Traditionelles Lernen reicht nicht – Echtzeitlernen fördert Transformationsprozesse

Wie kann mit Echtzeitlernen die Transformation voranbringen?

Traditionelle Lernansätze scheitern oft oder greifen zu kurz, gerade wenn es darum geht, Veränderungsprozesse schnell und nachhaltig zu aktivieren. Das zeigt sich im Spannungsfeld zwischen der Überforderung der Organisation und der Gefahr, die notwendigen Implementierungsschritte zu langsam oder gar überhaupt nicht zu gehen. Wenn das geschieht, kommt es bei den Menschen in den Unternehmen oft zu Verwirrung. Es kommt Frust auf und nicht selten endet alles im Widerstand. Viele Mitarbeitende haben dies so schon erlebt.

Die Unternehmen suchen nach Alternativen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Einige ringen förmlich darum, wie sie Wege finden können, um weiter und aktiver zu lernen, damit sie sich schneller anpassen und transformieren können.

In unserer vom Wandel bestimmten Welt ist das Zusammenarbeiten aller Disziplinen unerlässlich. Nur so können die individuellen und ökonomischen Ziele erreicht werden. Lernen im Businesskontext muss die Wünsche der einzelnen Menschen in der Organisation und die des Unternehmens zusammenbringen.

Neue Lernansätze sind gefragt

So sind heute im Kontext des individuellen und organisationalen Lernens neue Ansätze gefragt. Das besonders, weil lebenslanges Lernen zur Regel wurde. Es war vielleicht schon immer so, doch nun sprechen wir darüber und suchen dafür passende Lösungen. Die Forschung hat schon lange bewiesen: Alle Menschen haben die Fähigkeit, über die gesamte Lebensspanne hinweg zu lernen.

Für viele Menschen und Organisationen verändert das jedoch radikal die Denkrichtung. Nicht nur das einmal gelernte und nachgewiesene Wissen und Können, sondern die Fähigkeit, immer wieder Neues zu lernen, ist die zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Lebens- und Organisationsgestaltung.

Das widerspricht nicht dem hohen Wert des Erfahrungswissens. Die Unternehmen haben ebenso einen signifikanten Wettbewerbsvorteil, wenn sie das Wissen und die Erfahrung ihrer Mitarbeitenden sofort und somit instant in die Organisation bringen. Damit wird es möglich, das Nicht-Funktionierende zu «entlernen» und das Funktionierende flächendeckend in die Organisation zu bringen und gezielt dafür zu sorgen, dass es flächendeckend gelebt wird.

Personal- und Organisationsentwicklung wünschen sich in ihren Organisationen Lernprozesse mit nachhaltiger Wirkung. Um das zu erreichen, muss mehr geschehen, als die klassischen Lernprozesse und Strukturen zu bedienen.

Mit einer entsprechenden Strategie und einer Kultur, die Lernen und Arbeiten nicht mehr trennt und flächenübergreifend alle Disziplinen einbindet, ist dieses Ziel erreichbar.

Echtzeitlernen als innovative Alternative

In vielen Unternehmen stehen heute die Teams vor neuen komplexen Aufgaben in einem Umfeld mit hoher Dynamik. In einer Vielzahl neuer Problemstellungen fehlen die «best-practice-Erfahrungen» und es gibt keine Ergebnis- oder Prozesssicherheit. Ein Teil der Lösung für diese neue Aufgabenstellung ist die Möglichkeit der Selbstorganisation mit einem hohen Grad von Eigenverantwortung und neuen kollektiven Entscheidungsinstrumenten. Das macht Teams agil.

In agilen Teams verweben sich Aufgabenstellungen und die Problemlösungen auf der Basis des kontinuierlichen Lernens miteinander. Die Teammitglieder widmen sich aktiv beidem, den Aufgaben und dem Lernen in Echtzeit.

Wirkliche Transparenz und offene Kommunikation sind die besten Voraussetzungen, um Fortschritte und Hindernisse zu erkennen, für alle sichtbar und regelmässig besprechbar zu machen. Damit werden das kontinuierliche Überprüfen der Ergebnisse und Funktionalitäten und das Lernen daraus sehr schnell in Echtzeit möglich.

Für mehr Agilität wird dem informellen Lernen viel mehr Gewicht geschenkt. Das Lernen mit und von anderen wird selbstverständlich. Lernen wird als ein Teil der Arbeit angesehen, der zeitlich und örtlich unabhängig und bedarfsgerecht möglich ist.

Für das Konzept des Echtzeitlernens im Vergleich zum traditionellen Lernen gibt es heute noch keine einheitliche Definition.

Viele beschreiben es als die Art, wie Lerninhalte bereitgestellt werden. Doch Echtzeitlernen ist viel mehr als die lineare Übertragung des stationären Lernens in die virtuelle Welt. Es muss den dynamischen Anforderungen der Unternehmen gerecht werden. Das Lernen in den Organisationen ist ein Lernen in der Live-Umgebung in Echtzeit. Es geht darum, ganz direkt das Wissen, wie etwas gemacht wird, genau zum richtigen Zeitpunkt anzuwenden, indem man es ausführt und das neu gelernte somit gleich wieder in neues Fach- und Methodenwissen überführt.

Echtzeitlernen ist ein Paradigmenwechsel. Kein Lernen, um es anschliessend zu tun, sondern Lernen im Tun.

Echtzeitlernen ist die nächste Entwicklung im Unternehmenslernen. Durch Echtzeitlernen werden die Mitarbeitenden komplexere Aufgaben immer schneller und qualitativ hochwertiger erledigen können.

Die zwei Hauptmerkmale des Echtzeitlernens sind:

1. Zielgerichtetes und bedarfsgerechtes Lernen:

Die Wissensvermittlung geschieht, indem Lernende genau das Wissen erhalten, das für sie relevant ist und welches sie tatsächlich benötigen. Die Lernwelten sind offen zugänglich, damit immer dann, wenn der Bedarf entsteht, gelernt werden kann.

Wie das gelingen kann

Mobiles Lernen, das in kleinen und überschaubaren Lern-Hacks aufbereitet ist, lässt modernes, flexibles Lernen zu. Dabei ist «Mobile First», über das Smartphone, die Basis für zukünftiges Microlearning.

Oft wird das verknüpft mit spielerischen Elementen und Wettbewerben. Wenn die Menschen sich untereinander messen können und persönliche Erfolge und Teamerfolge gezeigt werden, spornt es die Lernenden an und steigert die Motivation. Auch ein Lern-Cockpit oder Dashboard, verbunden mit dem Überblick der Lernleistung und der nächsten Lernschritte, trägt zu der effizienten Gestaltung des Lernprozesses bei. Verschiedene in die Lernmedien eingebundene multimediale Elemente, wie Bilder, Grafiken, Animationen und Videos, vermitteln anschaulich komplexe Inhalte und sprechen die unterschiedlichen Sinne an. Damit werden die individuellen Lerntypen berücksichtigt.

Echtzeitlernen ist Lernen von innen heraus, ist ein Herausbilden von Wissen, das sich verknüpfen kann. Das Lernen kann einzeln oder in Gruppen stattfinden. Letztere starten oft selbstorganisiert mit der Interaktion in der virtuellen oder physischen Welt. Sie folgen dabei einer Struktur, die auf schon erprobte Modelle der Zusammenarbeit zurückgreift, oder einem Muster, das sich aus der Problemstellung selbst herausbildet. Die Lernenden finden im Prozess die für sie wichtigen und richtigen Antworten.

2. Nicht geplantes, emergentes Lernen:

Beim emergenten Lernen bilden sich spontan und ungeplant Lernergebnisse heraus, allein durch die Auseinandersetzung mit den Themen, Aufgaben und Handlungsfeldern.

Wie das gelingen kann

Emergentes Lernen ist gekennzeichnet von fortlaufender Erforschung eines bestimmten Aktionsbereichs. Es ist ein absichtliches, iteratives Lernexperiment.

Wenn wir von «Lernen aus Erfahrung» sprechen, meinen wir es rückwirkend. Wer sich auf emergentes Lernen einlässt, wählt damit einen evolutionären Ansatz, um «durch» Erfahrung und iterative Experimente in der realen Arbeit zu lernen. Das heisst, Menschen können so Neues und Leistungsfähiges lernen, während sie gleichzeitig wichtige geschäftliche Probleme lösen.

Teams können so recht aussergewöhnliche Lernpraktiken entwickeln, ohne sich überhaupt als «Lernende» zu fühlen. Emergentes Lernen macht oft den Anschein einer strategischen Planung oder Problemlösung. Es ähnelt weniger dem, was wir normalerweise als Lernen oder Trainieren betrachten. Die Teams organisieren sich selbst, um sich auf die Verbesserung ihrer Leistung zu konzentrieren.

Echtzeitlernen lädt die Menschen dazu ein, optimistischer und kreativer ihre Ressourcen zu nutzen. Es eröffnet die Chance, Veränderung und Transformation nicht als Verlust oder Gefahr, sondern als gute Lerngelegenheit für neue Handlungsformen zu sehen.

 

Zusammenfassung

Traditionelles Lernen reicht nicht – Echtzeitlernen fördert Transformationsprozesse

Lebenslanges Lernen wird zur Regel. Menschen und Organisationen müssen auch «Lernen» neu erlernen. Echtzeitlernen hebt die Trennung von Arbeit und Lernen auf. Das neue Lernen ist digital, selbstgesteuert, individuell angepasst, stets zugänglich und geprägt von einem voneinander und miteinander Lernen. Das ermöglicht, Verhalten zu reflektieren und komplexe Zusammenhänge zu verstehen, um damit dann auch Veränderungen angstfrei zu begegnen.

Weiterführende Links zum Thema:
https://www.haufe.de/personal/hr-management/die-hr-trends-fuer-2018_80_437388.html
https://resilienzforum.com/wp-content/uploads/2016/02/Artikel_Resilienz_Amann-und-Clasen_D.pdf
https://work-smart-initiative.ch/de/blog/smarter-und-flexibler-arbeiten-so-aendert-sich-das-lernen/

Lesen Sie auch, was spannende Vordenker in der Schweiz dazu meinen:
https://www.hwzdigital.ch/learning-in-the-digital-age-frage-der-haltung/
https://joel-krapf.com/2018/06/03/ein-experiment-zur-foerderung-der-lernkultur/

Autorin: Ulrike Clasen

Ulrike Clasen
Ulrike Clasen
Gründerin und Geschäftsführerin von Netzwerk Kadertraining. Das Unternehmen hat sich auf die Begleitung von Menschen in Veränderungsprozessen spezialisiert und stärkt Einzelpersonen in Karrierefragen und Organisationen in der Gestaltung gelingender Zusammenarbeit.
www.kadertraining.ch
Der Verband Wirtschaftsfrauen Schweiz ist eine einflussreiche Kraft auf dem Schweizer Wirtschafts- und Arbeitsmarkt mit Fokus auf Frauen und Gender Diversity. Als Kompetenz- und Netzwerkzentrum für Kaderfrauen, Unternehmerinnen und Organisationen greift er aktiv wirtschaftsorientierte Themen zu Beruf, Karriere, Weiterbildung, Umwelt und Ethik auf und engagiert sich für eine divers besetzte und nachhaltig erfolgreiche Schweizer Wirtschaft der Gegenwart und Zukunft.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.

MoreThanDigital Newsletter
Subscribe
Join the #bethechange community
close-image