Kurssicherung für KMU mit Smart Hedging

Wie Export-Unternehmen die Tricks der Global Player für sich nutzen

Kurssicherung oder Smart Hedging ist eine effiziente Methode, um finanzielle Risiken bei internationalen Geschäften zu minimieren. Diese Dienstleistung wurde früher exklusiv von Banken angeboten, heutzutage gibt es nun Konkurrenz aus der Fintech-Branche. Mit personalisierten Produkten können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ganz schnell und einfach online Auslandstransaktionen tätigen, und sich dabei gegen Wechselkursschwankungen absichern. Morethandigital sprach mit Unternehmer und Sales-Experte Philipp Stegmann.

MoreThanDigital: Warum ist eine Wechselkurssicherung für Export-Unternehmen überhaupt sinnvoll?

Philip Stegmann: In erster Linie geht es darum, Verluste zu vermeiden und um die eigene Gewinnmarge besser zu kalkulieren. Export-Unternehmen sind so gegen Währungsschwankungen abgesichert und haben Planungssicherheit für ihr Kerngeschäft. Wenn man hingegen in den Tag lebt und die Wechselkurse annimmt, die am Tag der Rechnung verfügbar sind, kann man eine böse Überraschung erleben. 

Das beste Beispiel ist der aktuelle Kurs beim Euro und dem US-Dollar. Hat ein Unternehmen zum Beispiel im Februar diesen Jahres den Kurs fixiert, als er bei 1:1,25 stand, ist es heute auf der sicheren Seite. Aktuell ist der Kurs nämlich bei 1:1,12, was etwa 10% schlechter ist als im Februar. So bekam das Unternehmen also für 100.000 EUR im Februar 125.000 USD, heute aber 13.000 USD weniger. 

Jeder Unternehmer sollte daher regelmäßig vergleichen. Viele Banken und Zahlungsdienstleister verdienen beim internationalen Zahlungsverkehr an verschiedenen Stellen Geld und gestalten den Prozess sehr intransparent. Alternativen zur Bank gibt es in jedem Land und die sollte man suchen, vergleichen und im Idealfall direkt nutzen. 

MoreThanDigital: Termingeschäfte kennt man eher von der Börse. Ist Hedging nicht nur etwas für große multinationale Unternehmen?

Philip Stegmann: War es! Es stimmt tatsächlich, dass Hedging überwiegend in großen Unternehmen betrieben wird, dafür haben diese Unternehmen zumeist eine eigene Abteilung, die Treasury Abteilung heißt. Die Treasurer überprüfen den Kurs täglich oder sogar stündlich. So wissen sie meist, wann der beste Zeitpunkt ist, um Währungskurse zu fixieren. 

Dies ist allerdings heutzutage nicht mehr in dieser Tiefe nötig. Mit smart Hedging Technologien ist dies ganz passgenau möglich, ohne dass der Kunde komplizierte Vorgänge verstehen muss. Eine Smart Hedging Engine kann dem Kunden beispielsweise vorschlagen: ”Hier ist aktuell ein sehr guter Kurs und du kaufst viel in dieser Währung, evtl. solltest du diesen Kurs fixieren?”

Dafür liefert die Smart Hedging Technologie dem Unternehmen auch die nötigen Daten und Informationen, um eine gute Entscheidung zu treffen. Die Entscheidung trägt am Ende jeder Unternehmer natürlich selbst, aber er bekommt eine valide Datenbasis für seine Entscheidung. 

MoreThanDigital: Welche Optionen bietet ein digitales Produkt zur Online-Kurssicherung konkret für ein Unternehmen aus dem Mittelstand?

Philip Stegmann: Ein digitales Produkt zur Online-Kurssicherung bietet Devisentermingeschäfte, dass heißt Kurssicherung bei der Produktion, um das finanzielle Risiko zu minimieren. Wechselkursrisiken entstehen dadurch, dass sich die Kurse zwischen Bestellung und Zahlungsziel ändern und der Fremdwährungsbetrag in der eigenen Währung dann mehr kosten kann als erwartet. Hier ein Beispiel aus diesem Jahr, in der dies der Fall ist:

MTD_Kurssicherung_Interview_Stegmann

MoreThanDigital: Können Sie uns ein Beispiel geben, wie ein Unternehmen mit garantierten Wechselkursen seine Umsätze erhöhen kann?

Philip Stegmann: Natürlich! Schauen wir uns nur einmal den aktuellen USD Kurs an, der ist mit 1.1221 USD (Stichtag 12.11.2018) absolut unterirdisch. Hätte ein Unternehmen den Kurs Anfang des Jahres gesichert, als der EUR/USD bei 1:1.25 lag, hätte es gegenüber dem heutigen Kurs etwa 13 cent mehr bekommen, was etwa 10% entspricht. 

Hierdurch werden zwar die Umsätze nicht höher, allerdings – und das ist schließlich wesentlich wichtiger – steigen durch günstigere Wechselkurse die Gewinnmargen. Nutzt man diese Möglichkeit nicht, verschenkt man Geld. So hat Villeroy&Boch vor kurzem mitgeteilt, dass Sie aufgrund der schlechten Wechselkurse 5,2% weniger Gewinn erzielt haben.

Insofern macht einen Währungsabsicherung Sinn, wenn ein Unternehmen mit einem bestimmten Währungskurs kalkuliert und diesen in jedem Fall erzielen möchte. Währungskursabsicherung ist, dank der Digitalisierung, mittlerweile sehr einfach und günstig. 

MoreThanDigital: Wo sehen Sie die zukünftigen Chancen in der Finanzbranche, mit innovativen digitalen Produkten den Mittelstand zu stärken?

Philip Stegmann: Das ist relativ einfach: Bessere Transparenz über vergangene und zukünftige Zahlungsströme und idealerweise ein Smart Hedging System, welches einen Hinweis gibt, sobald es Sinn macht, Währungspaare zu tauschen.


Philipp StegmannPhilipp Stegmann ist Mitgründer und CSO von ForexFix. Das stark wachsende StartUp aus Berlin richtet sich an kleine und mittelständige Unternehmen und ist mittlerweile in Deutschland, Österreich sowie in der Schweiz und Frankreich vertreten. Das Angebot von ForexFix umfasst neben dem Thema Hedging und Währungsrisiken weitere Serviceleistungen wie Termingeschäfte mit den besten Wechselkursen oder Zahlungen ins Ausland.

Das Interview führte Simone Belko.

Simone Belko interessiert sich für die Schnittstelle zwischen Industrie 4.0, Wissensgesellschaft und Politik. Die Sprach- und Europawissenschaftlerin arbeitete als Journalistin und PR-Managerin in internationalen Redaktionen und Organisationen wie dem Europäischen Parlament. Zuletzt war sie für das russische Unternehmen Mail.Ru Games als Projektleiterin tätig.

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