Die Grundlagen der Digitalisierung – einfach erklärt.

(und warum HR das unbedingt lesen sollte)

Wie sich die digitale Transformation richtig beschreiben lässt und was die Grundlagen der Digitalisierung wirklich bedeuten. Speziell im HR bemerkt man dazu grosse Veränderungen denn der Faktor Mensch ist und bleibt zentral.

Vermutlich ist das nicht der erste «Die Grundlagen der Digitalisierung» Artikel, der Ihnen unter die Augen kommt. Und sicher auch nicht der letzte.
Digitalisierung ist ein Topthema. Doch so wichtig es ist, so viel Verwirrung und Unsicherheit besteht darüber.
Grundsätzlich hat jedes halbwegs renommierte internationale Beratungsunternehmen und Wirtschaftsmagazin mindestens einen Artikel darüber veröffentlicht, worum es bei der Digitalisierung wirklich geht. Vielleicht hat es Ihnen weitergeholfen, vermutlich war das aber nicht der Fall.

Einfach noch einen weiteren Text über Digitalisierung hinzuzufügen ist daher nicht meine Absicht. Wenn Sie (vor allem wenn Sie im Bereich HR arbeiten) ein paar neue Erkenntnisse zum Thema möchten, dann lohnt es sich, weiterzulesen.

Das Wichtigste aber zuerst.

Wir sprechen im Allgemeinen von „Digitalisierung“, gerade im deutschen Sprachgebrauch.
Wir sind uns aber nicht bewusst, dass wir eigentlich drei verschiedene Dinge meinen. Darüber hinaus gibt es drei wichtige Schritte auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen im digitalen Zeitalter.

Während wir im Deutschen fast ausschliesslich das Wort «Digitalisierung» verwenden, unterscheidet das Englische zwischen «Digitisation», «Digitalisation» (oft auch mit «z» geschrieben, also Digitization, Digitalization) und «Digital Transformation»

So oder so tragen diese verschiedenen Wörter eher nur zur Verwirrung bei, die dieses Thema verursacht.

Hier kommt Klarheit.

Die Sache mit dem «D» (Die Grundlagen)

Wenn Unternehmen von der „Digitalisierung“ ihres Unternehmens sprechen, ist das, was sie tatsächlich tun, die „Digitisation“.

Dies gilt insbesondere für traditionsverhaftete grosse Unternehmen mit einem guten Stand auf dem Markt. Dazu gehören ICT- und Telekommunikationsunternehmen, Versicherungen, Banken, öffentliche Dienste usw. Unternehmen, die in der Regel im digitalen Zeitalter mit Kundenverlusten und Umsatzeinbussen konfrontiert sind.

Ich gebe Ihnen ein aufschlussreiches Beispiel zur «Digitisation». Ich habe vor kurzem bei einer Schweizer Bank ein Konto eröffnet.


Bankangestellter: So, was machen Sie beruflich?

Ich: Ich berate Unternehmen beim Aufbau einer erfolgreichen HR-Strategie für das digitale Zeitalter für ihr Top- und Middle-Management.

Bankangestellter: Ah! Unternehmensberatung für Digitalisierung!

Ich: So in etwa….

Bankangestellter (dabei, mir einen Stapel ausgedruckter Dokumente zu übergeben, hält mitten in der Bewegung inn und schaut mich schuldbewusst an): Ich weiss, dass das ein sehr wichtiges Thema ist. Aber bei der Digitalisierung sind wir noch nicht so weit. Wir drucken unsere Unterlagen immer noch aus.


Drucken statt elektronische Dokumente per E-Mail versenden, Benutzen von Tablets und Apps, Datenbanken, etc.

«Digitisation» bedeutet einfach, eine digitale Version von analogen Dingen zu schaffen.

Ziel der «Digitisation» ist es vor allem, eine effiziente Möglichkeit zu schaffen, Daten ohne Qualitätsverlust zu erhalten und zu verarbeiten.

Bis hier hin kommen die meisten Unternehmen mit der „Digitalisierung“. Sie bleiben bei der «Digitisation» stehen, kaufen Software und denken, dass die Arbeit damit erledigt ist. Leider nein.

(HR denkt vielleicht an dieser Stelle: Aber was hat das mit HR zu tun? Bitte weiterlesen.)

 

Die Sache mit dem D (für Fortgeschrittene)

“Digitalsierung” (im Englischen «Digitalisation») lässt sich am besten so umschreiben: Die Verwendung von digitalisierten Daten (also «Digitisation»), um einen bestimmten Nutzen oder Mehrwert zu erzielen.

Während die «Digitisation» in den meisten Unternehmen oft nur um ihrer selbst Willen durchgeführt wird, dient die Digitalisierung einem bestimmten Zweck innerhalb eines Unternehmens.

Die Digitalisierung trägt dazu bei, Funktionen und Prozesse zu verbessern und Erkenntnisse über die Verwendung der digitalisierten Daten zu gewinnen. Rohdaten werden in wertvolle Informationen und anwendbares Wissen umgewandelt und hilft Unternehmen dabei, ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern – mit dem Ziel, für Kunden einen Mehrwert zu schaffen.

Ein gutes Beispiel für gelungene Digitalisierung ist die sinnvollere Zusammenarbeit mit dem Kunden durch den Einsatz von Technologie.

Dies habe ich vor ein paar Monaten erlebt:

Um das Datum meines Rückfluges von Frankreich nach Zürich zu ändern, kontaktierte ich meine Fluggesellschaft über Facebook Messenger. Ich wollte wissen, was ich mit dem ursprünglich gebuchten Rückflug machen sollte (der nicht umbuchbar war) und wie ich ein neues Datum buchen konnte, ohne dass der Hinflug verfiel. Innerhalb von 10 Minuten war die Antwort da, supernett und hilfsbereit und man redete mich beim Vornamen an. Mein Problem war nach drei Minuten gelöst, ohne dass ich Haufenweise Daten eingeben musste. Das mag seltsam klingen, aber ich fühlte mich abgeholt und ernstgenommen. Ich hatte den Eindruck, dass „Leslie“ (mit der ich sprach) ihren Job gern machte und mir wirklich nach besten Kräften helfen wollte. Diese Erfahrung war einer der Hauptgründe, warum ich immer noch regelmässig bei dieser Fluggesellschaft buche.

Für viele Unternehmen steht die Effizienz im Vordergrund, was die Kundenbetreuung und Kundenbindung betrifft. Grundsätzlich geht es hier aber um den Austausch von Informationen zwischen Menschen. Technologie und Software ist etwas, das Menschen benutzen, mit dem Ziel anderen Menschen zu helfen und ihnen das Leben im Kontakt mit dem Unternehmen zu erleichtern.

Der Fokus der Digitalisierung liegt also nicht auf dem Kauf neuer Software oder dem technischen Fortschritt, sondern auf dem Menschen.

Angestellte und Führungskräfte in einem Unternehmen nehmen im gesamten Prozess der Digitalisierung daher eine tragende Rolle ein.

Die wenigen Unternehmen, die es geschafft haben, die Hürde der Digitalsierung zu überwinden und sich dabei recht gut geschlagen haben, tun sich allerdings eher schwer damit, den Schlüssel zum Erfolg im digitalen Zeitalter zu erreichen:

Die digitale Transformation.

 

Die Sache mit dem D (Masterlevel)

Digitale Transformation kann so definiert werden: Die Transformation und tiefgreifende Veränderung ganzer Unternehmensprozesse, Produkte und Dienstleistungen oder vielleicht sogar des Geschäftsmodells selbst. Die digitale Transformation umfasst sowohl die «Digitisation» als auch Digitalisierungsprozesse. Das bedeutet, dass digitalisierte Daten strategisch sinnvoll eingesetzt werden – für einen bestimmten Zweck und für ein bestimmtes Ziel, einhergehend mit dem Leitbild eines Unternehmens.

Für mich ist die Firma Philips sicherlich eines der wenigen Unternehmen, die eine erfolgreiche digitale Transformation durchlaufen haben. Neue Beleuchtungskonzepte von Philips für den privaten Gebrauch wie auch in der Öffentlichkeit (z.B. in Flughäfen oder Parkplätzen) bringen dem Kunden Mehrwert und sparen Energie.

Einen weiteren entscheidenden Aspekt gibt es allerdings noch bei der digitalen Transformation: den Faktor Mensch.

Für eine erfolgreiche digitale Transformation im Unternehmen braucht es das die richtigen Führungskräfte mit den richtigen Kompetenzen und dem richtigen Mindset, die fähig sind, diesen grossen Veränderungen zu managen, mitzutragen und voranzutreiben. Dazu braucht es eine Unternehmenskultur und ein entsprechendes Arbeitsumfeld.

Bei der digitalen Transformation sollte die Personalabteilung und alle dazugehörigen Abteilungen wie Learning & Development, People & Culture, etc. eine führende Rolle einnehmen. Wissenschaftliche Studien zeigen deutlich, dass HR einen direkten Einfluss auf die operative Leistung und den Erfolg eines gesamten Unternehmens hat.

Dies ist aber nicht mit der Einführung von unternehmensinternen Apps, VR-Onboarding und digitalen Labs erledigt. Sowohl Mitarbeitende wie auch Führungskräfte im mittleren- und Topmanagement brauchen «digital Skills» und einen «digital Mindset».

Und nein, «digital Skills» lassen sich nicht mit «IT-Training», «Coding-Seminaren» und Kursen erlernen, die zeigen wie man ein Tablet ein- und wieder ausschaltet.

„Digital Skills“ sind Kompetenzen, die es einer Person ermöglichen, die digitale Transformation zu verstehen, sinnvoll zu nutzen und zu aktiv mitzugestalten. Das bedeutet: Fähig zu sein, in der digitalen Transformation entsprechend des Leitbilds des Unternehmens zu handeln, die Unternehmenswerte zu leben und die Unternehmensstrategie umzusetzen.

Gute Führungskräfte zu finden, im Unternehmen zu halten und entsprechend weiterzubilden ist einer der wichtigsten Beiträge von HR zur erfolgreichen digitalen Transformation.

Englische Version wurde ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht

Der Mindset von Führungskräften ist der Schlüssel zum erfolgreichen digitalen Wandel. Aber wie kann man eine «digital-ready» Managementebene schaffen? Mit der hochspezialisierten Beratungsboutique Future Lead berät Dr. Désirée Anja Jaeger traditionsverhaftete Unternehmen beim Aufbau einer erfolgreichen HR-Strategie für das digitale Zeitalter. Sie besitzt über 10 Jahre Erfahrung in der zukunftsrelevanten Strategieentwicklung und hat eine fundierte akademische Ausbildung im Bereich HR, Psychologie und Innovation.

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