New Work ist nicht Old Work im Home-Office

Experimente für New Work und wie wichtig der Mindset ist

Nun sind es einige Wochen hin seit Beginn des Lockdowns. Wir haben uns an Home Office, Tele Conference & Co. gewöhnt. Doch mit «New Work / Neue Arbeit» hat das in den meisten Fällen nicht viel zu tun. Ich ermutige deshalb Unternehmen für kleine Experimente, damit sich ein neues Mindset etablieren kann.

Die Mehrheit betreibt «Alte Arbeit» im remote-Modus

Noch Anfang der Lockdown Phase dachte ich, dass sich Manager und Mitarbeitende nun endlich auf den Inhalt ihrer Arbeit konzentrieren könnten, da sie nicht mehr in wenig zielführenden Meetings ihre Zeit totschlagen und endlose Koordinations-Emails bearbeiten müssten. Weiss man doch, dass bis zu 85% der Arbeitszeit ausschliesslich auf interne Abstimmung drauf gehen kann, ohne dass ein Mehrwert für den Kunden geschaffen wurde.

Doch falsch gedacht. In vielen Fällen wurden die Meetings einfach durch Calls ersetzt. Oft bekomme ich zu hören, dass man täglich sechs Stunden oder mehr in Calls rumhängt. Es scheint, dass viele Manager gegen ihre eigene Hinfälligkeit ankämpfen und deshalb einen Call nach dem anderen aufsetzen und damit ihre Mitarbeitenden vom inhaltlichen Arbeiten abhalten.

Mit «New Work» hat dies nichts zu tun. Mindestens so wie ich Neue Arbeit verstehe. In den allermeisten Fällen wird einfach der Modus der alten Arbeit – der Modus des Delegierens, Koordinierens, Kontrollierens – auf remote und digital transferiert. Dem remote working fehlt oft das Mindset der neuen Arbeit: Namentlich, dass Mitarbeitende mündige Wesen sind, die arbeiten wollen und fähig sind, sich selbst zu organisieren. Die Rolle der Führungskräfte mit wirklichem Leadership ist es, ob remote oder nicht, die Mitarbeitenden zu befähigen, die Dinge selbst zu tun, sprich ihr Self-Leadership zu stärken.

Einige haben es verstanden

Erfreulicherweise gibt es auch viele positive Beispiele. Unternehmen, die es sich schon vor der Ausnahmesituation zum Ziel gesetzt haben, für die Voraussetzungen zu sorgen, dass ihre Mitarbeitenden zufrieden und effektiv arbeiten können. Viele von diesen Unternehmen merken gerade in der jetzigen Zeit, wie gross der Wert, auch der monetäre, von Vertrauen und Ermöglichen ist. Dann braucht es nur noch die wichtigsten Abstimmungen und die Mitarbeitenden erledigen die Aufgaben oft in der Hälfte der Zeit, die sie sonst brauchen würden. Die gewonnene Zeit kann für kleine Innovationen oder einfach für die Familie und die persönliche Gesundheit eingesetzt werden. Unter dem Strich sind alle zufrieden.

Versucht es mit kleinen Experimenten

Wie kann nun ein Unternehmen, das sich im Beschäftigungstherapie-Modus per Calls befindet, Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen «New Work» Unternehmen werden?

Carpe Diem! Nutze den Tag und die Gunst der Stunde. Ich rate jedem Team und Unternehmen, einfach mit kleinen Experimenten zu beginnen, die neue Erfahrungen und Lernen ermöglichen, ohne dass man gleich den Betrieb und die Gewohnheiten auf den Kopf stellen muss. Das kann beispielsweise der Codex sein, während einer Woche nur die Hälfte und die absolut notwendigen Team-Calls zu führen. Oder «stille Arbeit» für alle während drei Stunden, in denen niemand unterbrochen wird. Seid kreativ oder fragt einfach eure Mitarbeiter, welche Ideen sie haben. Und wichtig: macht euer gemeinsames Lernen sichtbar. Das motiviert euch, dranzubleiben.

In diesem Sinne wünsche ich euch spannende Experimente. Möge unsere Lockdown Zeit nicht nur erträglich, sondern auch erfreulich werden.

Dino Beerli ist Experte für Innovation und neue Arbeit. Mit seiner Firma Superloop Innovation begleitet er Unternehmen und Non-Profit-Organisationen bei der Entwicklung von Innovation und agiler Zusammenarbeit. Dinos Motto lautet: «Wir leben nur einmal. Lass uns diese Zeit sinnvoll und kreativ nutzen.» Deshalb lanciert er mit Superloop auch eigene Projekte im Bereich Bildung, soziale Innovation und kreative Jobgestaltung, die einen Mehrwert für Mensch und Gesellschaft leisten sollen. In seinem Workshop «Design Your Life» beispielsweise lernt man, mit Design Thinking seinen Traumjob zu (er)finden. Dino Beerli studierte an der Universität Lausanne Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, an der Universität Zürich angewandte Psychologie und verfügt über eine endlose Liste an Weiterbildungen in den Bereichen Innovation, Projektmanagement und Organisationsentwicklung. Ausserdem ist er aktiver Bergsteiger und Outdoor-Sportler. Links: www.superloop.ch | www.geilzeitarbeit.ch

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