abwesenheit ist dann nur noch sehr klein. Umso wichtiger ist es deshalb,

  • den Nutzen für die Teilnehmenden klarzustellen,
  • die richtigen Personen dabei zu haben und
  • den Onlineworkshop in einer Dramaturgie und Form zu liefern, die sicherstellt, dass die Anwesenden den erwarteten Nutzen realisieren können.
„Safety-Check“
  • Birgt das Thema Konfliktpotenzial? Ist zu erwarten, dass es emotional wird?
  • Gibt es viele Informationen zu verarbeiten? Sollten diese im Vorfeld oder während des Workshops zugänglich gemacht werden?

4 Die Kür: Damit es gut wird

4.1 Technik und Tools

  • Ein zweiter Bildschirm hilft dabei, verschieden Inhalte besser im Blick zu behalten
  • Ein externes Mikrofon oder Headset kann die Tonqualität spürbar verbessern
Nützliche Features der verwendeten Software:
  • Breakout Sessions, um Teilnehmenden das Arbeiten in kleinen Gruppen zu ermöglichen. Gerne auch dort mit Video (manche Tools erlauben zwar Breakout Rooms, haben dort aber nur Audio)
  • Zentrale Kontrollmöglichkeiten durch die Moderation, z.B. alle stummschalten, Teilnehmende in Breakout Sessions schicken und zurückholen können
  • Warteraum, in dem Teilnehmer vor Beginn des Onlineworkshops ‚geparkt‘ werden können, um den Anlass für alle gleichzeitig zu starten
  • Virtuelle Hintergründe erlauben es, den eigentlichen Hintergrund (und damit beispielsweise auch andere Personen, die im Hintergrund durchs Bild laufen) auszublenden und reduzieren so Ablenkungen
  • Falls mehrere Teilnehmer sich im selben physischen Raum befinden, sollte jede/r mit einem eigenen Gerät teilnehmen (keine geteilten, von mehr als einer Person genutzten Geräte). Achtung: Für ausreichend Abstand zwischen den Geräten sorgen, um Rückkopplungseffekte beim Sound zu vermeiden.
  • Mache Dich mit allen Einstellungen der verwendeten Tools vertraut. Wichtig beispielsweise: Ist in den Einstellungen von Zoom die Funktion Breakout-Raum aktiviert?
Tipp:

Einige Tools übertragen beim „Bildschirm teilen“ einfach das jeweils beim Teilenden sichtbare / ausgewählte Fenster. Besser ist es, wenn das gewählte Tool die Möglichkeit bietet, das zu teilende Fenster auszuwählen und gleichzeitig den Fokus in einem anderen Fenster zu haben. Das verhindert zum einen das unbeabsichtigte Teilen vertraulicher Daten, andererseits kann die Moderation beispielsweise eine Präsentation teilen und gleichzeitig selbst einen anderen Bildschirminhalt ansehen.

4.2 Moderation und Leitung

Balance zwischen Struktur und Flexibilität
  • Statt eiserner Regeln vereinbare eher „Grundsätze“ und sprich explizit an, wann Abweichungen und Ausnahmen möglich oder gar gewünscht sind. (Beispiel: Ton grundsätzlich aus, aber bei Fragen bitte selbständig unterbrechen.).
Weitere Spielregeln:
  • Klarnamen in der Anzeige verwenden: Manche Teilnehmer heissen wie ihr Gerät oder verwenden nur Initialen oder andere Abkürzungen. Gerade wenn sich die Teilnehmenden nicht bereits gut kennen, erleichtern Klarnamen die Kommunikation untereinander.
  • Nutze parallele Kommunikationskanäle wie Email, WhatsApp-Chats oder Webseiten als Reserve, etwa um alle Teilnehmende auch in Breakout Sessions zu erreichen oder wenn Teilnehmende wegen technischer Probleme aus der Verbindung fallen.
  • Nutze Umfrage-Tools (eingebaut oder externe wie Mentimeter.com) für vorbereitete Abstimmungen und Feedback. Beispielsweise gibt eine kurze Umfrage nach der gewünschten Pausenlänge (keine / 5 Minuten / 15 Minuten / 30 Minuten) der Moderation schnell ein Stimmungsbild und trägt der geringen Bandbreite Rechnung.
Vor dem Workshop:
  • inhaltliches Briefing aller Teilnehmenden
  • technisches Briefing mit Links und Logindaten
  • Bereite Umfragen für vorhersehbare Abstimmungen vor, sowohl was inhaltliche als auch was organisatorische Fragen angeht. Beispielsweise zum oben erwähnten Beispiel zum Thema „Pause?“:
Während des Workshops:
  • Lade regelmässig und häufig zur Selbstreflexion ein und frage aktiv nach Befindlichkeiten, Wünschen und Anregungen
  • Erstelle am Anfang und am Ende einen Screenshot mit allen Teilnehmenden. Eignet sich auch für die Dokumentation.
  • Sorge für die Einhaltung der Zeitstruktur: Nutze einen Timer (Online oder einfach das eigene Smartphone). Lass Teams für Gruppenarbeiten die Rolle des Zeitnehmers festlegen.
  • Formuliere alle Aufgaben und Aufträge für die Teilnehmenden schriftlich, insbesondere Anweisungen für Breakout Sessions, inklusive allfälliger Zeitvorgaben, z.B. im Chat. Gib Zeit zum Lesen der Aufgabenstellung und für Fragen zur Aufgabe, damit in den Sessions alles klar ist.
  • Fordere Teilnehmende in Pausen explizit auf, den Arbeitsplatz zu verlassen und sich zu bewegen
Nach dem Workshop: Follow-up
  • Vereinbare am Ende des Onlineworkshops Next Steps und To Dos mit den Teilnehmenden
  • Stelle sicher, dass Entscheidungen und offene Punkte ebenso wie Aufgaben und Verantwortlichkeiten in den entsprechenden Systemen und Kanälen dokumentiert und erfasst werden

4.3 Konzeption und Design

Liefere Orientierung
  • Visualisiere laufend, wo Du zeitlich und inhaltlich im Prozess stehst. Das kann durch eine aktualisierte Fortschrittsanzeige ebenso erfolgen wie durch ein Kanban Board mit einem Backlog, der zu Beginn des Workshops priorisiert und dann abgearbeitet wird.
  • Spiele Szenarien für den Ablauf durch, um auf Schwierigkeiten oder Herausforderungen vorbereitet zu sein.
Sorge für Flow
  • Arbeite mit kurzer Taktung (10 – 15 Minuten) und vielen Pausen und Triggern für Teilnehmeraktivitäten und Interaktionen (Faustregel: erst wenn es sich für die Moderation übertrieben anfühlt, wird es für die Teilnehmenden auszuhalten).
  • Fördere Zusammenarbeit und Interaktion durch Arbeiten in Kleingruppen und Breakout Sessions

5 Der „Wow!“-Faktor

Viele der nachfolgenden Tipps hängen von der konkreten Situation, Zielgruppe, Art und Kontext der Aufgabe ab. Doch wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen gegeben sind, dann kannst Du damit echten Mehrwert schaffen und Begeisterung auslösen:

5.1 Technik und Tools

Nutze intensiv Collaboration-Tools für gemeinsames Arbeiten

In den meisten Workshops reicht es nicht, sich lediglich zu sehen und zu hören. Wenn Teilnehmende Arbeitsergebnisse erstellen sollen, dann braucht es zusätzlich ein Medium, in dem diese (gemeinsam) erstellt, diskutiert und dokumentiert werden können.

Entsprechende Werkzeuge finden sich oft in rudimentärer Form schon in den Videokonferenzsystemen selbst. Für anspruchsvolles Arbeiten leisten externe Werkzeuge wertvolle Beiträge.

Nützlich und für Teilnehmende frei zugänglich sind beispielsweise

  • Tools für das gemeinsame und gleichzeitige Visualisieren von Ideen und Konzepten wie Google Docs oder Online-Whiteboards wie Mural  oder Miro
  • Tools zur Strukturierung von Aufgaben und Informationen wie Trello Boards oder Lean Coffee Table 
  • Tools für Umfragen, Quiz oder Feedbacks wie Kahoot, Mentimeter oder Sli.do
  • Spezialisierte Tools für spezifische Aufgaben wie Retrospektiven 
Vermeide die Notwendigkeit zur Registrierung
  • Achte darauf, dass zusätzliche Tools möglichst ohne Registrierung der Teilnehmenden und/oder Installation von lokaler Software auf den Geräten der Teilnehmenden verwendet werden können.
Nutze Aufzeichnungsmöglichkeiten für die Dokumentation und für Zusammenfassungen
  • Was im digitalen Raum stattfindet, dass kann typischerweise einfach aufgezeichnet werden. Nutze diese Möglichkeiten für die Erstellung von Zusammenfassungen, sowohl für Teilnehmende als auch für Personen, die nicht dabei sein konnten.
Tipp

Markiere während des Workshops (Zeitmarken) wichtige Stellen, so dass Du bei der Post-Production einer Zusammenfassung schneller die relevanten Szenen findest oder in einem Protokoll darauf verweisen kannst.

5.2 Moderation und Leitung

Werde vom Zeremonienmeister zum Facilitator
  • Wörtlich übersetzt ist der Facilitator der „Vereinfacher“. Er oder sie ist idealerweise ein Katalysator, der dafür sorgt, dass anderen etwas (einfacher oder überhaupt) gelingt. Mit dieser Haltung rücken die Teilnehmenden Deines Onlineworkshops noch stärker in den Mittelpunkt.
  • Werde der Architekt des Raumes, der Deine Teilnehmenden dabei unterstützt, sich selbst zu organisieren.  Schaffe Sicherheit und Fokus durch Klarheit und Strukturen, die ermöglichen und inspirieren.
Arbeite mit einem zusätzlichen Moderator
  • Insbesondere wenn anspruchsvolle Themen oder Gruppen zusammenkommen, kann es sehr hilfreich sein, dass mehr als eine Person die Moderation übernimmt. Ein Team von Moderatoren kann sich auf verschiedene Aspekte (Inhalt, Prozess, Gruppendynamik, Dokumentation etc.) konzentrieren, bei Gruppenarbeiten mehrere Breakout Sessions gleichzeitig betreuen und verschiedene technische Kanäle im Auge behalten.
Check-in und Check-out
  • Wird oft unterschätzt, manche halten solche Rituale für geradezu esoterisch. Doch eine kurze Übung zum „Ankommen“ hilft bei der Konzentration auf die Arbeit und gibt wertvolle Hinweise zur Stimmung der einzelnen Teilnehmenden. Das Einholen der Erwartungen, Wünsche und Frage steigert die Produktivität der Zusammenarbeit.
Eigenarbeit einplanen
  • Moderatoren verstehen sich oft als eine Art „Animateur“ ihrer Teilnehmenden. Sie vergessen, dass es neben den Modi „Präsentation“ (einer spricht und alle hören zu) und „Breakout Session“ (Gruppenarbeiten) noch den Modus „Eigenarbeit“ gibt. Hier macht sich jeder Teilnehmende für sich allein Gedanken zu einem Thema oder einer Frage.
  • Integriere diesen Modus explizit in Deine Designs, um den Teilnehmenden an geeigneten Stellen Raum fürs Nachdenken, für Selbstreflexion und für Introspektion zu geben.
Kreative Nutzung von Breakout Räumen
  • Nutze virtuelle Breakout Räume, um eine Gelegenheit für private Meeting zu haben – sei es mit einzelnen Teilnehmenden oder beispielsweise mit Co-Moderatoren.
  • Allenfalls kannst Du solche separaten Räume auch den Teilnehmenden zur Verfügung stellen, damit diese sich bei Bedarf autonom dort treffen können.
Als Avatar mehrfach präsent sein
  • Nimm als Moderator mit einem zweiten oder dritten Gerät gleichzeitig auch als Teilnehmer an dem Onlineworkshop teil.
  • Einerseits siehst Du so die Teilnehmerperspektive, andererseits kannst Du diese Avatare mit in Breakout Sessions schicken und somit an mehreren Gruppen gleichzeitig dabei sein.
  • Triff Vorkehrungen, um die Gefahr von Audio-Feedbacks zu vermeiden (Zusatzgeräte stummschalten und Lautstärke herunterfahren oder Kopfhörer anschliessen).

5.3 Konzeption und Design des Kontextes

Engagement by Design durch Gamification

Achtung: Gamification bedeutet NICHT, dass aus Deinem Onlineworkshop ein Spiel werden soll. Gamification ist vielmehr

  • eine Designstrategie, welche darauf setzt,
  • einen Handlungskontext so zu gestalten, dass dadurch
  • Bedürfnisse und Emotionen aktiviert werden, um auf diese Weise
  • zielgerichtet Verhalten und Einstellungen zu erzeugen.

Ziel von Gamification kann ein beobachtbares Soll-Verhalten (Compliance) oder eine nicht beobachtbare innere Einstellungen und Haltungen (Engagement) sein.

Für die Gestaltung des Kontextes kommen Techniken wie Storytelling und Feedbacksysteme zum Einsatz, die sich vor allem im Bereich von Spielen bewährt haben (daher der Name).

Die folgende schematische Darstellung zeigt die zentralen Zusammenhänge, die je nach Zeithorizont auf unterschiedlich Weise in die Gestaltung der Dramaturgie einfliessen können:

Gamification als Kontextgestaltung für „Performance by Design“ Quelle: Eigendarstellung
„Blended“ Onlineworkshops

binde den physischen Raum aktiv mit ein:

  • verwende physische Karten mit Icons, Emoticons und ähnlichen Symbolen. die Teilnehmende während des Workshops vor die Kamera halten können, um mit Dir und untereinander zu kommunizieren. Schicke die Karten im Vorfeld als PDF an die Teilnehmenden und bitte sie, einen Ausdruck bereitzuhalten.
  • richte an Deiner Location verschiedene Szenen ein, die Du während des Onlineworkshops ablaufen kannst, und bringe so Abwechslung in die Perspektiven.
  • verwende mehrere Kameras in unterschiedlichen Perspektiven, zum Beispiel mit Blick auf ein physisches Flipchart oder Whiteboard, das Du während des Workshops beschriftest.
  • Kommunikation über den ausgewählten Hintergrund: Stelle eine Auswahl an farbigen Hintergründen zum Download bereit und vereinbare, welche Farbe welche Bedeutung haben soll. Die Teilnehmer bekommen so einen zusätzlichen Kanal für die „nonverbale“ Kommunikation.

6. Übung macht den Meister

Mit diesen Rezepten kannst Du Dich jetzt auf den Weg machen und Deinen eigenen Weg zur Meisterschaft der Online-Zusammenarbeit einschlagen. Und es wird sich lohnen: Denn auch wenn es noch für viele ungewohnt ist, so haben Onlineworkshops eine goldene Zukunft. Sie sind praktisch, effizient und nachhaltig. Wenn sie dann noch gut gestaltet und souverän moderiert sind, werden sie zu einem echten Highlight in jeder Kooperation.

Welche Potenziale möchtest Du realisieren? Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Und welche Herausforderungen musst Du dabei meistern? Lass es mich in den Kommentaren wissen – ich bin gespannt…!

Wolfgang Rathert ist Unternehmer, Business Game Designer und Hochschuldozent. Der studierte Ökonom (HSG) und ausgebildete Coach hilft Organisationen und Teams mit Strategien und Programmen, um Mitarbeiter und Kunden zu mobilisieren. Als "Chief Engagement Officer" bringt er Firmen und Führung auf den nächsten Level - seit der Corona-Krise am liebsten virtuell.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

MoreThanDigital Newsletter
Subscribe
Join the #bethechange community
close-image