Grundlagen der digitalen Produktentwicklung

Wie kann man digitale Produkte, z.B. Apps, richtig entwickeln und was muss man beachten?

Laut einer aktuellen Bitkom Studie erlebt die App-Branche 2020 einen erneuten Boom. In den beiden größten App-Stores werden die Downloadzahlen den Vorjahresrekord um jeweils mehr als 20 Prozent übertreffen: Beim Google Play Store sind es mit 2,75 Milliarden Downloads 28 Prozent mehr als im Vorjahr; der App Store von Apple verzeichnet mit 1,99 Milliarden Euro Umsatz ein Plus von 24 Prozent gegenüber 2019.

Dabei entfallen 72 Prozent der Downloads auf den Google Play Store mit 3,4 Millionen Apps und 28 Prozent auf den Apple App Store mit 1,8 Millionen Apps – und zwar für alle Themen- und Lebensbereiche.

Die Entwicklung digitaler Produkte, bspw. von Apps, lohnt sich also mehr denn je. Nicht nur Startups, auch viele gestandene Unternehmen haben das inzwischen erkannt und ganze Innovationsabteilungen und Digital Teams aufgebaut. Das heißt, der Konkurrenzdruck ist enorm stark.

Um mit den Wettbewerbern mitzuhalten, sollten Sie genau wissen, wie man ein digitales Produkt erfolgreich aufbaut. Denn eine einzigartige Produktidee reicht leider nicht aus, um auf dem digitalen Markt erfolgreich zu sein. Es braucht neben dem richtigen Mindset auch eine Menge “Handwerkszeug” bzw. die passende Methoden, um die Vision zielführend und zufriedenstellend – vor allem für den Kunden – umzusetzen.

Was bei den über 200 Digitalisierungsprojekten unserer Firmengeschichte immer wieder deutlich wird, sind die folgenden 3 Dinge, die Sie vor während und auch nach der Entwicklung kontinuierlich beachten sollten, um langfristig Erfolg mit Ihrer App zu haben und sich neben all den anderen im App Store zu behaupten.

  1. Es muss ein Bedarf bestehen.
  2. Es muss konsequent digital ausgerichtet sein.
  3. Es muss sich rechnen.

Daraus ergeben sich drei Handlungsmaximen, die Sie beachten sollten:

1. Prüfen Sie den Bedarf – kontinuierlich!

Das klingt nüchterner als es ist. Das was Sie letztlich entwickeln, das Endprodukt, Ihre App, muss den Nutzer so sehr begeistern, dass dieser sich aus dem Pool an Apps genau Ihre heraussucht. Das funktioniert natürlich am besten, wenn Ihre App eine bislang noch gar nicht existierende Lösung für ein bestehendes Problem bietet oder bestehende Anwendungen zumindest übertrifft.

Für das erste Szenario müssen Sie herausfinden, welche Probleme bislang ungelöst sind, oder wenn Sie schon die Idee für eine Lösung haben, prüfen, ob diese wirklich gefragt ist. Das Ziel der Produktentwicklung sollte immer die Innovation, etwas neues und bahnbrechendes, sein.

Hat bereits ein anderer versucht, das Problem zu lösen? Gibt es bereits Konkurrenzprodukte? Das ist nicht schlimm, sondern meist sogar von Vorteil, denn so können Sie von den bisherigen Anwendungen lernen und mal ehrlich: Kritisieren und besser machen, ist einfacher, als etwas auf der grünen Wiese zu entwerfen. Solange Sie eine neue oder verbesserte Lösung entwickeln, handelt es sich um ein innovatives Produkt.

Es gibt zahlreiche Methoden, um den Bedarf und bestehende Lösungen zu analysieren und mit Ihrer Idee abzugleichen. Wir möchten an dieser Stelle auf die Product Discovery hinweisen, da sie im Vergleich zu vielen anderen Methoden nicht nur vor dem Start der Entwicklung den Bedarf und und Ihre Produktidee unter die Lupe nimmt, sondern auch während der Entwicklung kontinuierlich Bedarf und aktuellen Entwicklungsstand abgleicht. So verlieren Sie Ihr Ziel, dass sich aufgrund der sich rasant ändernden Kundenwünsche und Marktbegebenheiten ebenfalls schneller ändern kann, als ihnen lieb ist, nicht aus den Augen.

Am wichtigsten ist jedoch auch bei der Produkt Discovery Methode die Analyse VOR dem Entwicklungsstart. Indem Sie noch vor allen anderen Schritten überprüfen, ob ein Bedarf besteht und wie dieser aussieht, also WAS genau der Nutzer wünscht, erfahren Sie OB es sich überhaupt lohnt, Ihre Idee weiter zu verfolgen. Product Discovery ermöglicht damit eine schnelle, risikoarme und ressourcenbewusste Entwicklung digitaler Produkte. Sie schöpfen damit außerdem das volle Potenzial eines digitalen Produktes aus und entwickeln ein wirklich nutzenstiftendes Produkt. Mit anderen Worten: Product Discovery verhindert, dass Sie ein Produkt entwickeln, das am Ende womöglich niemand will.

2. Denken Sie Ihr Produkt digital – konsequent!

Sie konnten ermitteln ob und welcher Bedarf konkret besteht? Dann geht es nun an die genaue Konzeption und Erstellung Ihrer Produktvision.

Auch wenn es eigentlich ganz logisch erscheint, möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen: Wenn das Produkt oder die Dienstleistung digital sind, sollten auch alle Maßnahmen, die zum Erfolg beitragen, die digitale Sprache sprechen. Das beginnt bereits bei der Strategieentwicklung bzw. der Ausgestaltung Ihres digitalen Geschäftsmodells: Um zu überprüfen, ob sich Ihre digitale Geschäftsidee wirklich rechnet, helfen zahlreiche Tools – digitale Tools. Denn was digital funktionieren soll, muss mit all seinen Eigenschaften digital betrachtet werden. Sowohl die Marktpositionierung, die Kostenstruktur als auch die Einnahmequellen sollten auf digitaler Ebene geprüft werden.

Das schöne: Hilfsmittel für diese Analysen gibt es zahlreiche, und sie liefern weitaus greifbarere Daten, als bei einem Geschäftsmodell für die analoge – weniger Daten- und zahlenbasierte – Welt.

Ein hilfreiches Tool ist hier zum Beispiel der Google Keyword Planner, mit dem die Suchanfragen für einen Suchbegriff pro Monat angezeigt werden können. Die Ergebnisse sind ein guter Anhaltspunkt dafür, ob die Nachfrage entsprechend hoch ist. Auch über die Konkurrenz und Ersatzprodukte lassen sich mit digitalen Mitteln viel Information gewinnen. Mit Tools wie Similar Web untersuchen Sie die Website des Konkurrenten und finden unter anderem heraus, wie gut dessen Webseites besucht ist und über welche Kanäle seine Besucher kommen.

Steht die Marktpositionierung, geht es an die wirtschaftlichen Überlegungen, allem voran die Frage nach der Kostenstruktur und den Einnahmequellen. Um mit der digitalen Anwendung erfolgreich zu sein, empfiehlt es sich auch hierbei in der digitalen Welt zu bleiben. Denn: Was digital konsumiert wird, wird auch digital bezahlt. Wie sich Ihr digitales Produkt rechnet, hängt letztlich vom Produkt und dem Nutzerprofil ab. Ist das Produkt sehr exklusiv und die Nutzerzahl gering, sollten Sie je Nutzer einen gewissen Betrag einnehmen bzw. ist die Anwendung hochwertig und -preisig, wird es vermutlich nicht von vielen Anwendern genutzt, wie eine Social Media Plattform für jedermann. Der exklusive Nutzerkreis ist jedoch vermutlich genau deshalb bereit, etwas mehr für Ihr digitales Produkt zu zahlen.

Je nach Fall gilt es also herauszufinden, wie viele Nutzer wie viel bereit sind zu zahlen. Anders gesagt: Was müssen Sie tun, damit sich Ihr digitales Angebot auch wirklich rechnet? Möglichkeiten digital Gewinn zu erwirtschaften gibt es zahlreiche.

3. Sorgen Sie dafür, dass es sich rechnet – konsistent!

So innovativ und begeisternd Ihre App Idee ist. Selbstverständlich entwickeln Sie diese nicht aus reinem Idealismus. Es muss sich rechnen. Im besten Fall ebenso digital und damit skalierbar wie die Anwendung selbst.

Auch der Gewinn, den Sie mit Ihrem digitalen Geschäftsmodell erzielen möchten, sollte demnach auf digitaler Ebene erwirtschaftet werden. Das kann von E-Commerce Lösungen bis zu Leistungen und Produkten reichen, die ohne die Digitalisierung gar nicht existieren könnten. Beispiele hierfür sind Dropbox oder Facebook. Hier ist auch das Produkt selbst digital.

Sie sehen, die Art der Gewinnerzielung hängt selbstverständlich von der Art des Anwendung ab und wie sich Bezahlmodelle darin einbinden lassen. Hier ist das Produkt selbst digital. Nachfolgend einige Beispiele, die zeigen, wie vielseitig die Möglichkeiten sind.

Anzeigen

Anzeigen stellen wahrscheinlich die konservativste Art und Weise dar, innerhalb eines digitalen Geschäftsmodells Gewinne zu generieren. Ihr digitales Produkt ist in diesem Fall als Werbeträger meist kostenlos. Wenn es Ihren Nutzern einen hohen Mehrwert bietet, ist die Anwenderzahl und damit die Sichtbarkeit der Anzeigenwerbung groß. Werbepartner sind dementsprechend bereit für die hohe Sichtbarkeit ihrer Anzeigen zu zahlen. Dabei kann es sich um wenige Premium-Werbepartner handeln, oder um zahlreiche Werbeplätze, die automatisiert vergeben werden. Das wohl beste Beispiel für die Refinazierung eines digitalen Produktes durch Anzeigen sind userstarke Social Media Plattformen wie Facebook oder Instagram. Sie haben diese Art der Gewinnerzielung in den letzten Jahren immer weiter ausgebaut.

In-App-Käufe

Selbst mit per se kostenfreien Apps können Sie Geld verdienen. Dank In-App-Käufen, die zusätzliche Inhalte für den einmal begeisterten Nutzer freischalten. Um mit einer eigentlich kostenfreien App Geld zu verdienen, bieten zahlreiche App-Anbieter In-App-Käufe an, durch die zusätzliche Inhalte oder Funktionen nach Bezahlung freigeschaltet werden. App-Betreiber können so zunächst durch eine kostenlose Standard-Version viele Nutzer erreichen und anschließend bei Zufriedenheit Geld verlangen. Allerdings: 30 % der Einnahmen behalten die jeweiligen App-Stores vom Umsatz als Gebühr für den In-App-Dienst ein.

Freemium-Modelle

Hierbei wir das Basisprodukt gratis angeboten, das Vollprodukt oder Erweiterungen sind hingegen kostenpflichtig. Ein Beispiel für ein Freemium-Geschäftsmodell ist Dropbox. Um die Gebühren an die App-Stores zu sparen, lassen sich unter Umständen Bezahlmethoden außerhalb der App-Stores nutzen.

Affiliate-Netzwerke

Beim Affiliate-Marketing, oder Partner-Marketing, bewerben Affiliates die Produkte und Dienstleistungen anderer Unternehmen (Advertiser) auf ihren Websites. Dafür erhalten sie eine zuvor festgelegte Provision, die von den Advertisern an die Affiliates ausgezahlt, sobald eine bestimmte Aktion auf deren Website erfolgt, zum Beispiel das Klicken auf einen Werbelink oder das Bestellen eines bestimmten Produktes. Ein Tracking-Code macht diese Aktionen nachvollziehbar.

Lizenzverträge

Über einen Lizenzvertrag können Anbieter digitaler Anwendungen die genauen Nutzungsbedingungen für einen vereinbarten Zeitraum mit dem User festlegen. So zum Beispiel die App Plattform AppYourself. Sie bietet Lizenzverträge in verschiedenen Preisstufen zur Erstellung der eigenen App mit dem AppYourself Baukasten an.

Provision

Bei diesem Geschäftsmodell behält der Anbieter der Plattform einen Teil des Gewinns ein, den ein Nutzer auf ihr erwirtschaftet. Diese Form wird häufig bei Online-Marktplätzen angewendet, wie etwa eBay oder Uber.

Datenverkauf

Wenn das Produkt nichts kostet, bist du das Produkt: Auch Produkte und Services, die auf den ersten Blick nichts kosten, müssen Gewinn erwirtschaften. Und wenn der Nutzer kein Geld bezahlt, dann zahlt er mit seinen Daten. Sie sind das Gold der post-industriellen Gesellschaft, denn Informationen über den Nutzer, seine Interessen und Kaufgewohnheiten sind wertvolle Informationen für Marketer und Händler. Sie können daran ihr Angebot und ihre Werbemaßnahmen ausrichten. Wirklich zum Einsatz kommt dieses Geschäftsmodell etwa bei Facebook, Amazon und Google. Eine gewisse Nutzerzahl scheint also Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung dieses Geschäftsmodells zu sein.

Die Möglichkeiten digitaler Geschäftsmodelle sind, wie man sieht, vielseitig. Sie lassen sich sogar miteinander kombinieren. Doch nicht jedes digitale Geschäftsmodell passt zu jeder digitalen Geschäftsidee, sondern hängt stark von der Nutzergruppe und deren Bedürfnissen ab. Und davon, was diese bereit sind zu zahlen.

Kein Erfolg ohne valide Strategie – Die Potenzialanalyse

Welche Art der Gewinneinnahmen am besten zu welcher Zielgruppe und zu welchem digitalen Produkt passt, finden Sie durch gezielte Analysen heraus. Zum Beispiel mit Hilfe einer Potenzialanalyse mit der Sie die Nutzer, Wettbewerber und Preismodelle Ihrer App genau unter die Lupe nehmen und so die Erfolgschancen für bestimmte Rahmenbedingungen Ihrer digitalen Lösung ermitteln, wie etwa für die entsprechende Bezahlmethode. Sie analysieren die Marktsituation und was der Nutzer bereit ist zu bezahlen, sprich, was für ihn einen echten Wert besitzt, den er bereit ist gegen eine bestimmte digitale Währung einzutauschen.

Sie sehen, es bedarf einiger umfangreicher Überlegungen, bevor es an die eigentliche Entwicklung Ihrer digitalen Anwendung geht. Die genaue und wohl überlegte Festlegung des digitalen Geschäftsmodells ist jedoch ein wichtiger Grundstein für den Erfolg Ihres digitalen Produktes.

Als Vordenker in der digitalen Transformation und neuen Arbeitswelt nutzt FLYACTS seinen Pionieergeist um durch digitalen Lösungen echten Nutzen zu stiften. Dabei gehen wir gemeinsam mit unseren Kunden den Weg von der Strategie- und Ideenfindung mit nutzerzentrierten Prozessen, über die Umsetzung mit unseren flexiblen Technologien und agilen Methoden, bis zur Einführung im Unternehmen oder Markt und der kontinuierlichen Skalierung.

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