IQ oder EQ: Was ist für gemischte Teams besonders wichtig?

Der Business Case für emotionale Intelligenz

„Die Intelligenz eines Führers muss eine starke emotionale Komponente haben. Er muss ein hohes Maß an Selbstbewusstsein, Reife und Selbstbeherrschung haben. Sie muss in der Lage sein, mit Rückschlägen umzugehen und, bei Erfolg, wenn diese Glücksmomente eintreten, den Erfolg zu gleichen Teilen mit Freude und Bescheidenheit zu genießen. Zweifellos ist der Fokus auf emotionale Intelligenz seltener als auf gängige Intelligenztests, aber meine Erfahrung sagt mir, dass sie bei der Bildung einer Führungspersönlichkeit tatsächlich wichtiger ist. Man kann sie einfach nicht ignorieren“. – Das sage nicht ich, das sagt Jack Welch, Vorsitzender von GE, im Gespräch mit dem Wall Street Journal.

Intelligenz und IQ als Messinstrument?

Intelligenz ist etwas, das für Investoren, Finanzleuten und Technikern sehr wichtig ist. Was kann in Kombination mit Innovationsfähigkeit, fundierten Berufskenntnissen und der Fähigkeit, sich die Zukunft vorzustellen, schief gehen? Viele Tech-, Fintech-, Blockchain-Spezialisten und diejenigen, die von den alten Industrien wie Bank-, Finanz- und Versicherungswesen zur neuen Blockchain- und Fintech-Sparte übergehen, sind stolz auf ihre Leistungen und ihre Intelligenz; ihre Fähigkeit, sich die Zukunft vorzustellen. Das ist eine extrem wichtige Eigenschaft. Sozusagen eine notwendige Bedingung. Ist sie auch hinreichend?

Man kann mit Sicherheit sagen, dass uns ein Leben lang beigebracht wurde, wie wichtig unser intelligenter Quotient (IQ) ist, als ein wichtiger Indikator für unseren Erfolg. Deshalb ist es verlockend, in die IQ-Punktzahl von jemandem hineinzulesen und ihn allein anhand dieser Zahl zu beurteilen. Psychologen, die sich mit Intelligenz beschäftigen, finden jedoch, dass dies nur teilweise wahr ist. Die digitale Transformation fordert alle unsere Kompetenzen und dazu noch ein Growth Mindset.

Digitale Kompetenzen und mehr

Schauen wir kurz auf die digitalen Kompetenzen: Da hätten wir einmal unsere persönlichen Kompetenzen, die sozialen Kompetenzen, die Fach- und Methodenkompetenzen und die Transferkompetenzen. Das alleine macht jedoch noch kein Growth- Mindset aus. Wir müssen bereit sein ständig dazuzulernen und unsere neuralen Netzwerke auszudehnen, das Rainbow Brain in uns zu entwickeln.

Was bedeutet das für Modernität und Agilität ? Wie beeinflussen und fördern Veränderungen in Geschäftsprozessen und Kultur die Innovation ? Hier ist zunächst einmal die Servitization zu nennen. Heute verkaufen sich nicht Produkte, sondern die Services, die an diese Produkte angehängt werden, digital natürlich.

Gemischte Führung ist die aktuelle Erfolgsformel für die digitale Transformation in vielen Branchen. Es gibt inzwischen genügend Studien, die zeigen, dass gemischte Teams bessere Leistungen erbringen und langfristig innovativer und erfolgreicher sind. Was in Ländern wie Irland vorbildlich gelöst wird, steckt bei uns noch in den Kinderschuhen. Seit 2007 beweisen es Studien immer wieder: Gemischte Teams sind einfach innovativer. Unternehmen mit Frauen im Vorstand sind wirtschaftlich erfolgreicher als solche mit rein männlichen Mitgliedern. „Mixed Leadership“ ist daher das aktuelle Erfolgsrezept im Personalmanagement. Und hier kann uns ein Training in emotionaler Intelligenz helfen. Es gibt noch immer viele Missverständisse zwischen Mann und Frau, in der Interpretation von Vorgängen und Aussagen und in der Interpretation was ein Ereignis oder eine Ereigniskette für unser Zukunftsfähigkeit bedeutet.

Die Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young („Mixed Leadership; Mixed Management Teams and their Influence on Company Performance“ ) aus dem Jahr 2012 verglich die Teamstrukturen der 300 grössten börsennotierten Unternehmen in Europa und kam zum Schluss, dass Frauen an der Spitze von Unternehmen ein klarer Erfolgsgarant sind. Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl, Marktwert – alle Schlüsselzahlen in den Jahren 2005 und 2010 waren bei diesen Unternehmen überall besser als der Durchschnitt und für rein männliche Teams war es genau umgekehrt: „Das Urteil ist verheerend für jene Topmanager, die 2010 noch rein männliche Kreise waren. Umsatz, Gewinn, Marktkapitalisierung oder Beschäftigung: alles dort ist schlechter als der Durchschnitt“.

Gemischte Teams mal anders

Lehnen wir uns zurück und stellen wir uns einen Moment lang vor, wie erfolgreich Ihr Team wäre, wenn es gemischt wäre, und welche Auswirkungen dies auf Ihr Employer Branding hätte.

Es fehlen nicht nur Frauen, sondern es scheint auch ein fehlendes Glied in der Finanz- und Blockchainindustrie zu geben: die Förderung der emotionalen Intelligenz.

IQ-Tests können vorhersagen, wie gut Menschen in bestimmten Situationen abschneiden werden, wie z.B. abstraktes Denken in Wissenschaft, Finanzen und Technik. Aber wenn es um einen vielseitigen Geschäftserfolg geht, dann steckt viel mehr drin. Was ein Team glänzen lässt zum Beispeil bei der Anwendung von SCRUM ist die Verschmelzung von Intelligenz und sozialer Attraktivität, die Art und Weise, wie man mit anderen und sich selbst am Arbeitsplatz umgeht. Es ist das Zusammenspiel von Intelligenz und emotionaler Intelligenz, das den Erfolg und die Arbeitsleistung von Teams und Unternehmen steigert.

Leistung hängt von vielen Dingen ab, und je mehr wir verstehen, wie das Gehirn Informationen während unserer täglichen Aktivitäten speichert und nutzt, desto mehr können wir ein höheres Maß an Selbstbewusstsein erreichen.

Emotionale Intelligenz, oder EQ, hat sich zu einer zentralen Form des Intellekts entwickelt, denn sobald sie entwickelt ist, werden wir die einzigartige Fähigkeit haben, die eigenen Emotionen zu erkennen – und nicht die Falle zu tappen, sondern unsere Emotionen agnostischer betrachten können. Das ist Voraussetzung um berufliche Entwicklung und Unternehmensentwicklung zu fördern.

David Caruso, einer der Gründungsforscher von EQ, sagte es am besten: „Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass emotionale Intelligenz nicht das Gegenteil von Intelligenz ist, sie ist nicht der Triumph des Herzens über den Kopf – sie ist die einzigartige Schnittmenge von beiden.

Was können Sie als Einzelperson tun?

Wenn Sie erst einmal die Fähigkeit erlangt haben, Ihre Emotionen zu erkennen, werden Sie in der Lage sein, diese Informationen zu nutzen, um Ihr Denken und Verhalten zu lenken, was Ihnen letztlich helfen wird, sich selbst und andere besser zu verstehen. Die Entwicklung hoher EQ-Niveaus erhöht Ihre Chancen, Ihre Ziele erfolgreich zu erreichen. Aus diesem Grund hat der Finanzsektor den dringenden Bedarf an dieser Form des Intellekts erkannt. Finanzinstitutionen müssen sich als zuverlässig erweisen, damit ihre Kunden ihnen ihr Vermögen anvertrauen können. Welchen besseren Weg gibt es, um die Vertrauenswürdigkeit zu erhöhen, als verantwortungsbewusst, direkt und flexibel mit aktuellen und potenziellen Kunden umzugehen, die alle Soft Skills sind, die durch EQ verbessert werden können.

Die Automatisierung innerhalb des Finanzsektors kann niemals durch eine persönliche Kommunikation mit den wichtigsten Interessengruppen und ihren Kunden ersetzt werden. Diese Realität erfordert die Fähigkeit einer Person, Kompetenzen zu entwickeln, so dass sie sich positiv mit einer Reihe von Personen mit unterschiedlichem Hintergrund auseinandersetzen kann.

Hier sind einige Kompetenzen, die durch die Entwicklung Ihres EQ gestärkt werden können:

  • Flexibilität
  • Verstehen
  • Aktives Zuhören
  • Kommunikation, sowohl verbal als auch nonverbal
  • Zusammenarbeit
  • Einflussnahme
  • Ein gemeinsames Ziel erreichen
  • Einfühlungsvermögen

Emotionale Intelligenz kann auch folgende persönliche Kompetenzen stärken: Selbstbewusstsein, Selbstmanagement, Sozialbewusstsein und Beziehungsmanagement.

Persönliche Kompetenzen verstehen

Selbsterkenntnis

Selbsterkenntnis ermöglicht eine klare Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit, einschließlich Stärken, Schwächen, Gedanken, Überzeugungen, Motivation und Emotionen. Selbsterkenntnis ermöglicht es Ihnen, andere Menschen zu verstehen, wie sie Sie, Ihre Einstellung und Ihre Reaktionen wahrnehmen.

Selbstmanagement

Selbstmanagement stärkt die Kontrolle über das eigene Verhalten, anstatt von anderen von außen kontrolliert zu werden. Personen, die Selbstmanagement einsetzen, überwachen ihre Leistung, ergreifen korrigierende Maßnahmen und suchen nach Ressourcen.

Soziales Bewusstsein ist die Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer zu verstehen und auf sie einzugehen.

Beziehungsmanagement

Beziehungsmanagement ermöglicht zwischenmenschliche und soziale Fähigkeiten, wie z.B. Inspiration geben, Einfluss nehmen, die Fähigkeit besitzen, andere zu entwickeln (Rozell et al., 2001).

Dies sind Schlüsselkomponenten bei der Interaktion mit bestehenden und neuen Kunden. Das alte hierarchische Modell klappt in der digitalen Transformation nicht mehr. Es setzt eine lineare stabile Wirklichkeit voraus. 

Zusammenfassung

Wir sind in 2020 endgültig in der VUKA Welt angekommen, in der Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität das marktgeschehen bestimmen. Daher muss sich auch Führung neu definieren. Eine Führungspersönlichkeit steht heute innerhalb der Gruppe, nicht ausserhalb, wirkt durch soziale Attraktivität und Identität.

Wenn Sie die oben genannten persönlichen Ebenen entschlüsseln, werden Sie empathischer, was eine wesentliche Kompetenz bei der Arbeit mit Menschen in kundenorientierten Situationen sowie in SCRUM Teams ist. Wenn Sie besser verstehen können, woher Ihr Kunde kommt, werden Sie in der Lage sein, den besten Service zu bieten, der auf seine spezifischen Bedürfnisse und Wünsche eingeht und die Customer Journey dementsprechend designen. Dies gilt auch für Ihre internen Kunden und Teamkollegen. Das ultimative Ziel sollte es sein, ein Team zusammenzustellen, das sich formieren, brainstormen, normieren, performen und SRUM Sprint Artekfakte kreieren und implementieren kann – unabhängig davon, was im aussen passiert. Impact Investoren achten sehr stark auf Teamzusammensetzungen. In einer Krise ist es viel wichtiger als bei ruhiger See, möglichst viele unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, dazu gehört auch die feminine Perspektive beizusteuern, denn immerhin, sind wir die Hälfte der Menschheit.

Autorin: Karen Wendt

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