Mein effektiver Führungsstil in Krisenzeiten

Worauf muss ich mich als Führungskraft in einer Unternehmenskrise einstellen?

In einer Unternehmenskrise muss ich meinen Führungsstil verändern, um nachhaltig negative Auswirkungen auf mich und mein Team zu vermeiden. Im ersten Schritt ist es notwendig den eigenen, bisherigen Führungsstil zu verstehen und ihn dann an die psychischen und sozialen Herausforderungen meines Teams anzupassen.

Steigende Rohstoffkosten, hybride Arbeitswelten, fehlende Fachkräfte und viel mehr sind aktuell für viele Unternehmen eine Herausforderung. Nicht für alle Unternehmen ist die Herausforderung gleich groß, aber manche Unternehmen sind deswegen stark geschwächt oder geraten unter finanziellen Druck. Dann ist das Management gefordert, etwas zu unternehmen. Oft werden die notwendigen Maßnahmen von meisten Führungskräfte und Mitarbeiter:innen eines Unternehmens negativ wahrgenommen – es fühlen sich alle Beteiligten gleichermaßen in einer Krise!

Wie definieren wir eine Krise?

Grundsätzlich müssen wir eine Unternehmenskrise als einen zeitlich begrenzten Zeitraum verstehen, der vorwiegend zur Behebung einer Krise dient, aber auch zu einer Insolvenz führen kann. Damit fällt die Insolvenz selbst sowie eine nicht mehr beherrschbare Krise (also die herannahende Insolvenz) nicht mehr in den Zeitraum einer Unternehmenskrise. Das ist wichtig zu verstehen, da das Management und dessen interne sowie externe Kommunikation im Falle einer (potenziellen) Insolvenz klaren rechtlichen Rahmenbedingungen unterliegen, die in diesem Artikel nicht behandelt werden.
Krisenzeiten sind also übergangsmäßige Erscheinungen, auch wenn sie mehrere Monate oder sogar Jahre andauern können. In solchen Zeiten hat nicht nur das Unternehmens-Management geeignete Maßnahmen zu setzten, sondern es sind auch alle Führungskräfte im Rahmen ihres Einfluß- und Fachbereiches gefordert. Die fachlichen Maßnahmen werden natürlich von Krisenart zu Krisenart und von Unternehmenstyp zu Unternehmenstyp unterschiedlich ausfallen. In der Mitarbeiter:innenführung gilt es aber Grundsätzliches zu beachten, um die Mannschaft unversehrt, effektiv und motiviert durch die Zeiten einer Unternehmenskrise zu bringen.

Weshalb muss ich meinen Führungsstil verändern?

In Krisenzeiten tritt üblicherweise eine organisatorische Lähmung auf. Das Tagesgeschäft wird, so weit dies möglich ist, weiter fortgesetzt wie bisher. Wenn auch mit beobachtbar weniger Drive und geringerer Selbstsicherheit auf allen Ebenen. Die Meisten versuchen eben nur keine Fehler zu machen, nicht aufzufallen und sich einigermaßen in ihre Komfortzone zurückzuziehen. Behalte ich als Führungskraft nun auch noch meinen, mir langjährig eingeübten und für mein Team gewohnten Führungsstil bei, bestätige oder verstärke ich sogar das passive Verhalten meiner Mitarbeiter:innen.
Aber gerade in Krisenzeiten, wo es neuartige Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen gibt, ist das ein gänzlich falsches Signal. Ich muss inhaltlich und auch durch mein persönliches Verhalten als Führungskraft meinem Team aufzuzeigen, dass jetzt besondere Zeiten und Aufgaben anstehen, die oft außerhalb unserer Komfortzone liegen. Ein organisatorisch verankertes „More-of-the-Same“ wird weder das Unternehmen aus der Krise führen noch meinem Ruf als tatkräftige Führungskraft unterstützen.
Das gilt auch dann, wenn meine Abteilung, mein Team oder mein Projekt nicht direkt mit den Ursachen der Unternehmenskrise im Zusammenhang stehen. Leite ich beispielsweise den technischen Kundendienst oder ein Qualitätsprojekt, so wird mein Team nicht unmittelbar von steigenden Rohstoffpreisen betroffen sein. Ganz sicher wird aber früher oder später eine allgemeine Unsicherheit um sich greifen und so manche „Begleitmaßnahme“, wie eine allgemeine Kosteneinsparung oder ein Rekrutierungsstopp auch mein Team betreffen.
Dann heisst es den eigenen Führungsstil anzupassen, um nachhaltig negative Auswirkungen auf mich und mein Team zu vermeiden. Und je mehr näher mein Team an der unmittelbaren Quelle für eine Unternehmenskrise ist, wie beispielsweise die Einkaufsabteilung bei steigenden Rohstoffpreisen, desto rascher und klarer muss ich mein Führungsverhalten auf die Krise anpassen.

Worauf richte ich meinen Führungsfokus in Krisenzeiten?

In den letzten Jahren haben sich eine Reihe unterschiedlicher Führungsstile durchgesetzt. Nach dem durchgängig hierarchischen oder sogar patriarchischen Führungsverständnis aus der Zeit der Industrialisierung, haben sich mehrere, meist menschenzentrierte Führungslehren entwickelt. Welcher dieser Führungsstile unter Normalbetrieb zum Einsatz kommt, richtet sich einerseits nach der Persönlichkeit und der eigenen Arbeitserfahrung der Führungskraft, als auch nach den Sachzwängen der jeweiligen Aufgabe einer Abteilung, eines Teams oder Projektes. Kreative Aufgaben erfordern einen anderen Führungsstil wie beispielsweise qualitätssichernde Tätigkeiten.
Im ersten Schritt ist es daher wichtig, den eigenen, bisherigen Führungsstil verstehen und einordnen zu können. Führe ich üblicherweise eher demokratisch oder „laissez-faire“, sinn- oder  gruppenorientiert. Das hilft mir einmal besser zu verstehen, wie mich meine Mitarbeiter:innen normalerweise kennen und einschätzen. Dann erst kann ich bewusst entscheiden, welchen Teil meines bisherigen Führungsverhaltens ich nun in der Krise anpassen oder verändern muss, und welche Teile ich beibehalten kann.
Denn genau so, wie unterschiedliche Aufgaben und Tätigkeiten unterschiedliche Führungsstile benötigen, müssen Führungskräfte ihr Verhalten auch den jeweiligen Krisensituationen anpassen, um den psychologischen und sozialen Herausforderungen einer Krise gewachsen zu sein. Dabei können wir uns aber grundsätzlich auf zwei typische Verhaltensmuster, die in der Regel durch Unternehmenskrisen hervorgerufen werden, konzentrieren:

1. Unsicherheit wird in Zeiten einer Krise zu einem zentralen und beständigen Verhaltensmotiv

Die Quellen der Unsicherheit liegen dabei in einem breiten Spektrum und können von der Angst vor einem Jobverlust oder der Überforderung durch komplexe Aufgabenstellungen bis hin zum Verlust eingelebter und lieb gewonnener Abläufe und Teamkolleg:innen reichen. Völlig unabhängig von der Ursache aber führen Unsicherheiten entweder zu einem verstärkt zurückhaltenden, defensiven Verhaltensmuster (die „innere Kündigung“) oder bei manchen Menschen auch zu einem fordernden und aggressiven Verhalten, welches nicht selten in einer realen Kündigung mündet. Unsicherheiten versperren uns und unseren Mitarbeiter:innen den Zugang zu unserem rationalen Verhalten, welches wir aber zum Meistern von Krisen so dringend benötigen. Als Führungskraft müssen Sie sich in Krisenzeiten daher einen individualistischen und persönlichkeits-zentrierte Führungsstil aneignen, um sich auf die emotionale Situation jeder einzelnen Person im Team einzustellen. So werden Sie individuelle Unsicherheiten früh zu erkennen, ansprechen und bestmöglich ausräumen können.

2. Der Rückzug auf die eigene Fachkompetenz ist sicheres Terrain

Experimentelles Vorgehen, wo neue Fähigkeiten erprobt und neue Erkenntnisse gewonnen werden, hat in Krisenzeiten keine Hochsaison. Ein Team wird in Krisen eher gut Eingelerntes anwenden als neue Risiken eingehen. Die Fachbereiche ziehen sich auf ihr sicheres Terrain zurück. Genau dann, wenn wir neue Perspektiven, mutige Sichtweisen und frische Ideen benötigen, um die Ursachen und Auswirkungen einer Unternehmenskrise zu beheben. Hier können Sie als Führungskraft nicht einfach weiterführen wie bisher, sondern müssen eine – mutmaßlich veraltete – direktive und dominantere Führungsrolle einnehmen. Mit fundierten Sachargumenten und in kleinen Schritten bringen Sie Ihr Team dazu, „sichere Alltagserledigungen“ hinten anzustellen und neue, unsichere Aufgaben zur Behebung der Krise aufzunehmen. Selbst wenn Sie und Ihr Team nur mittelbar von der Unternehmenskrise betroffen sind, wirkt sich Ihr neues, selbstbewusstes Vorgehen in solchen Situation ermutigend auf Ihr Team aus.

Fazit zum Führungsstil in Krisenzeiten

Sobald Sie Ihren bisher „üblichen“ Führungsstil erkennen und decodieren können, sind Sie in der Lage diesen auch in Krisenzeiten anzupassen. Lesen Sie dazu auch die zahlreiche Ausführung zu den einzelnen Führungsstilen in Internet oder auch bei Wikipedia. Mit dem Verständnis, dass es nicht den einen und richtigen Führungsstil „für alle Fälle“ gibt, werde Sie als Führungskraft in Krisenzeiten bewusst darauf achten, welches Führungsverhalten Ihr Team am besten so unversehrt, effektiv und motiviert wie möglich durch die Krise bringt. Durch ein aktives Nachspüren nach den individuellen Unsicherheiten im Team bei gleichzeitiger klarer und stringenter Motivation neue Aufgabenstellungen anzugehen, können Sie in krisenbedingten Zeiten schon sehr gut punkten.
Karl Hitschmann ist Autor und Leadership-Experte und teilt neues Wissen, persönlichen Erfahrungen und Empfehlungen zur Stärkung der eigenen FührungsKRAFT in Artikeln, Beiträgen und Newslettern, sowie in seinem aktuellen Buch über „Die sozioökonomische Transformation“. Als systemischer Geschäfts- und Organisationsentwickler begründete er mit BUSINESS DESIGN im Jahr 2008 eine Agentur, die für namhaften Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen neue Produkte und Services, schlagkräftige Geschäftsmodelle und leistungsfähige Organisationen entwickelt.

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