Central Bank Digital Currency (CBDC) – Digitales Geld für Zentralbanken

Was ist das und warum sollte es mich als Unternehmer und Verbraucher interessieren?

Central Bank Digital Currency (CBDC) ist digitales Zentralbankgeld, das auf einer neuen technischen Infrastruktur emittiert wird. Während es von technischer Seite her privaten Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum ähnelt, ist es ein gesetzliches Zahlungsmittel, herausgegeben von Zentralbanken. Was Unternehmen und speziell Verbraucher davon wissen müssen.

Die chinesische Zentralbank hat es schon testweise auf den Markt gebracht, die EZB arbeitet daran und auch für die US Federal Reserve hat es hohe Priorität: die Herausgabe von digitalem Zentralbankgeld oder CBDC, «Central Bank Digital Currency», wie es auf Neudeutsch heisst. Doch die Bezeichnung ist irreführend, denn schon heute ist der weitaus grösste des globalen Zentralbankgelds digital. Was hat es also auf sich mit diesem neuen Geld, an dem mit Hochdruck gearbeitet wird? Was ist CDBC, welches eine solch hohe Priorität für die Demokraten im US-Repräsentantenhaus hat, dass sie die Bereitstellung von CDBC-Konten für alle Firmen und Einwohner der USA schon zum 1.1.2021 per Gesetzesinitiative durchsetzen wollten? [1]

Gesetzliche Zahlungsmittel auf neuer Infrastruktur

Bei CBDC handelt sich um gesetzliche Zahlungsmittel, die auf einer ähnlichen Infrastruktur emittiert und administriert werden, wie schon heutzutage Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum, Tether, Ripple, Polkadot und Co.

Diese Infrastruktur wird gemeinhin als Blockchain bezeichnet, doch dieser Begriff greift zu kurz. Es handelt sich nämlich hierbei vielmehr um Distributed Ledger Technologie, d.h. um eine Infrastruktur, die geographisch verteilt auf zahlreichen Datenbanken läuft und von einem Netzwerk von Nutzern nach klar vereinbarten Grundsätzen transparent betrieben wird. Die Speicherung von Daten erfolgt dabei in chronologischer Reihenfolge und kryptographische Algorithmen stellen die Authentizität der Daten sicher.[2]

Die Vorteile dieser Technologie liegen in der verteilten und redundanten Vorhaltung der Daten über Tausende von Knoten hinweg. Dies macht das System sehr resistent macht gegen physische Eingriffe wie auch gegen Cyber-Attacken, was einen Datenverlust nahezu verunmöglicht. Weiterhin zeichnet sich diese Infrastruktur durch eine hohe Datenintegrität aus, d.h. eine nachträgliche Manipulation von Daten sind praktisch unmöglich. Ferner ermöglicht es die völlige Transparenz des Systems jedem User ad-hoc Audits durchzuführen: eine Buchungskontrolle eines jeden Dateneintrags ist jedem Nutzer jederzeit möglich, sofern das System auf einer sog. Public Blockchain basiert. Zudem reicht dieser Prüfpfad zurück bis hin zur Inbetriebnahme des Systems. Mittels Programmierlogik, sogenannter Smart Contracts, die ebenfalls in der Blockchain abgelegt werden, können zudem ganze Entscheidungsprozesse robust automatisiert werden.

Der User – und sei dies eine Firma oder der Endkunde – wird CBDCs nicht länger in seinem Geldbeutel haben, sondern in seinem Digital Wallet, einer App, welche auf Smart Phone oder PC installiert sein wird. Mittels dieser App wird der User dann auch Transaktionen tätigen können ebenso wie Zahlungen im physischen Point of Sales oder Web.

Von Gold zu CDBCs

Betrachtet man die Geschichte des Geldes, so wurden zunächst irgendwann Gold oder Silber bei einem Treuhänder hinterlegt und durch Papier verbrieft. Anstelle des Edelmetalls wurde fortan mit Papiergeld bezahlt. Aus dem Papiergeld wurde im nächsten Schritt Buchgeld, welches oftmals nur noch auf Kontenblättern erschien. Aus dem physischen Hauptbuch der Zentralbank wurde im Laufe der Zeit ein digitales Register und digitales Geld landetet auch in Form von Debit- und Kreditkaten den Portemonnaies der Verbraucher. Firmen haben diese Entwicklung stets auch auf Unternehmensseite abbilden müssen, um den Kunden komfortable Zahlungsmöglichkeiten anzubieten.[3]

Das Meistern einer jeder dieser Evolutionsschritte war jeweils eine Herkulesaufgabe, welche Jahrzehnte in Anspruch nahm – sowohl auf Zentralbankseite wie auch auf Unternehmensseite. Man könnte nun die Einführung einer neuen verteilten kryptographischen Infrastruktur für digitales Geld, als normalen Fortgang dieser technologischen Entwicklung bezeichnen. Doch damit würde man dieses Projekt insofern massiv unterschätzen, als dass CBDCs vor allem den Zentralbanken gänzlich neue technologische Möglichkeiten eröffnen.

Was bringen CDBCs?

In aller Regel zielen neue Infrastrukturen darauf ab, ihren Nutzern höhere Effizienzen zu liefern oder eine höhere Sicherheit zu garantieren oder beides. Dies wird auch bei CBDCs der Falls ein, denn es wird relativ weniger Fehlbuchungen geben, weniger technische Ausfälle und weniger Betrug. Möglicherweise wird es auch zu höheren Transaktionsgeschwindigkeiten kommen, was jedoch von der genauen Ausgestaltung des technischen Systems abhängig sein wird.

Ob Firmenkunden oder gar Endverbraucher jedoch überhaupt etwas von diesen Verbesserungen bemerken wird, sei zunächst einmal dahingestellt, denn schon heute werden Transaktionen mit digitalem Zentralbankgeld schnell, hoch effizient und weitgehend fehlerfrei durchgeführt. Doch möglicherweise wird der Nutzer von CDBC zumindest in den Genuss einer erhöhten Transparenz kommen. Es ist zwar davon auszugehen, dass CBDC nicht auf Public Blockchains implementiert werden, welche für jeden einsehbar sind, sondern auf Private Blockchains, welche einen eingeschränkten Zugriffskreis für Zentralbanken und Behörden haben werden, aber dennoch könnte sich eine erhöhte Transparenz für die Nutzer des Systems ergeben. Die neue Infrastruktur ermöglicht es zumindest theoretisch, dem User in Echtzeit anzuzeigen, wann eine Transaktion ausgelöst wurde und ob sie beim Empfänger ankam. Dies kann insbesondere für die Debitorenbuchhaltung sehr nützlich sein.

Warum haben sich jedoch so plötzlich mehr als zehn Jahre, nachdem die ersten Kryptowährungen emittiert wurden, eine ganze Gruppe von Zentralbanken zusammengetan, um gemeinsame Prinzipien und Kerncharakteristika von CBDCs zu definieren? Warum zeigen sich die Lender of Last Resort, von EZB über die Bank of England, der Schweizer Nationalbank, der Bank of Japan und der US Fed etc. plötzlich so interessiert an CBDC, wenn bei dieser herkulischen Aufgabe nur stark limitierter Nutzem für Firmen wie auch Konsumenten entsteht? [4] Woher kommt das plötzliche Interesse dieser Zentralbanken an einen Krypto-Euro, einen Krypto-Franken, einen Krypto-Yen und Krypto US-Dollar?

Es liegt an dem unmittelbaren Durchgriff der Zentralbanken auf die Geldbörsen der User oder besser gesagt auf deren Digital Wallets. Bisher stehen Firmen wie auch Verbraucher nur indirekt mit den Zentralbanken in Verbindung. Zwischen ihnen und der Zentralbank steht eine Geschäftsbank, welche den Geldfluss von Zentralbank zum Firmen- oder Retailkunden ganz wesentlich steuert. Vorbehaltlich der notwendigen gesetzlichen Änderungen werden die Zentralbanken künftig einen direkten Zugang zu den Geldbeständen der Unternehmen und Verbraucher haben.

Geld- und Fiskalpolitik unter CDBCs

Dieser Zugriff gepaart mit der Möglichkeit sämtliche Transaktionen im Detail über Jahre hinweg nachzuverfolgen, geben der Exekutive bisher ungeahnte Steuerungsmöglichkeiten: Eine Regierung, welche über CDBC verfügt, kann Geld- und Fiskalpolitik unmittelbar umsetzen, direkt vom Regierungstisch zum einzelnen Unternehmen und Bürger. Rein technisch gesehen können Steuer- und Zinssätze beliebig häufig und stark differenziert ausgeprägt werden, im positiven wie auch negativen Bereich. Der Kauf von bestimmten Produkten könnte direkt subventioniert werden. Der Kauf von anderen Produkten könnte wiederum mit Strafsteuern direkt sanktioniert werden. Schwarzarbeit würde sich angesichts der Transparenz des Systems nicht mehr lohnen. Doch die Anwendungsmöglichkeiten gehen weit über die Geld- und Fiskalpolitikhinaus, wenn man sich auf die Verbraucherebene begibt: bestimmten Personengruppen könnte der Kauf von Gütern gänzlich verboten werden, wie bspw. der Verkauf von Zigaretten an unter 16-jährige oder von Luxusgütern an Sozialhilfebezüger.

In Krisen wie der gegenwärtigen Covid19-Pandemie könnte die öffentliche Verwaltung bspw. den Einkaufstourismus unterbinden, indem Transaktionen nicht länger möglich sein werden, sollte sich der Käufer mehr als 15km von seinem Wohnort entfernen. Zudem könnte der Staat Stimulus-Gelder oder gar Saläre als Schwundgeld ausgestalten und damit Konsum erzwingen: Mit jedem Tag, den das Geld im Wallet verbliebe, würde es weniger wert. Umgekehrt könnte eine Regierung Bankruns verhindern, indem sie die Abhebung von Geldern verhindert. Eine Inflation oder gar Hyperinflation könnte kaschiert werden, indem man es dem Nutzer schlichtweg verunmöglicht, Geldbeträge über einen fest definierten Betrag auszugeben.

Rein technisch gesehen war es einem Staat zudem nie einfacher seinen Haushalt mittels Zwangsanleihen zu sanieren als in Zeiten von CDBC. Der Staat könnte einfach Zwangsanleihen aufnehmen, indem er Firmen oder Bürgern einen Teil ihrer Geldguthaben im Wallet auf Zeit blockiert wird. Auch ein Schuldenschnitt oder eine Währungsreform wären denkbar einfach: dem Nutzer würde einfach ein Teil seines Guthabens gestrichen oder die aktuelle Währung in seinem Wallet würde obligatorisch gegen eine neue umgetauscht, selbstredend zu einem von der Regierung definierten Wechselkurs.

Fazit

Das gegenwärtige digitale Geldsystem ist nicht frei von Mängeln. CDBCs könnten die aktuelle Zahlungsinfrastruktur sicherer und transparenter machen, möglicherweise auch schneller. Gleichzeitig ist der Zusatznutzen, den Firmen- bzw. Endkunden durch die Einführung von CDBC zu spüren bekommen würden, stark begrenzt. Hingegen ergeben sich auf Seite der öffentlichen Verwaltung bisher ungeahnte Vorteile. Die neuen Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten, welche CBDCs Behörden potenziell zur Verfügung stellen, sind immens.

Angesichts dieser Anreize, welche die öffentliche Hand durch die Einführung von CDBCs haben wird, ist fest davon auszugehen, dass CDBCs auch in Europa schon bald eingeführt werden. Firmen sind gut beraten, sich schon heute mit Kryptowährungen und den ihr zugrundeliegenden Technologien vertraut zu machen und die Implementierung des neuen Zahlungskanals zu budgetieren. Zudem sollten sich Unternehmen auf eine wesentlich stärkere Steuerung und Kontrolle ihres Geschäfts durch den Staat einstellen.

Während CDBCs von den einen als Innovation und Fortschritt gefeiert werden, wird inskünftig genau darauf zu achten sein, welche Auswirkungen sie auf die Nutzer haben werden. Unternehmer könnten in ihrer unternehmerischen Freiheit stärker eingeschränkt werden als jemals zuvor, aber auch die Rechte der Kunden, d.h. der einzelnen Bürger könnten in Mitleidenschaft gezogen werden. In Zeiten von CDBC sind diese Recht am besten abzusichern, indem stets noch zusätzlich zu CDBCs die Möglichkeit von Barzahlung mit Noten und Münzen von Firmen angeboten wird.

So paradox es klingen mag, eine solche Barzahlung könnte sich in Zeiten fortschreitenden Digitalisierung wieder zum Unique Selling Point für Unternehmen entwickeln. Dostojewski bezog sich schliesslich auf Münzgeld als er anmerkte „Geld ist geprägte Freiheit“.[5]

Weiterführende Literatur

  1. Waters, M., H.R.6321 – Financial Protections and Assistance for America’s Consumers, States, Businesses, and Vulnerable Populations Act, House – Financial Services; Ways and Means; Education and Labor; Small Business; Judiciary; Agriculture, Editor. 2020, 116th Congress (2019-2020): Washington D.C.
  2. Schueffel, P., N. Groeneweg, and R. Baldegger, The Crypto Encyclopedia: Coins, tokens and digital assets from A to Z. 2019, Fribourg /Bern: HESSO / Growth Publisher.
  3. Ferguson, N., The ascent of money: A financial history of the world. 2008: Penguin.
  4. Bank for International Settlements, Central bank digital currencies: foundational principles and core features. 2020: Basel.
  5. Dostoevskij, F.M., H. Moser, and V. Dimitrijević, Memoiren aus einem Totenhaus. 1929: P. Reclam jun.
    Dr. Patrick Schüffel ist Adjunct Professor an der Hochschule für Wirtschaft Fribourg, Schweiz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Banken, Finanzierung und Unternehmertum. Als Berater und Gründer wirkt er mit an verschiedenen asiatisch-europäischen Crypto-Projekten. Vor seinem dreijährigen Aufenthalt in Singapur arbeitete er jahrelang im Bankwesen in Zürich. Er besitzt etliche Universitätsabschlüsse.

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