Die Social Media Regeln respektieren – Jedes Netzwerk hat eine eigene Sprache

Weshalb Zeitersparnis nicht alleiniger Fokus Ihrer Kommunikation sein sollte

Wir sprechen in unserer heutigen Zeit gerne von Effizienz und von Zeitersparnis. Wer ein wenig älter ist, dem wird beim Thema Zeitersparnis vielleicht der Gedanke an Michael Endes Buch „Momo“ kommen, in dem die grauen Herren fremder Leute Zeit einfangen und als Zigarren rauchen. Eine schöne Analogie und eine Gesellschaftskritik, die ihrer Zeit weit voraus war. Doch darum soll es hier nur am Rande gehen: Wichtiger ist es, zu verstehen, dass es in jedem Social Network Regeln gibt, an die man sich in der Kommunikation halten muss. Zeitersparnis ist in ihrer Gesamtheit natürlich positiv, aber wenn sie auf Kosten der guten Regeln der Kommunikation geht, wird am falschen Ende gespart. Ein Plädoyer für mehr Selbstreflektion in puncto automatisierte Netzwerk-Beispielung.

Da uns in unserer sich immer schneller drehenden Welt die Zeit (gefühlt) oft davonrennt, suchen wir händeringend nach Lösungen, die uns den Alltag erleichtern, Dinge automatisiert erledigen und dafür sorgen, dass wir am Ende der Zeit noch etwas Tag übrig haben. Oder umgekehrt. Dabei gibt es gute und schlechte Wege, um Zeit zu sparen: Unnötige Prozesse, die kein Eingreifen brauchen, automatisiert ablaufen zu lassen, ist eine gute Idee. Postkarten über das Internet versenden zu lassen, ist ebenfalls eine gute Idee, zumindest für alle, die eine grauslige Handschrift haben. Was allerdings keine gute Idee ist, ist seine Community gering zu schätzen, indem man die Regeln des jeweiligen Netzwerks aus Zeitoptimierungswahn nicht respektiert. Das ist sogar nicht nur keine gute Idee, sondern schlichtweg vermessen.

Die Regeln der Social Media Netzwerke fordern Respekt

Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen hat seine Einstellungen auf Instagram und Facebook so vorgenommen, dass Postings aus dem einen Netzwerk automatisch auch im anderen erscheinen. Klingt für Sie nach einer guten Idee? Ist es aber nur bedingt: Denn auch wenn beide Dienste zum selben Konzern gehören, so sind die Regeln, so ist die Sprache der Plattformen, doch deutlich different. Auf Facebook kann man auch einmal etwas längere Texte schreiben bei einem Bild, da sie über dem Foto angezeigt werden, besteht zumindest die Chance, dass sie einige Leute auch lesen. Hashtags sind bei Facebook zwar möglich, bringen jedoch nicht ansatzweise den Effekt, den sie auf Instagram haben und sollten deshalb vornehmlich zur Akzentuierung genutzt werden. Auch hat Facebook ein quadratisches oder Querformat, mit dem Bilder hier gut aussehen, bei der typischen App-Anwendung Instagram ist das Hochformat Mittel der Wahl.

Allein aus diesen ersten Punkten wird bereits deutlich, dass ein von Facebook automatisiert gezogener Post auf Insagram nicht sauber aussieht und auch nicht gut funktionieren kann: Er hat zu viel Text, zu wenig Hashtags, Markierungen innerhalb von Facebook (@) funktionieren nicht mehr, das Bildformat ist suboptimal. Genau das Gleiche gilt im umgekehrten Fall: Ein Posting von Instagram wird auf Facebook sofort als solches erkannt, denn es hat zu wenig bis gar keinen Text, viel zu viele Hashtags und ein nicht unbedingt hübsch aussehendes Bildformat, wo dann ordentlich abgeschnitten wird. Automatisiert, durch den Facebook-Algorithmus. In beiden Fällen bekommt die Community auf dem jeweiligen Kanal zu Recht den Eindruck, dass es sich hier jemand ziemlich leicht gemacht hat und sich nicht gern die Mühe macht, die Regeln und Gepflogenheiten des Netzwerks zu respektieren.

Optimierung ja, maximale Optimierung nein

Auch gibt es zahlreiche Unternehmen, die zweifelsohne sinnvolle Tools wie Buffer und Hootsuite verwenden, um Postings auf verschiedenen Netzwerken vorzuplanen. Die ganz Faulen achten dabei auch hier nicht auf die Gepflogenheiten der Netzwerke und machen Copy + Paste über alle Kanäle hinweg – kein Faux-pas, sondern eine Einsparung am absolut falschen Ende. Es gibt natürlich in der Wirtschaft oft eine Menge Zeitdruck, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Auch ich habe schon einmal aus Zeitdruck am falschen Ende gespart, ich gebe es zu. Aber man merkt diesen Fehler sofort in der Reichweite und den fehlenden Interaktionen. Die Verwendung von Buffer und Hootsuite ist nicht verkehrt und sogar ausgesprochen praktisch, trotzdem sollten Postings nach der Veröffentlichung kontrolliert werden und ggf. händisch optimiert, wenn z.B. @-Verlinkungen integriert werden sollen, die bei Facebook automatisiert nach wie vor nicht sauber funktionieren, im Gegensatz zu Instagram.

Verwendet man die mehreren Netzwerken übergeordneten Planungstools, sollte man auf netzwerkangepasste Kommunikationsformate achten, die die jeweiligen Regeln einhalten. Auch dann, wenn es zusätzlichen Aufwand bedeutet. Die Community wird es mittelfristig danken und dann haben alle etwas davon. In Bezug auf das automatisierte Posten zwischen Facebook und Instagram, gibt es zwei mögliche Lösungsansätze: Nummer eins, man lässt es bestehen und passt die Postings nach der Veröffentlichung händisch an. Das dauert allerdings genau so lange, als wenn man den Post direkt auf dem jeweiligen Netzwerk von Hand einstellt, der dann aber definitiv noch einmal besser aussieht. Infolgedessen ist Variante 2 das Mittel der Wahl, auch wenn das nun eine Zigarre weniger für die grauen Herren bedeutet. Überlegen Sie also bitte selbst, wie wichtig Ihnen ihre Außenwirklung in puncto Einsatz für Ihre Fans und Follower ist. Die Entscheidung sollte dann nicht mehr schwer fallen.

Die Vorteile von Digitalisierung und digitaler Transformation in Vertrieb und Marketing nutzbar machen - das ist die Mission von Sebastian Heithoff (*1986). Der motivierte Consultant mit 12 Jahren Versicherungs- und Marketing-Background leitet bei der auf Banken und Versicherungen spezialisierten Digitalagentur .dotkomm gesamtverantwortlich einen operativen Bereich.

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