Ziel der Digitalisierung? Mehr Geilzeitarbeit!

Geilzeitarbeit - Arbeit im Kontext der Digitalisierung neu denken.

Willkommen in der Hype Gesellschaft

Ein Hype bezeichnet ein Thema, das in aller Munde ist, doch dessen Ziel niemand so richtig versteht. Der gegenwärtige Hype dreht sich um „Digitalisierung, Innovation und neue Arbeit 4.0“. Hast du dir mal überlegt, was das gesellschaftliche Ziel von Digitalisierung und Arbeit sein sollte? Welchen Mehrwert generiert die digitale Transformation für uns Menschen? Ein Mehrwert, der über das reine Geld verdienen, noch mehr arbeiten und Bullshit Jobs verrichten gehen könnte?

Utopie: die perfekte, digitalisierte Welt

Wir schreiben das Jahr 2030. Die Wirkung der Digitalisierung übertrifft die kühnsten Vorstellungen, die wir uns vor zehn Jahren ausgemalt haben. Irgendwann hat es die Politik und Wirtschaft verstanden, dass der reale Nutzen von Digitalisierung mehr als die Optimierung von Prozessen und die Beschleunigung der Geldmaschinerie sein sollte. An einer Konferenz sämtlicher globaler Entscheidungsträger wurde 2025 entschieden, dass jeder Digitalisierungsschritt dazu dienen sollte, das Leben von Menschen zu verbessern. So auch die Zeit, die wir täglich an der Arbeit verbringen.

Auch im Jahr 2030 gehen Menschen zur „Arbeit“. Doch Dank Automatisierung und künstlicher Intelligenz konnten sämtliche Routinetätigkeiten an Roboter ausgelagert werden. Menschen verrichten ausschließlich Tätigkeiten, die sie von Maschinen abheben: Sie lösen in Teams komplexe Herausforderungen, sie sind kreativ und widmen sich mehr den sozialen Anliegen. Die durch die Automatisierung gewonnene Zeit und Freiheit führt dazu, dass jede/r arbeiten kann, wie, wo und wann er/sie will. Arbeit ist nicht mehr eine mühselige Notwendigkeit. Sie hat sich zum Betätigungsfeld gewandelt, das es den Menschen ermöglicht, ihre individuellen Fähigkeiten zu entfalten und damit einen Beitrag zum Wohle der Gesellschaft zu tragen.

Problem: Unsere Arbeitsmoral ist im 19. Jahrhundert stehen geblieben

Das tönt ziemlich cool! Mindestens zeigt diese Utopie auf, was der reale Nutzen von Innovation und Digitalisierung sein könnte: Das Leben von Menschen verbessern und möglichst vielen Menschen ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen.

Genau betrachtet, leben wir schon im Jahr 2019 ansatzweise in dieser Utopie. Noch nie war die Welt besser als heute. Wohlstand und Freiheit sind im Westen zum Allgemeingut geworden. Wir leben im Überfluss. Wir fahren zwei Autos, fliegen in den Ferien, wohin wir wollen. Wir machen Karriere, sind erfolgreich, verdienen genügend Geld … und doch stimmt etwas nicht. Viele Menschen sind mit ihrer aktuellen Arbeitssituation nicht in dem Masse zufrieden, wie sie es sich wünschen. Gemäss diversen Studien zum Thema Arbeitszufriedenheit, zum Beispiel die jährlichen Gallup-Untersuchungen zur Arbeitsplatzqualität, identifizieren sich nur die Allerwenigsten mit ihrem Job. Einige haben innerlich gekündigt, und zwischen ein und zwei Dritteln der arbeitstätigen Bevölkerung leidet unter regelmässigem Stress. Die genauen Zahlen spielen keine Rolle, doch die Tendenz ist eindeutig. Noch prägnanter zeigt sich die mangelnde Zufriedenheit, wenn das Leben zu Ende geht. Dann, wenn man nichts mehr aufschieben oder nachholen kann. Rückblickend bedauern Menschen immer das Gleiche: «Ich habe zu viel Zeit mit Dingen verbracht, die mir nicht wirklich wichtig waren.» «Hätte ich mich nur mehr meinen Freunden und meiner Familie gewidmet.» «Hätte ich nur den Mut gehabt, das zu tun, was mir wirklich wichtig war.» Kaum jemand sagt: «Hätte ich nur mehr und härter gearbeitet und dabei viel Geld verdient.»

Unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft werden sich in den kommenden Jahren im Zuge der Digitalisierung und der Diversifizierung von sozialen Wertestrukturen fundamental verändern. Viele Jobs werden verschwinden. Neue, noch unbekannte, zum Beispiel der Roboterpsychologe, werden entstehen. Junge Menschen, die einen immer grösseren Anteil des Arbeitsmarktes ausmachen, sind nicht mehr bereit, denselben linearen Weg zu gehen wie ihre Väter und Mütter. Geld allein interessiert sie nicht. Werte wie Sinn, Nachhaltigkeit und Gemeinschaftlichkeit schaffen gegenüber dem einseitigen Streben nach Eigennutz und Profit einen neuen Trend. Freelancer, Startups und moderne Unternehmen experimentieren mit neuen Wegen, um Rentabilität und individuelle Zufriedenheit unter einen Hut zu bringen.

Was fehlt also, damit der Wunsch nach einer sinnvollen und erfüllenden Arbeit zur Realität werden kann?

Was tun?

Es fehlen uns für den ganzheitlichen Erfolg nur zwei Dinge:

Erstens verändern sich die tiefen gesellschaftlichen Wertesysteme nur sehr langsam. In unseren Köpfen und Herzen tragen wir nach wie vor Werte- und Moralvorstellungen über Arbeit, die wir aus der Industrialisierung und der Zeit davor geerbt haben. Erfolglos wenden wir dieses Mindset auf unsere Gegenwart an, ohne zu erkennen, dass es bereits neue und bessere Lösungen gibt. Wir brauchen ein Update unserer Vorstellung vom Sinn der Arbeit, so dass sich ein neues gesellschaftliches Wertesystem vom guten Leben und der erfüllenden Arbeit entwickeln kann, das zu den heutigen Möglichkeiten und Freiheiten passt. Viel zu fest haben wir die Vorstellung, dass Arbeit keinen Spaß machen darf, dass der Sinn von Arbeit Geld verdienen und Karriere machen sein muss. Ebenso gehen wir davon aus, dass wir – wie in den Fabriken des 19. Jahrhunderts – Chefs und Hierarchien brauchen.

Zweitens fehlen uns die konkreten Werkzeuge, damit jede und jeder individuelle Ideen für eine erfüllende Arbeit entwickeln kann. Hier können Innovation und Methoden wie Design Thinking, die im Kontext der Business Innovation erfolgreich angewendet werden, helfen. Wir brauchen Innovation für unsere Lebens- und Arbeitsgestaltung! Diesen Werkzeugkoffer und das dazugehörige Mindset stellen wir mit dem Innovation-Toolbook „Geilzeitarbeit. Arbeit neu denken“ jeder/m zur Verfügung, der/die seine Arbeit kreativ und sinnvoll gestalten möchte.

Just do it! Ein Tool für dich.

Zwei zentrale Aspekte von Design Thinking sind das „outside the box“ Denken und das „prototyping“. Outside the box versteht jeder. Prototyping umschreibt unter anderem die Fähigkeit, nicht zu lange in abstrakten Ideen und Konzepten zu verharren, sondern rudimentäre Ideen möglichst schnell in der Realität zu testen.

Stell dir vor, du kommst wie jeden Tag zur Arbeit. Anders als sonst ist die Eingangstüre verschlossen. Niemand ist da. Alle Lichter sind aus. Doch da liegt ein Zettel. Du faltest ihn auf und liest: «Hallo. Die Firma hat von nun an geschlossen. Die Aktionäre, der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung haben keine Lust mehr. Dein Gehalt bekommst du die nächsten drei Jahre weiterhin. DO WHAT YOU WANT.»

  • Erstens: Schreibe oder visualisiere deinen ausgefallenen Weg auf ein Papier: Was machst du zuerst? Was tust du dann? Und dann …?
  • Zweitens: Überlege dir, worum es dir bei deinen Ideen im Kern wirklich geht? Was ist dir wichtig?
  • Drittens: Was könntest du davon in dein reales Leben einbauen? Womit beginnst du noch heute?
Dino Beerli ist Experte für Innovation und neue Arbeit. Mit seiner Firma Superloop Innovation begleitet er Unternehmen und Non-Profit-Organisationen bei der Entwicklung von Innovation und agiler Zusammenarbeit. Dinos Motto lautet: «Wir leben nur einmal. Lass uns diese Zeit sinnvoll und kreativ nutzen.» Deshalb lanciert er mit Superloop auch eigene Projekte im Bereich Bildung, soziale Innovation und kreative Jobgestaltung, die einen Mehrwert für Mensch und Gesellschaft leisten sollen. In seinem Workshop «Design Your Life» beispielsweise lernt man, mit Design Thinking seinen Traumjob zu (er)finden. Dino Beerli studierte an der Universität Lausanne Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, an der Universität Zürich angewandte Psychologie und verfügt über eine endlose Liste an Weiterbildungen in den Bereichen Innovation, Projektmanagement und Organisationsentwicklung. Ausserdem ist er aktiver Bergsteiger und Outdoor-Sportler. Links: www.superloop.ch | www.geilzeitarbeit.ch

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