Führung, Leadership und Arbeiten im Zeitalter der Digitalisierung

Wie richtige Führung aussieht und wie sich unsere Arbeit im digitalen Zeitalter verändert

Braucht es Dich als Arbeits- und Führungskraft oder gar Dein Unternehmen in fünf Jahren noch? Denn aktuell werden folgende Zahlen herumgereicht: «Bis 2025 verschwinden 60% aller Jobs». Manche sprechen sogar von 80%. Wie verändert sich Leadership und Führung in Zukunft und was können Maschinen wirklich?

Was musst Du jetzt tun, damit Du in fünf Jahren
a) noch einen Job hast, der
b) Spass bringt und Dich
c) erfolgreich und zufrieden macht?

Der grundlegende Denkfehler

Ist Dir das Folgende auch schon mal passiert oder kennst Du jemanden, der diese Situation erlebt hat: Du machst eine Erfindung, bietest einen neuen Service an, postest einen bahnbrechenden Gedanken und – ZACK – schon am nächsten Tag kopiert Dich Dein Mitbewerber?

Ständig betonen wir alle unsere Einzigartigkeit, dass man outside the box denken soll oder dass man nur weiterkommt, wenn man anders ist als alle anderen. Kennst Du das?

In Tat und Wahrheit leben wir allerdings im Zeitalter der «Gleichstellung»: Jeder bietet alles an, was die Konkurrenz auch anbietet, um ja keinen Wettbewerbsnachteil zu haben. Innovation wird entweder sofort kopiert oder leider auch ganz oft unterdrückt, weil man viel zu schnell gegen eine Vorschrift oder ein Gesetz verstösst und weil niemand dafür die Verantwortung übernehmen will.

Ganz ehrlich: Wir leben in einer Zeit, in der alles berechenbar, vorhersehbar und automatisierbar sein soll und zunehmend auch ist.

 

Wenn Du überleben willst, darfst Du jedoch nicht Standard sein!

 

Was Maschinen wirklich (besser) können

Nicht 60% aller Menschen werden den Job verlieren, sondern 60% der Tätigkeiten, die wir heute kennen, werden von Maschinen ausgeführt. Maschinen sind gut darin, standardisierte Routinetätigkeiten auszuführen, speziell wenn es sich um Datenverarbeitung handelt.

Das ist doch eine gute Nachricht. Langeweile fällt weg.

Die grösste Stärke von Maschinen ist die Klassifizierung. Maschinen sind unglaublich gut im Lernen. Aus A folgt B. Maschinen erkennen heute schon mit unglaublicher Präzision Gegenstände, Bilder oder Muster. Und das in einer permanenten Geschwindigkeit, welche uns Menschen total überfordert. Eine Maschine braucht keine Pause und arbeitet immer gleich exakt.

Weiter haben Maschinen unterdessen derart schlaue Algorithmen entwickelt, die aufgrund weniger Klicks, Deine nachfolgenden Handlungen vorhersehen. Amazon z.B. weiss schon was Du bald bestellst und bereitet deshalb die Lieferung bereits vor, damit sie dann, wenn Du es bestellst, innerhalb von 1h auch tatsächlich liefern können.

Die Wartezeit fällt weg.

Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen: Wir Menschen und unsere Präferenzen sind ziemlich leicht vorhersehbar. Dank der Verknüpfung Deiner digitalen Fussabdrücke, wird man Dir genau zur richtigen Zeit die richtigen Produkte liefern können – ohne dass ein Mensch das im Vorfeld auswerten muss.

Maschinen sind Meister der Automation

Dabei sind zwei Trends zu beobachten:

Maschinen werden immer mehr wie Menschen: Wir Menschen wollen keine komplizierten komplexen Prozesse oder Programme ausführen. Wir Menschen mögen es einfach, wir wollen intuitiv bedienbare Technologien. Aus diesem Grund werden Maschinen immer mehr wie Menschen – Chatbots, Alexa oder Siri & Co. lassen grüssen.

Im Nachgang der Industrialisierung benehmen sich Menschen aber auch immer mehr wie Maschinen. In der heutigen Zeit gibt es ja fast keinen Prozess mehr, der nicht vorgeschrieben bzw. genormt ist, alles ist zertifiziert. Das ist dann eine gute Idee, wenn Du ein grosses Unternehmen hast, in welchem Du die Prozesse standardisieren musst, um immer den gleichen Output zu bekommen.

Doch alles, was standardisiert ist, wird in Zukunft automatisiert, und alles was automatisiert werden kann, wird ersetzt durch Maschinen.

Das sind die 60% der Tätigkeiten, die ersetzt werden: Alles, was an uns Standard ist!

Wir haben verlernt, einzigartig zu sein, was ich mitunter auch auf unser Bildungssystem zurückführe (siehe auch: Philipp Zimmer, Lernen braucht keine Wände): Wir werden belohnt, wenn wir das tun, was das System will, ein System, das aus Zeiten der Industrialisierung kommt.

Weshalb Empathie für Leadership so wichtig ist

Was Maschinen (mindestens so lange Du und ich uns auf diesem Planeten befinden) nicht können, ist Emotionen entwickeln. Unser Gehirn ist nämlich ein soziales Organ. Menschen lernen im Kontext, das Erlebnis zählt. Eine Maschine kann die Erlebniskomponente nicht erklären. Weshalb gehst Du z.B. Tennis spielen? Weil es Spass macht? Weil es etwas in Dir auslöst, das gemeinsam mit einem Freund zu tun?

Alexa wird nie Tennis spielen können und wird nie wissen, was es bedeutet, einen Freund zu haben.

Maschinen werden gut sein im Imitieren, aber sie werden nie verstehen, wie es sich anfühlt, Mensch zu sein. Es wird immer einen Menschen brauchen, der einem anderen Menschen das Erlebnis beschreibt.

Wenn wir zum Beispiel zum Arzt gehen, soll sich der auf alle möglichen Maschinen verlassen, um eine Diagnose zu stellen, aber der Arzt soll sie bitte kommunizieren und erklären – nicht die Maschine. Genauso im Flugzeug: Die Maschine soll das Flugzeug steuern, weil sie das aus den oben genannten Gründen einfach viel besser kann, aber wehe es sitzt kein Pilot vorne drin.

Wir weigern uns zu akzeptieren, dass es eine Maschine ist, die die Entscheidung trifft, wir wollen mit einem Menschen sprechen. Und im Ausnahmefall soll ein Mensch die Kontrolle übernehmen können.

Denn nur ein Mensch kann verstehen, wie sich ein Mensch fühlt, was es bedeutet, auf der anderen Seite zu sitzen. Alexa kennt keine Angst oder Stress.

Die Schattenseite des Erfolgs

Maschinen haben also viele Vorzüge. Doch mit den Vorzügen steigen auch die Erwartungen. Menschen wollen nicht mehr warten. Menschen wollen auch nicht mehr fragen. Die Kunden und Mitarbeiter erwarten, dass alles zum Vornherein klar ist, dass es einfach ist, dass es automatisierbar ist. Es muss so einfach sein, dass man keine Fragen mehr stellen muss.

Und Menschen wollen nicht mehr denken. Denken ist anstrengend. Menschen wollen die freie Zeit nutzen um kreativ zu sein. Kreativität ist tief in uns verwurzelt. Das Erlebnis steht im Vordergrund.

Mit dieser Erwartungshaltung muss Du lernen umzugehen.

Du musst die Dinge einfach machen, weg von kompliziert. Dazu musst Du aber den Menschen verstehen.

Wie intelligente Führungskräfte das zu ihren Gunsten nutzen

Erstens: Um den Kreis zum einleitenden Denkfehler zu schliessen: Wir müssen uns nicht fragen, was wir besser machen sollen als die Konkurrenz. Henry Ford hat mal gesagt: «Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie brauchen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.» Wir müssen uns überlegen, was die Menschen wirklich brauchen.

«The products product» ist wichtig, der Sinn dahinter oder Neudeutsch: der Purpose. Was ist der Sinn und Zweck Deines Handelns? Warum braucht es Dein Unternehmen? Es geht nicht darum, Autos zu bauen oder Menschen gesund zu machen. Es geht darum, von A nach B zu kommen oder gesund zu bleiben. Daraus können ganz neue Modelle entstehen. Nütz Deine Kreativität.

Zweitens: Das gilt auch für die Mitarbeiter. Denn wenn die Mitarbeiter nicht mehr einfach nur schablonenhaft arbeiten sondern mitdenken, was der Kunde will, dann geht die Post richtig ab. Mein Motto ist: Mach die Mitarbeiter happy, dann werden auch die Kunden happy. Schau auf Dein Umfeld.

Du musst Dich mit den richtigen Menschen umgeben. Und Du musst Dich um die Menschen kümmern!

Wie Du die richtigen Mitarbeiter findest und dazu bringst, kreative Höchstleistungen zu bringen, das erläutere ich Dir in meinem nächsten Artikel «Leadership is more than digital #2 – Der Game Plan eines erfolgreichen Unternehmens».

Als internationaler Eishockey-Schiri mit über 2000 Spielen Erfahrung habe ich gelernt, wie man 40 Männer führt, die testosteron-geladen auf einer rutschigen Unterlage ein emotionales Spiel mit Körperkontakt ausüben. Unterdessen ziehe ich zusammen mit meiner Frau vier Kinder gross, lehre u.a. «Arbeits- und Organisationspsychologie» und gebe mein Sport- und Business-Wissen als «die Pfeife» interessierten Unternehmerinnen und Unternehmern weiter. Warum ich das alles mache? Weil es mir immer schon Freude gemacht hat, Menschen zu entwickeln und weiterzubringen - das Leben ist more than digital!

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