Virtuelles Arbeiten mal anders – Praxisbeispiel BarCamp in 3D

BarCamp kennt man schon - virtuell auch - spannend ist die Kombination - mit Avataren

Aus der Not eine Tugend machen

Das dachten sich die Mitglieder der Corporate Learning Community https://colearn.de/ vor knapp zwei Wochen. Aufgrund der Corona-Krise musste das Corporate Learning Camp in Hamburg abgesagt werden. Na ja, eigentlich vertagt auf den Sommer. Allerdings löste diese Nachricht viel Aktivität bei den Mitgliedern aus. Statt enttäuscht zu sein, starteten sie eine Initiative, um die Zeit dennoch sinnvoll zu nutzen. So entstand in Kürzester Zeit die Idee des Online-BarCamp. Besonders daran ist, dass es nicht auf ein Tool begrenzt ist, sondern dass sich verschiedene Mitglieder um unterschiedliche virtuelle Klassenzimmer kümmerten.

Die Vorbereitungen zum Online-BarCamp

Anders als beim Live-BarCamp wurden die Sessions vorher festgelegt. Dazu entstand auf einer  Collaborationsplattform ein Sessionplan. Die Teilgeber konnten dort ihre Vorschläge eintragen. Daraus entstand dann der Plan. Einige Mitglieder stellten kurzerhand unterschiedliche virtuelle Klassenzimmer zur Verfügung und organisierten die Systemtests, Zugangsdaten und die erforderlichen Informationen für Sessiongeber und Teilnehmer. Dadurch hat man als Sessiongeber auch die Chance, ein bisschen Inhalt vorzubereiten.

Das ungewöhnlichste virtuelle Klassenzimmer war die 3D Welt mit Avataren

Virtuelle Klassenzimmer von AdobeConnect, Vitero, WebEx, Zoom und Co sind in der Szene recht geläufig. Das BarCamp über MS Teams durchzuführen funktioniert auch schon ganz gut. Für viele noch Neuland ist jedoch die virtuelle 3D Welt. Wir arbeiteten mit der Software-Lösung von TriCat. Diese virtuelle Arbeitsumgebung  hat mich beim ersten Besuch vor über 2 Jahren schon auf Anhieb überzeugt. Ich nutze sie auch sehr gerne im Coaching, weil räumliches Arbeiten viel mehr Wahrnehmung zulässt. Beispielsweise auch Aufstellungen.

Die Vorbereitungen für die 3D-Sessions

Allerdings ist es auch entsprechend anspruchsvoll, das für 73 angemeldete Teilnehmer einzurichten. Die Teilnehmer, die in der Regel noch unerfahren sind, müssen instruiert werden. Zugangsdaten und Testumgebungen verschickt werden. Die Bewegung des Avatars muss vorher geübt werden, dazu sind Funktionstests und Tutorials hilfreich. Und da der Zulauf dermaßen groß war, wurde ein zweites virtuelles Meetinggebäude erforderlich. Sonst hätten die Server das vermutlich nicht geschafft.

Der Start in 3D – oder bis alle im richtigen Raum sind

Spannend wird es dann, wenn die ersten Teilgeber die Gebäude betreten. Bedienung des Avatars, Einstellung der Headsets, Rückkopplungen durch Lautsprecher. All das sind die kleinen Unwägbarkeiten – die letzten beiden kennt man allerdings auch aus der 2D-Welt im virtuellen Klassenzimmer. Und dann natürlich die Verteilung der „Menschen“ in die Sessions. Dass jeder den richtigen Raum findet, die Folien der Sessiongeber hochgeladen sind und vieles mehr.

Und was waren Inhalte?

Jede Menge Themen rund um Lernen und Lernkultur. Zum Beispiel:

  • Tips & Hacks für Remote Lernen (Thomas Jenewein)
  • Lernprozesse in der Komplexität gestalten (Nadja Petranovskaja)
  • Agile Games und Co (Kathrin Bischoff)

Mein Thema

Ich selbst bot eine Session zum Thema „Servant Leadership – Voraussetzung für ’neue‘ Lernkultur“ an. Leider konnte ich an den anderen Sessions nicht teilgeben, da ich auch ein wenig beim Zurechtfinden der Neulinge mit half. Nach einer kurzen Einführung, worum es sich bei Servant Leadership handelt, ging es auch direkt in eine spannende Diskussion. Wir waren uns einig: Servant Leadership ist eine Haltung. Eine Haltung, die es braucht um Selbstverantwortung überhaupt erst zu ermöglichen. Eine Haltung, die Entfaltungsräume und Handlungsoptionen eröffnet. Servant Leadership heißt dabei nicht, dass die Führungskraft wörtlich übersetzt „dient“. Oder dass es sich um einen Feelgood-Manager handelt. Nein. Es geht um gelebte Werte, die auf eine eigenverantwortliche Unternehmenskultur einzahlt. Wie sie ein Hilfsmittel sein kann, um einen umfassenden Kulturwandel zu begleiten.

Ein Einblick in die Welt

Nach der inhaltlichen Diskussion warfen die die Teilnehmer noch einige Fragen zur 3D Welt auf. Unter anderem über soziales Verhalten – also was bedeutet es, wenn ich mich an den Rand der Gruppe stelle. Meinen die anderen ich will mich absondern? Dabei möchte ich eigentlich nur alle im Blick haben. Wie ist es, wenn wir uns an den Tisch setzen? Wen sehe ich, wen nicht? Hier ein paar Impressionen:

Tool folgt Anwendungszweck

Gerade in der aktuellen Zeit werden wir von Angeboten nur so zugeschüttet. Es gibt auf dem Markt eine Vielzahl toller Tools, die je nach Einsatzgebiet gute Dienste leisten. Schon seit den 1960er Jahren gilt der Leitsatz

Structure follows Strategy
(Alfred J. Chandler jr.)

in der Wirtschaftswissenschaft fast als Gebot. Ähnlich ist es mit der Digitalisierung bzw. den eingesetzten Tools. Digitalisierung ist da sinnvoll, wo das Leben/Arbeiten erleichtert wird. Deshalb folgt das Tool dem Ziel oder Einsatzzweck. Es ist von Vorteil, sich zunächst intensiv mit dem Ziel und den benötigten Anwendungsfällen zu beschäftigen und erst dann ein Tool auszuwählen, das dazu passt. Natürlich nach Abwägen der Vor- und Nachteile. Denn es ist ein Unterschied, ob ich zum Beispiel Live-Online-Trainingseinheiten in einem virtuellen Klassenzimmer durchführen , oder die Zusammenarbeit eines Teams organisieren  möchte. 

Ausprobieren, was zu mir passt

Wichtig ist auch noch, dass das gewählte Tool zu mir passt. Wenn ich mich als Anwender nicht wohl fühle, wird das Ergebnis mäßig sein. Es empfiehlt sich deshalb immer mehrere (kostenlose) Tools zu testen. Dann bringt der Einsatz echten Mehrwert. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Wenn Menschen gemeinsam auf einem Trampolin springen, können sie sich gegenseitig beschleunigen oder ausbremsen. Das ist in Teams und Organisationen genauso. Als Trainerin, Coach, Team- und Kulturentwicklerin begleitet Sandra Dundler die Menschen digital und analog dabei, die Herausforderungen der Transformation zu meistern. Sie war selbst lange Jahre Mitarbeiterin in einem Konzern auf unterschiedlichen Führungsebenen.

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