Digitalisierung – Anfänge und Auswirkungen

Menschen haben schon früh begonnen Dinge zu digitalisieren.

Digitalisierung ist so alt wie die menschliche Kultur!
Warum gibt es jetzt all diesen Rummel nur?

  • Schon in frühen Phasen ihrer soziokulturellen Entwicklung benutzten Menschen „Sprechende Trommeln“ als erste „Tools“, um digitalisierte Nachrichten bzw. Einzelangaben (= Digitate) über größere Entfernungen zu übermitteln. Im gleichtiteligen Kapitel 1 seines Buchs ‚Die Information: Geschichte, Theorie, Flut‘ erläutert James Gleick das in anschaulicher und anregender Weise.
  • In weiteren Kapiteln schildert Gleick, dass Erfinder und Ingenieure im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neue Verfahren, Techniken und Systeme entwickelt und eingeführt haben, um Informationsrepräsentationen verschiedener Typen, z.B. Eilnachrichten oder Schriftstücke,  zu digitalisieren und um erzeugte Digitate, z.B. Telegramme oder Fernschreiben, zu manipulieren.
    • So kam zur Übermittlung von Digitaten per Trommel die optische Telegrafie hinzu, bei der Licht- oder Rauchsignale erzeugt sowie Blinkspiegel und Signalflaggen eingesetzt wurden, um Nachrichten zu übermitteln.
    • Ende des 18. Jahrhunderts machten die Chappe-Telegrafen für einige Jahre Furore: Über fest installierte, oft recht lange Telegrafielinien mit zahlreichen Relaisstationen wurden digitalisierte Nachrichten zu amtlichen oder militärischen Belangen für damalige Verhältnisse rasend schnell übermittelt.
    • Weiter ging es im 19. Jahrhundert mit der elektrischen Telegrafie, bei der das nach seinem Erfinder benannte „Morse-Alphabet“ angewendet wurde, um Buchstaben und Ziffern durch binäre Zeichenfolgen zu (de)codieren.
    • Ende des 19. Jahrhunderts begann der Aufbau des globalen Telefonnetzwerks, – lange „der größte Automat der Welt“ -, über das dann seit den 1980er Jahren täglich Milliarden von Gesprächen geführt werden, die per Puls-Code-Modulation digitalisiert und als digitale Signalfolgen übertragen wurden. Damals wurde jedoch nicht wie heute die „digitale Transformation“ mitsamt Disruption ausgerufen. Zudem werden die digitalen Signale wieder analogisiert in den Telefonen der Gesprächspartner, damit diese einander überhaupt verstehen können mit ihren analogen Hörorganen.

Ein neue Phase begann, als der nordamerikanische Ingenieur Herman Hollerith Ende des 19. Jahrhunderts die nach ihm benannte Tabulierungsmaschine konstruierte, um sehr große Mengen von Daten, – „Big Data“ schon damals! -, rationell zu digitalisieren und um die erzeugten Digitate in Form von Datensätzen auf so genannten Lochkarten zu speichern.

  • Das war der elektromechanische Vorläufer der software-basierenden elektronischen Digitalisierungsautomaten in Gestalt von raumfüllenden Großrechnern, mit denen Digitate in Form von Dateien und Datensätzen generiert und manipuliert wurden und werden. Deren Entwicklung und Einführung begann Ende der 1940er Jahre im Institute for Advanced Study (IAS) in Princeton, USA, wobei die ersten Modelle bezeichnet wurden als ENIAC und MANIAC.
  • Damals wurde auch die Von-Neumann-Architektur entwickelt und implementiert, die seitdem die Basis ist für die meisten software-basierenden elektronischen Systeme, vulgo Computer-Systeme. Diese wurden über mehrere Stufen tiefgreifend miniaturisiert, wobei sie immer leistungsfähiger und flexibler wurden. Heutzutage können deren Nutzer eine Vielfalt von Informationsrepräsentationen erfassen und digitalisieren sowie Digitate auf vielerlei Weisen bearbeiten.
  • Ab den 1980er Jahren wurden Microcomputer eingeführt, die als Personal Computer (PC) bezeichnet wurden, und im Jahr 2007 stellte die Firma Apple bekanntlich mit riesigem Anklang das erste Smartphone vor, ein software-basierendes Mobilfunktelefon mit Internet-Zugang.
  • Das Computerposter, das Schweizer Computer-Fachleute erstellt haben und pflegen, enthält eine zeitlich weit gespannte, kompakte und weitgehend vollständige Übersicht zu den Kategorien und Typen von Computer-Systemen, die in immer kürzeren Zyklen auf den Markt kamen und kommen.

Durch die Verbreitung all dieser Systeme in Firmen und Privathaushalten sowie durch deren intensive Nutzung für verschiedene Zwecke und Belange wurden inzwischen sehr viele Menschen zu versierten „Digitalisierern“, auch wenn das offensichtlich niemandem bewusst ist.

Fazit

Die wechselnden Bezeichnungen von Computer-Systemen sowie die Furore, die um die so genannten „Technologien“ gemacht wurde und wird, verdecken und verschleiern offensichtlich, dass es sich schlicht und einfach immer wieder um andere Kategorien und Typen von software-basierenden elektronischen Digitalisierungsautomaten handelt(e), nicht mehr und nicht weniger.

  • Mit deren Hilfe transformieren deren Nutzer Informationsrepräsentationen verschiedener Typen in Dateien oder Datensätze (= Digitate) verschiedener Formate, die sie dann für ihre Belange manipulieren bzw. an andere Adressaten weiterkommunizieren.
  • Insgesamt wird also eine beliebige Auswahl dessen, was über die Welt erfasst und dokumentiert werden kann, in zwei Arten von Digitaten abgebildet. Das ist eine strukturelle Rationalisie-rung, die beim Austausch von Digitaten eine recht hohe Effizienz und Geschwindigkeit  ermög-licht, bei den Inhalten jedoch in vielen Bereichen zur Nivellierung führt.

Angesichts all dessen kommt der aktuelle Hype um „Digitalisierung“ und „Digitale Transformation“ erstaunlich spät. Gleichwohl ist er völlig überflüssig, vor allem weil er in vielen Bereichen unnötige Verwirrung und lähmende Verunsicherung verursacht. Letztendlich zeigt sich, dass die relevanten Grundlagen und Zusammenhänge sowie die lange Entwicklung unvollständig oder gar nicht berücksichtigt werden. Dann würde man sachgerecht von einer Evolution der Digitalisierung sprechen, sowohl was die Formen als auch was die Mittel betrifft.

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