Selbstliebe für Manager: Die geheime Zutat für Führung, die authentisch und leicht ist

Führung ohne Selbstliebe und die Berücksichtigung der eigenen Bedürfnisse ist wie Segeln ohne Segel.

Wir brauchen keine neue Führung. Was wir brauchen sind Räume, in denen die Aspekte der Selbstliebe wie Bedürfnisse, Empathie und Verletzlichkeit für das Selbst in Führung Platz findet, damit Führungsarbeit authentisch und leicht wird.

Schon wieder das nächste Leadership Ding. Servant Leadership – die dienende Führung. Davor war es die empathische Führung, Leadership 2.0, Leadership 4.0, New Work Leadership, Agile Leadership und so weiter.

Wenn es dir wie mir geht, dann holen dich diese Buzzwords nicht mehr ab. Ganz im Gegenteil. Was klingt und versprochen wird, wie der heilige Gral der Führung ist am Ende alter Wein in neuen Schläuchen. Wir brauchen keine neue Führung! Die, die wir haben und kennen ist gut, es hapert lediglich an der konsequenten Umsetzung.

Unbestritten hat sich Führung in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark gewandelt. Aufgaben werden komplexer, Herausforderungen komplizierter, Märkte schneller, Gegebenheiten unsicherer, Kunden anspruchsvoller. Kurzum: Willkommen in der Vuca-Welt.

Doch egal welches Label wir an Führung kleben, am Ende geht es um eine Sache:

Die erste Aufgabe von Führung ist es, Zusammenarbeit zu organisieren.

Reinhard K. Sprenger

Es geht immer um Menschen. Deine Mitarbeitenden, deine Kunden, deine Lieferanten. Und um dich. Keine Überraschung, doch je leichter du dich dabei selbst führen kannst, desto leichter gelingt dir deine Führungsarbeit. Gute Führung beginnt stets mit guter Selbstführung.

Selbst-Führung. Das Selbst in Führung.

Lass uns kurz ein Experiment zum Thema Selbst-Führung machen:

  • Wann warst du zuletzt stolz auf dich?
  • Wann hast du dir zuletzt selbst gedankt?
  • Wann hast du dir zuletzt etwas Gutes getan?

Heute? Gestern? Oder ist das letzte Mal schon länger her?

You can’t pour from an empty cup.

Als Mensch in Führung trägst du große Verantwortung auf deinen Schultern. Meist hast du wenig bis keine Zeit, hetzt von Meeting zu Meeting, musst den Kopf hinhalten. Du stößt auf Widerstände und Hindernisse. Du musst leisten, Kontrolle haben, präsent sein, entscheiden.

Familie und Privatleben kommen fast immer zu kurz. Und deine Gesundheit erst recht. Und wann bist du dran?

Wann im Alltag schenkst du dir Aufmerksamkeit? Wann im Alltag nimmst du dein Selbst bewusst wahr? Wann im Alltag dankst du dir selbst? Wann bist du stolz auf dich? Wie führst du dich im Daily Doing deines Business?

Wenn du Menschen führst, dann ist eine deiner zentralen Aufgaben, die Zusammenarbeit deiner Mitarbeitenden zu organisieren. Dabei ihre Talente und Potenziale zu fördern. Menschen an die Positionen zu setzen, auf denen sie sich entfalten können und ihr Bestes geben. Und deinen Teams und Mitarbeitenden Wertschätzung für Leistung und Erfolg auszusprechen. Dankbar zu sein.

Verrate mir, wie das möglich sein soll, wenn du dies nicht für dich selbst erkennst und erfüllst? Wie ist authentische Wertschätzung möglich, wenn du diese nicht für dich selbst empfindest?

Dein Selbst in Führung

Ein grundlegender Aspekt der Selbst-Führung ist die Selbstliebe. Klingt esoterisch und abstrakt. Ein Begriff, der sich sich in Deutschland noch nicht flächendeckend etabliert hat. Schon gar nicht für Männer und erst recht nicht für männliche Führungskräfte.

Zu lange haben wir uns auf Zahlen fokussiert. Menschen als Human Resource bezeichnet. Humane Ressourcen wie Maschinen täglich gleich, täglich messbar. Wir können inzwischen alles messen und haben dabei das Fühlen vergessen.

Dazu haben wir so viele gesellschaftliche Vorschriften und Regeln, wie insbesondere Männer sich in unserer Welt zu verhalten haben, dass es mir persönlich graust. Die Karriereleiter hinauf geht es häufig nur mit Ellenbogen und Werteverletzungen. Bloß keine Schwächen zeigen. Keine Fehler machen. Ein Indianer kennt kein Schmerz…

Hast du dich je gefragt, ob du das wirklich alles so wolltest?

Und jetzt will die moderne Wirtschaftswelt uns auch noch glauben machen, dass wir wieder eine „neue Führung“ brauchen. Derzeit hoch gefragt: Servant leadership, also die dienende Führung, und der empathische Führungsstil der Empathie anpreist wie Äpfel auf dem Markt, die mal eben im Vorbeigehen erworben werden.

Are you kidding me?

Erst musstest du deine:n Mann:Frau stehen, mit Ellenbogen, Härte und Macht nach oben kämpfen und jetzt sollst du deine weiche Seite zeigen. Gefühle zeigen? Empathisch sein? Jetzt, wo du dir selbst all die Jahre diese Eigenschaften höchst erfolgreich abtrainiert hast? Jetzt soll ein:e Indianer:in doch Schmerzen kennen oder gar fühlen?

Der Empathie-Bullshit

Selbstliebe geht einher mit Empathie. Und authentische Empathie entsteht, wenn wir uns erlauben diese zuerst für uns selbst zu entwickeln. Wenn wir uns alle Gefühle und Emotionen zugestehen, unsere Traumen und Verletzungen anerkennen und für unser Selbst Mitgefühl entwickeln.

Empathie entsteht nicht, ohne sich der eigenen Verletzlichkeit gewahr zu werden. Die Gefühle und Emotionen unseres Gegenübers berühren immer einen Teil in uns selbst. Wir sind soziale Wesen, die dank der Spiegelneuronen fähig sind, die Emotionen des anderen mitzufühlen. Wenn es uns erlaubt ist, es Raum dafür gibt und wir uns sicher fühlen. Erst wenn ich Mitgefühl für mich entwickelt habe, kann ich dieses anderen authentisch entgegenbringen.

Dabei bietet Verletzlichkeit bietet zwei Optionen: Sein Gesicht zu verlieren oder Stärke zu entwickeln. Wenn Organisation dienende und/oder empathische Führung fordern, dann müssen wir Räume schaffen, in denen Selbstliebe und Verletzlichkeit Raum findet. In denen Bedürfniserfüllung und Verletzlichkeit seinen Platz einnehmen darf, ohne negative Folgen oder Konsequenzen.

Ich möchte eine Lanze brechen für all die Emotionen und Verletzlichkeiten von Führungskräften, welche glauben sie müssten immer stark sein, alles wissen und jederzeit die Kontrolle bewahren. Selbstliebe beginnt genau hier und ist erlernbar. Selbstliebe kann sein zu sagen „Ich weiß es noch nicht, doch wir werden es herausfinden.“

Was heißt hier Liebe?

Selbstliebe ist im Kern betrachtet die bewusste Wahrnehmung deines Selbst im jeweiligen Moment. Selbstliebe ist auch die Anerkennung und Befriedigung deiner Bedürfnisse. Sie ist Dankbarkeit für dich und deine tägliche Arbeit. Dies kann sich zudem ausdrücken in Sport, gesunde Ernährung, Pausen, Nein-Sagen und Grenzen setzen.

Dabei geht es nicht um die romantische Liebe, welche wir aus Hollywood-Filmen kennen. Selbstliebe beginnt mit der Wertschätzung und der Anerkennung deines Selbst. Sehen was ist, annehmen was ist.

Selbstliebe ist auch, dass wir uns unserer Stärken und Schwächen, Prägungen und Traumen bewusst sind. Und dass uns bewusst ist, wie sich diese im Alltag durch unser Handeln ausdrücken.

Eine allgemeingültige Annahme zur Liebe ist, dass sie uns guttut und uns ein gutes Gefühl gibt. Und gute Gefühle entstehen, wenn unsere Bedürfnisse gedeckt werden. Anzuerkennen, dass du in deinem Leben der wichtigste Mensch für dich bist. Du darfst dir selbst deine größte Liebe sein. Durch aktiv gelebte Selbstliebe entsteht zudem ein Raum, in welchem bewusst wird, dass wir uns von der Harmoniesucht und ständigem Ja-Sagen verabschieden können.

Selbstliebe ist Bedürfniserfüllung ist Selbstliebe.

Kurzer Exkurs zu Bedürfnissen: Bedürfnisse beziehen sich auf eine breite Klasse von Zielen. Im Unterschied zum Motiv und Werten wird mit dem Begriff der Bedürfnisse die Annahme verbunden, dass Bedürfnisse erst durch einen relativen Mangel ausgelöst werden. Bedürfnisse werden also dann erlebens- und verhaltensrelevant, wenn sie verletzt oder sich im Defizit befinden. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bed%C3%BCrfnis)

Teile unserer menschlichen Bedürfnisse sind sich ähnlich: Wasser, Schlaf, Sexualität, Gesundheit, Essen, körperliche Unversehrtheit, Familie und Gemeinschaft. Und Teile sind ganz individuell ausgeprägt: Beruflicher Erfolg, Status, Macht, Luxus, Sinn, Spiritualität.

Bedürfnisse sind nicht verhandelbar

Selbstliebe beginnt mit dem Bewusstsein für deine Bedürfnisse:

  • Welches sind deine Bedürfnisse? Was ist täglich für dich wichtig?
  • Wann hast du dich zuletzt mit deinen Bedürfnissen auseinandergesetzt?
  • Wie kannst du die Erfüllung deiner Bedürfnisse in deinen Alltag integrieren?

Wenn die 3 Fragen zu abstrakt sind, versuche es mit diesen 5 Fragen:

  • Wie entspannst du am besten?
  • Wie tankst du Energie und Kraft?
  • Was brauchst du, um dich gut und gesund zu fühlen?
  • Was brauchst du, um deinen Job bestmöglich zu erfüllen?
  • Wie viel Gemeinschaft brauchst du, um dich gesehen und wertgeschätzt zu fühlen?

Und die Forderung von Mitarbeitenden nach mehr Wertschätzung durch ihre Führungskraft adressiert fast immer das Symptom ein und derselben Ursache. Häufig empfindet die betreffende Person in Führung selbst keine Wertschätzung für ihr selbst. Du kannst anderen nur geben, was du dir selbst erlaubst.

Wenn deine Mitarbeitenden in Zukunft „mehr Wertschätzung“ fordern, dann frage dich zuerst:

  • Wo halte ich mir Wertschätzung vor?
  • Wo kann ich mir mehr Wertschätzung zeigen?

Im zweiten Schritt frage deine Mitarbeitenden, woran sie merken würden, dass sie Wertschätzung erfahren. Denn auch bei deinen Mitarbeitenden ist der gefühlte Mangel an Wertschätzung eng mit ihren eigenen Bedürfnissen und Selbstliebe verbunden. Durch den Austausch zu den unterschiedlichen Bedürfnissen könnt ihr gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Meine These:

Von deiner Selbstliebe zu dir hängt maßgeblich ab, wie gut sich deine Mitarbeitenden fühlen, wie sie leisten, wie erfolgreich ihr seid und wie gerne eure Kunden mit euch zusammenarbeiten.

Dabei darf jeder für sich definieren, was Selbstliebe bedeutet. Der Begriff mag vieles implizieren, doch ist Liebe immer ein subjektiv empfundenes Gefühl.

Jede:r liebt auf ihre:seine Weise.

Svenja treiben eine zentrale Frage an: Wie kann Leben und Arbeiten sinnvoll und erfüllt in Einklang gebracht werden, sodass Erfolg nachhaltig entsteht? Wie kann ich mein volles Potenzial ausschöpfen und meine Stärken in meiner täglichen Arbeit gewinnbringend einsetzen? Wie kann ich Menschen inspirieren und ein Leuchtturm-Unternehmen führen? Für Svenja ist Arbeitszeit Lebenszeit und für mehr gedacht als Hamsterrad, Rechnungen und gesellschaftliche Check-Boxen. Als Coach, Beraterin und Sparringspartnerin steht sie Unternehmern, Executives und Führungspersönlichkeiten zur Seite, wenn es um holistische Selbst- und Unternehmensführung geht.

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