Kritischer Blick auf neue Technologien

Neue Technologien sind ein wesentlicher Treiber der Digitalisierung.

Sie machen die digitale Vernetzung zwischen Menschen und Maschinen überhaupt erst möglich. Neue Technologien verändern unsere Welt. Entsprechend wichtig ist es für Unternehmen, die innovativen Trends kontinuierlich zu beobachten, um Möglichkeiten etwa zur Effizienzsteigerung und Optimierungspotenzial frühzeitig zu erkennen und einzusetzen. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Heute werfen wir deshalb einen kritischen Blick auf einige neuen Technologien.

Big Data – Das neue Geld des 21. Jahrhunderts

Eine professionelle Datenerhebung und -auswertung ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Digitale Transformation in allen Unternehmen. Wir alle produzieren Daten im „Lichtgeschwindigkeitstempo“. Deshalb nehmen Daten auch eine zentrale Rolle in zahlreichen Unternehmen etwa bei der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen ein. Sie sind die Grundlage für eine Vielzahl moderner digitaler Produkte und Dienstleistungen, die die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen sichern sollen. Auf der anderen Seite der Waagschale liegt die Frage des Umgangs mit diesen Daten. Wie werden diese erhoben, ausgewertet und nicht zuletzt weiterverwertet? Die EU wollte im Jahr 2018 Licht in diese Grauzone bringen. Die allseits beliebte Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) soll nun den Schutz der personenbezogenen Daten innerhalb der Europäischen Union sicherstellen. Es gibt jedoch auch über zwei Jahre nach der Einführung noch viele KritikpunkteEins steht fest:

Viele Services, die Kundinnen und Kunden angeblich kostenlos nutzen, bezahlen sie jedoch mit ihren Daten.

Beispiele gibt es genug. Facebook etwa mit einem kostenlosen und sehr einfachen Anlegen von Profilen. Die hinterlegten Daten werden, beispielsweise für die zielgruppengenaue Aussteuerung von Werbung innerhalb von Facebook (und auch außerhalb s. Cambridge Analytica Fall) genutzt. Auf diese Weise generiert übrigens Facebook seinen milliardenschweren Gewinn. Die Kundinnen und Kunden bekommen als Gegenleistung immerhin einen kostenlosen Messenger…

Ein zweiter Kritikpunkt ist die sichere Verwahrung der Daten. Selbst bei Digitalexperten herrscht große Unsicherheit vor, was denn heute noch erlaubt ist und was nicht. Wie die Sammlung und Handhabung der Daten rechtssicher vonstatten gehen sollte. 

Die Hacker-Attacke auf Twitter hat gezeigt, es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Informationen zu unseren Accounts 100 % sicher gespeichert werden. Mit diesem unguten Gefühl müssen wir uns wohl im 21. Jahrhundert abfinden. Früher waren wir selbst für die Sicherheit unserer Portemonnaies verantwortlich. Heute haben wir in vielen Fällen diese Verantwortung an Unternehmen übertragen, die unsere Daten sammeln und verwerten. Ein professioneller und verantwortungsvoller Umgang mit diesen Daten ist bei der rasanten Entwicklung von neuen Technologien unabdingbar.

Maschinelles Lernen und KI-Algorithmen auf dem Vormarsch

Ein weiterer wichtiger Schlüsselfaktor der Digitalen Transformation ist die Künstliche Intelligenz. Das maschinelle Lernen und die künstliche Intelligenz beeinflussen maßgeblich die Datensammlung und -analyse. Die großen gesammelten Datenmengen können nicht nur mit Hilfe von KI analysiert und ausgewertet werden, sondern sie helfen auch, gewisse Muster zu erkennen und wichtige Erkenntnisse zu gewinnen. Plattformen wie Amazon, Google oder Alibaba konzentrieren sich auf diese Technologien, da sie bereits über enorme Datenmengen verfügen und somit schneller ihre KI-Systeme trainieren und verbessern können. So können sie sich noch besser vom Wettbewerb abheben zu können. Künstliche Intelligenz wird seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt, aber erst jetzt, mehr als ein halbes Jahrhundert später, wird allen allmählich klar, was diese Technologie in der Zukunft auslösen kann. Bisher gehörte Kritik daran eher in die dystopische Science-Fiction-Literatur. Doch mögliche Missbrauchsszenarien werden immer konkreter, etwa mit der Entwicklung der Bilderkennung und -generierung durch KI. Bereits heute ist es möglich, Gesichter mit glaubhafter Mimik in Videos auf fremde Körper zu übertragen. Allein dieses Können eröffnet eine Vielzahl von Missbrauchsmöglichkeiten. Etwa um Fake-News zu verbreiten, um an politischer Sicherheit und Stabilität in der Welt zu rütteln – und damit meinen wir nicht Fake-News im Sinne von Donald Trump.

Wir stellen fest: nicht die Technologie an sich ist disruptiv, sondern die Möglichkeiten des Missbrauchs sind enorm. Vom Hacking KI-getriebener Systeme, wie Fahrzeugen oder autonomen Waffen, bis hin zum Wettrüsten in Fragen der Cyber-Sicherheit – vieles ist denkbar und wohl auch schon möglich. Die Dimensionen sind noch ungeahnt und tatsächlich nur durch unsere Vorstellungskraft begrenzt.

Das Potenzial der Blockchain-Technologie

Blockchain-Technologie (Blockchain und Smart Contracts erklärt) und Bitcoin-Kryptowährung werden oft gleichgesetzt. Die Grundtechnologie stellt ein dezentrales und verteiltes Register dar, welches Geschäftstransaktionen in Blöcken speichert. Diese Blöcke werden in einer Kette angeordnet und im Netzwerk verteilt, so bildet sich eine Blockhain. In der Geschäftswelt kann der Mehrwert der Nachvollziehbarkeit bei vielen Unternehmen Anwendung finden. So kann etwa die Schmuckindustrie davon profitieren, wenn von der Diamant-Mine bis zum Verkauf an den Endkunden alle Herstellungsschritte in der Blockchain gespeichert werden. Das schafft mehr Vertrauen und Transparenz bei Lieferketten jeglicher Art. Die Technologie verschlingt dabei leider gigantische Daten- und Energieressourcen und lässt sich mit ergänzenden Technologien, wie der künstlichen Intelligenz, noch nicht verknüpfen. Daher fehlt dieser Technologie noch ein sinnvoller und konkreter Einsatz bei gängigen und zukünftigen Geschäftsmodellen – noch.

Das Internet of Everything (IoE) ist im Alltag angekommen

Steckt die Blockchain-Technologie noch in Kinderschuhen, schreitet die Vernetzung zwischen Maschinen und Menschen im Alltag mit riesigen Schritten voran. Im Jahr 2019 wurden die Frequenzen der fünften Mobilfunkgeneration (5G) in Deutschland versteigert. Eine Verbesserung hat sich allerdings bisher im Mobilfunkalltag noch nicht bemerkbar gemacht. Noch bevor die Funkmasten mit der neuen Technik ausgerüstet werden können, müssen Provider wie die Deutsche Telekom Unsummen für die Nutzungsrechte der 5G-Frequenzen ausgeben. Das Geld, das für die Nutzungsrechte ausgegeben wurde, fehlt dann natürlich für einen schnellstmöglichen Netzausbau. Außerdem herrscht in Deutschland eine gewisse Unsicherheit in Sachen technischer Ausrüstung für 5G aus China. Dem Ausrüster Huawei wird ein enger Kontakt zur chinesischen Regierung und ein Cyber-Sicherheitsrisiko von den USA unterstellt. Andrerseits gibt es nach wie vor nicht keinen klaren Ausschluss von Huawei seitens der Bundesregierung. Es bleibt festzustellen, auch wenn die technischen Möglichkeiten voll einsatzfähig sind, kann es an andere Stelle – Finanzen, Politik, Konkurrenzkampf etc. – ausgebremst werden. Aber bereits jetzt ist es vorhersehbar: Wenn das Netz der Zukunft steht, wird es als ein Katalysator für das Internet of Everything wirken. Die erhöhte Netzflexibilität mit Integration von KI wird die Kommunikation zwischen Mensch und Maschinen qualitativ und quantitativ auf ein völlig neues Level katapultieren. Die Vorteile enormer Erleichterungen im Alltag liegen auf der Hand. Auf den zweiten Blick ermöglicht die Verknüpfung der Daten aus unterschiedlichsten Geräten, die im Alltag genutzt werden, etwa Smart-Watches, Smart-Phone, Smart-TV, Sprachassistenten etc., das Erstellen von sehr detaillierten Profilen von Menschen. Aus Sicht des Verbrauchers ist die Datenverarbeitung allerdings sehr intransparent, auch wenn die Unternehmen bemüht sind, ihre Datenschutzerklärungen aktuell zu halten.

Hand aufs Herz
Wer macht sich die Mühe diese seitenlangen Dokumente sorgfältig zu lesen?

In der Zukunft müssen sich Unternehmen auch viel intensiver mit der Thematik des Sicherheitsrisikos für Endverbraucherinnen und -verbraucher auseinandersetzen. Gefahren gibt es einige:

  • Hardware: die Interaktion der Geräte erfolgt mit Hilfe von Sensoren. Diese Sensoren können gestört werden, es kommt zu Fehlfunktionen.
  • Netzwerk: Beim Informationsaustausch besteht ein Risiko der Manipulation von außen, so dass die Geräte ungewollte Aktionen ausführen können. 
  • Back-End und Cloud: Einsatz von veralteter Software birgt ein hohes Risiko für einen Missbrauch. Regelmäßige und zeitnahe Sicherheitsupdates sind ein Muss.

Zusammenfassung

Nur scheinbaren langsam ziehen neue Technologien in unseren Alltag ein – vordringlich um uns das Leben zu erleichtern. Dabei werden Daten erhoben, vorgehalten, untereinander geteilt und analysiert. Das Bewusstsein für Datenschutz und einen transparenten Umgang mit Daten muss weiter steigen. Es muss im Fokus sowohl bei Unternehmen als auch den Endverbrauchern stehen, um mit den einhergehenden Herausforderungen souverän umgehen zu können. Nur so können wir die Vor- und Nachteile bewusst abwägen und eine sichere Zukunft mit neuen Technologien gestalten. Es bleibt spannend.  

Inga Schmidt has specialized in the topic of the Internet since 2005 and has built up extensive knowledge in this area during her professional career at various companies, such as online marketing agencies and management consultancy for digital transformation. She focuses on consulting and operational implementation of online marketing for companies of various sizes and areas of activity.

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