Mobilitätsdatenplattformen als Schlüssel zur Mobilitätswende

Mit vernetzten Daten zu nachhaltiger Mobilität

Mobilitätsdatenplattformen vernetzen Verkehrsdaten, fördern nachhaltige Mobilität und optimieren Verkehrsflüsse. Erfahren Sie, wie sie die Mobilitätswende vorantreiben.

Die Mobilitätswende ist eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Angesichts der Klimakrise, wachsender Städte und alternder Infrastrukturen wird der Ruf nach nachhaltigen und effizienten Verkehrslösungen immer lauter. Ein entscheidender Faktor ist die Digitalisierung. Mobilitätsdatenplattformen spielen eine Schlüsselrolle, da sie Verkehrsmittel und Akteure miteinander vernetzen. Doch was genau sind Mobilitätsdatenplattformen, wie funktionieren sie, und wie tragen sie konkret zur Mobilitätswende bei? Dieser Artikel gibt einen Überblick über Grundlagen, Funktionsweisen und Potenziale solcher Plattformen.

Was sind Mobilitätsdatenplattformen?

Mobilitätsdatenplattformen sind digitale Systeme, die Verkehrsdaten aus verschiedenen Quellen sammeln, vereinheitlichen und für unterschiedliche Akteure zugänglich machen. Diese Plattformen gehen weit über herkömmliche Verkehrsdatenbanken hinaus, indem sie die Daten standardisieren und für unterschiedliche Anwendungen nutzbar machen.

Ein zentraler Unterschied zu traditionellen Systemen ist die verkehrsmittelübergreifende Integration: Daten aus dem öffentlichen Nahverkehr, Sharing-Angeboten, dem motorisierten Individualverkehr und weiteren Quellen werden gebündelt. Das Ziel ist es, eine nahtlose Mobilitätserfahrung zu schaffen, bei der Bürgerinnen und Bürger beispielsweise einfach zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wechseln können.

Wie funktionieren Mobilitätsdatenplattformen?

Die Funktionsweise von Mobilitätsdatenplattformen basiert auf einer Kombination moderner Technologien und klar strukturierter Prozesse. Diese lassen sich in drei Hauptbereiche unterteilen:

  1. Datensammlung: Die Sammlung von Daten ist der erste Schritt im Betrieb von Mobilitätsdatenplattformen. Datenquellen umfassen beispielsweise Fahrplandaten, Informationen zu Verkehrsaufkommen, Parkplätzen, Park & Ride und Sharing-Angeboten. Diese Daten werden in Echtzeit von Sensoren, Apps und Verkehrssystemen erfasst, um eine stets aktuelle Grundlage für Anwendungen zu schaffen. Hierbei spielt die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln eine entscheidende Rolle.
  2. Datenvereinheitlichung: Nach der Sammlung müssen die Daten in einheitliche Formate überführt werden. Unterschiedliche Strukturen und Formate, wie sie in Verkehrssystemen häufig auftreten, werden harmonisiert. Standardisierte Schnittstellen wie GTFS/GTFS-RT (General Transit Feed Specification) für Daten aus öffentlichen Verkehrsmitteln oder GBFS (General Bikeshare Feed Specification) erleichtern diesen Prozess. Open-Source-Technologien wie Kubernetes sorgen zudem für die notwendige Flexibilität und Skalierbarkeit, um große Datenmengen effizient zu verarbeiten.
  3. Datenbereitstellung: Im letzten Schritt werden die verarbeiteten Daten gebündelt bereitgestellt. Zum Beispiel können Verkehrsplaner, Mobilitätsanbieter und Bürger-Apps auf diese Informationen zugreifen, um innovative Services zu entwickeln. Die Bereitstellung erfolgt häufig über APIs (Application Programming Interfaces), die eine direkte Integration in bestehende Anwendungen ermöglichen. Damit wird sichergestellt, dass die Daten nicht nur gesammelt, sondern aktiv genutzt werden können, um den Alltag der Nutzenden zu erleichtern.

Nutzen für verschiedene Stakeholder

  • Bürgerinnen und Bürger: Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Nutzung von Mobilitätsdatenplattformen mehr Transparenz und bessere Planungsmöglichkeiten. Echtzeitinformationen ermöglichen es, Verspätungen oder Staus zu umgehen und alternative Verkehrsmittel effizient zu kombinieren. Multimodale Routenplanung macht die Mobilität nicht nur nachhaltiger, sondern auch komfortabler.
  • Kommunen: Kommunen profitieren von datenbasierten Entscheidungen, die die Verkehrssteuerung optimieren und die Infrastruktur gezielt verbessern. Die Nutzung zentral bereitgestellter Daten spart Zeit und Kosten in der Verwaltung und erleichtert die Planung nachhaltiger Verkehrsprojekte.
  • Mobilitätsanbieter: Anbieter können dank der Plattformen ihre Services nahtlos integrieren und erweitern. Standardisierte Schnittstellen reduzieren den technischen Aufwand und ermöglichen die Entwicklung innovativer Angebote. Zudem wird die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben erleichtert.
  • Forschung und Startups: Innovative Akteure wie Startups und Forschungsinstitute können die Plattformen als Basis für neue Entwicklungen nutzen. Sie bieten Zugriff auf umfangreiche Datenbestände und schaffen so die Grundlage für Experimente und die Entwicklung zukunftsweisender Lösungen.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Trotz der zahlreichen Vorteile stehen Mobilitätsdatenplattformen vor Herausforderungen. Der Datenschutz ist ein zentrales Thema, da hohe Sicherheitsstandards notwendig sind, um das Vertrauen der Nutzenden zu gewährleisten. Auch die technische Komplexität des Aufbaus und der Betrieb solcher Plattformen erfordert erhebliche Ressourcen und erfahrene Partner.

Die Zukunftsperspektiven solcher Plattformen sind vielversprechend. Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Big Data bieten enorme Potenziale, um Verkehrssysteme noch effizienter zu gestalten. Die internationale Vernetzung von Plattformen könnte grenzüberschreitende Mobilitätslösungen ermöglichen und so die Reiseerfahrung weiter verbessern.

Beispiel: Die Mobidrom Datenplattform

Die Datenplattform der NRW.Mobidrom GmbH ist ein Beispiel dafür, wie Mobilitätsdaten die Verkehrswende nachhaltig fördern können. Ihr Ziel ist es, Mobilitätsdaten in Nordrhein-Westfalen flächendeckend und für verschiedene Akteure bereitzustellen. Die Plattform nimmt Mobilitätsdaten entgegen, vereinheitlicht sie und stellt sie gebündelt bereit.

  • Technologische Basis: Die Mobidrom Datenplattform basiert auf einer cloudbasierten Architektur und setzt auf offene Standards, die eine einfache Integration bestehender und neuer Anwendungen ermöglichen. Die Plattform nutzt Open-Source-Technologien wie Kubernetes, um eine hohe Skalierbarkeit und Flexibilität zu gewährleisten.
  • Vielfältige Anwendungsbereiche: Mobilitätsanbieter in Nordrhein-Westfalen können durch die Nutzung der Mobidrom Datenplattform neue Services für ihre Kunden entwickeln und das eigene Angebot erweitern. Dazu werden statische und dynamische Daten verkehrsträgerübergreifend in der Datenplattform aufbereitet, gebündelt und diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt. Bürgerinnen und Bürger profitieren so von verbesserten Routenplanungen und Umsteigemöglichkeiten im gesamten Bundesland. Kommunen können die gebündelten Mobilitätsdaten nutzen, um den Verkehr gezielter zu steuern und ihre verkehrspolitischen Ziele effizienter zu erreichen. Konkret soll es beispielsweise einfacher werden, das Auto auf einem Park & Ride-Parkplatz stehen zu lassen, in die Bahn umzusteigen und die letzten Meter zum Ziel mit einem Leihfahrrad zurückzulegen – und das unter Berücksichtigung von Echtzeitdaten.

Disclaimer: Materna ist maßgeblich an der Entwicklung beteiligt und hat die Systemarchitektur sowie ein benutzerfreundliches Self-Service-Portal gestaltet, das es Nutzenden ermöglicht, auf die benötigten Daten zuzugreifen und diese für eigene Anwendungen zu verwenden.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die geplante Verknüpfung mit der Mobilithek, dem nationalen Zugangspunkt für Mobilitätsdaten. Diese Integration ermöglicht eine nahtlose Verbindung zwischen regionalen und nationalen Mobilitätslösungen, was eine noch bessere Reiseerfahrung fördert.

Fazit

Mobilitätsdatenplattformen sind der Schlüssel zur Mobilitätswende. Sie ermöglichen eine effizientere Nutzung vorhandener Ressourcen, fördern innovative Lösungen und tragen zu einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung bei. Projekte wie die Mobidrom Datenplattform in Nordrhein-Westfalen zeigen, wie Digitalisierung die Mobilität revolutionieren kann.

 

Autorin: Vanessa Dunker, Content-Managerin bei Materna
Experte: Jan Siepmann, Account Manager Transport bei Materna

The Materna Group realizes sustainable IT and digitization projects for customers from large corporations, medium-sized companies, and public authorities. In 2024, Materna generated a turnover of 710 million euros with around 4,500 employees worldwide. Know-how and expertise are bundled in four strategic areas: Artificial Intelligence, Human x Digital, Platform-based Transformation, and Business Resilience. With Artificial Intelligence, Materna enables automated processes, data-driven decision-making, and innovative business models. Human x Digital stands for technologies that empower people, enable intuitive interactions, and make work more efficient. Platforms form the core of digitization by connecting data, processes, and services for greater agility and scalability. With a comprehensive Resilient Cloud Strategy, Materna helps companies effectively tackle threats, ensure cybersecurity, and secure long-term stability as well as digital sovereignty.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

This website uses cookies to improve your experience. We'll assume you're ok with this, but you can opt-out if you wish. Accept Read More