Medical Care Glasses – Vier Wege, wie Augmented Reality die Pflege verändern wird

Wie kann Augmented Reality (AR) die Pflege nachhaltig verändern?

Medical Care Glasses sind ein Kompezt woran man erkennen kann, wie Augmented Reality (AR) die Pflege nachhaltig verändern kann. Wir zeigen 4 Wege auf, wie das möglich sein wird.

Der Personalmangel und die Überlastung von Pflegekräften gehören in vielen westlichen Ländern seit Jahren zu den drängendsten Herausforderungen im Gesundheitswesen. Technologien, wie Augmented-Reality-Brillen, können dazu beitragen, die Arbeitssituation in Pflegeeinrichtungen zu verbessern. Vier Szenarien für die Pflege der Zukunft:

Rückblick auf das Jahr 2017: Die Schilderung der Arbeitsbedingungen in deutschen Pflegeeinrichtungen durch einen Auszubildenden im Rahmen einer TV-Debatte zur anstehenden Bundestagswahl rückt den sog. „Pflegenotstand“ ins Zentrum des öffentlichen Bewusstseins [1].

Knapp vier Jahre später hat sich die Situation in den Pflegeeinrichtungen kaum entspannt. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie kommen neue Herausforderungen auf die Pflegekräfte zu. Neben einem hohen Termin- und Leistungsdruck in der täglichen Versorgung der Patienten sorgen langes Stehen sowie das Heben und Tragen schwerer Lasten für eine hohe körperliche und psychische Belastung  [2]. Die Folge: Vermehrte krankheitsbedingte Ausfälle, die den Druck auf das System erhöhen.

Ein Weg, um Pflegekräfte bei den täglichen Arbeitsabläufen zu entlasten, ist der Einsatz von digitalen Technologien. Insbesondere Augmented-Reality (AR)-Anwendungen bieten aufgrund ihrer Vielseitigkeit großes Potenzial.

Warum Augmented Reality?

Der zentrale Vorteil von AR-Brillen besteht darin, dass die Anwender Zugriff zu relevanten Informationen erhalten, ohne dabei ihre aktuelle Tätigkeit unterbrechen zu müssen. Ähnlich wie im Industrieumfeld, wo AR-Brillen vor allem in der Montage sowie in der Wartung und Instandhaltung eingesetzt werden, könnten sie so auch Mitarbeiter im Pflegebereich bei der Versorgung ihrer Patienten unterstützen, indem hierfür benötigte Daten per Hologramm im Sichtfeld der Pflegekraft eingeblendet werden, während diese weiterhin die Hände frei hat.

Mögliche Anwendungsszenarien

Um sinnvolle Einsatzfelder für die AR-Technologie im Pflegekontext zu identifizieren, müssen die Abläufe der Mitarbeiter dort genau betrachtet und analysiert werden. Hieraus ergeben sich verschiedene Anwendungsfälle, in denen AR-Technologie zur Entlastung in der Pflege eingesetzt werden können:

1. Automatisierte Leistungsdokumentation

Demnach stellt die schriftliche Dokumentation der erbrachten Leistungen eine hohe zusätzliche Belastung für die Pflegekräfte dar – insbesondere dann, wenn dadurch die unmittelbare Arbeit mit dem Patienten immer wieder unterbrochen werden muss. Vor diesem Hintergrund könnten AR-Brillen unterstützend wirken, indem sie selbständig Patienten sowie erbrachte Leistungen erkennen und automatisch im Hintergrund dokumentieren. Dadurch könnte zum einen der Zeitaufwand für die Leistungsdokumentation stark reduziert werden. Zum anderen wird die soziale Interaktion zwischen Pflegekraft und Patient verbessert, indem der administrative Aufwand während der Versorgung abnimmt.

2. Interne Informationsweitergabe

Um auch bei Personalwechseln eine optimale Versorgung der Patienten sicherzustellen, ist die Informationsweitergabe zwischen den Schichten esenziell. Das schnelle Erstellen von Notizen per virtueller Tastatur oder Spracheingabe ermöglicht dabei eine zeitnahe Dokumentation und verhindert den Verlust von Informationen. Die erstellten Notizen werden anschließend automatisch im richtigen Dokument der Patientenakte abgespeichert. So kann auch die Pflegedokumentation einfach erweitert werden. Ein Patientensteckbrief, der dann die wichtigsten und aktuellen Informationen aus der Patientenakte sowie die nächsten anstehenden Aufgaben enthält, vereinfacht so die Schichtvorbereitung.

3. Dokumentation von Symptomen

Um sich zusätzlich einen schnellen Überblick über die körperlichen Beschwerden des Patienten zu verschaffen, können zudem Regionen am Körper des Patienten berührungslos markiert und mit Notizen versehen werden. Diese Markierungen sind für die Folgeschicht oder den behandelnden Arzt abrufbar sein. Zur Dokumentation von Wunden wird es neben der Vermessung von Länge, Breite, Tiefe, Fläche und Volumen die Möglichkeit geben ein 3D-Modell der Wunde zu erstellen. Dieses Modell kann dann zu einem späteren Zeitpunkt neben der Wunde angezeigt werden, um die Wundentwicklung besser vergleichen zu können.

4. Warn-Assistent in Gefahrensituationen

Darüber hinaus können AR-Brillen sowohl bei Routineaufgaben als auch bei medizinischen Notfällen eine Hilfestellung im Sinne eines Warn-Assistenten bieten. So kann eine smarte Brille etwa beim Darreichen der Medikamente gemeinsam mit der Pflegekraft den Medikamentenplan abarbeiten und dabei automatisch überprüfen, ob es sich  um die richtige Art und Anzahl an Tabletten handelt, die in die Medikamentenbox gelegt werden. In Notsituationen können mithilfe von KI Krampfanfälle erkannt und Ersthilfe-Maßnahmen angezeigt sowie automatisch ein Notruf abgesetzt werden. Hiervon profitieren sowohl die Pflegekräfte als auch die Patienten.

Fazit & Ausblick

Aktuell wird der flächendeckende Einsatz von AR-Brillen durch die Hardware beschränkt, da viele der derzeit gängigen Modelle, wie etwa die Microsoft HoloLens, noch zu unhandlich für einen Einsatz im physisch geprägten Pflegealltag sind. Darüber hinaus hinkt in vielen Einrichtungen im Pflegeumfeld die Digitalisierung der Daten hinterher, wodurch sich der Einsatz von AR-Brillen nach hinten verschiebt. Dort, wo die entsprechenden Rahmenbedingungen gegeben sind, bieten AR-Anwendungen immense Potenziale zur Entlastung bei Routineaufgaben in der Pflege, durch die die „Zeit am Patienten“ erhöht, Mitarbeiter entlastet und die Qualität in Pflegeeinrichtungen erhöht werden können.

Referenzen

[1] Tagesschau (2017). ARD-Wahlarena: Fragen an Merkel zur Pflege. YouTube, veröffentlicht am 12.09.2017, ARD-Wahlarena: Frage an Merkel zur Pflege – YouTube, aufgerufen am 01.12.2020

[2] Bundesgesundheitsministerium (2017). Gesundheitsförderung für Pflegekräfte: Wer pflegt die Pflege? 10.0.1_Service_Material.pdf (bundesgesundheitsministerium.de), aufgerufen am 01.12.2020

Autor: Michelle Schlicher, iteratec GmbH

Als Technologieunternehmen eröffnen wir neue technologische und unternehmerische Chancen – durch wegweisende Lösungen, die Menschen und Technologien zusammenbringen. Seit annähernd 25 Jahren entwickeln wir individuelle Softwaresysteme und digitale Produkte, gestalten und betreuen große Systemlandschaften und übernehmen die technologische Führung in komplexen Projekten – je komplexer, desto besser. Zudem erschließen wir wertschaffende Innovationspotenziale, erproben mutige Ideen und verankern agile Werte in den Organisationen unserer Kunden. Wir haben über 350 Kolleginnen und Kollegen und entlasten an sieben Standorten Kunden aus Mittelstand und Großunternehmen.

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