Was hat Frau eigentlich im Investment-Banking verloren?

Investment-Bankerinnen müssen den Geschehnissen ständig einen Schritt voraus sein und fast schon in die Zukunft sehen.

Was haben eigentlich Frauen im Investment-Banking zu suchen?
In der neuen Sky Serie Devils geht es um Investment Banker und wie der Name schon vermuten lässt, um den Ruf der Branche. Die Sky-Original-Serie „Devils“ ist ein spannender Thriller über Ehrgeiz, Skandale, Gier und Verrat in der Hochfinanz zu Zeiten der Finanzkrise. An der Börse ist zwei plus zwei niemals vier sondern 5 minus 1, man muss nur das Minus 1 ertragen können. So hat es Kostolany einmal gesagt.

Ich wurde zum Interview eingeladen, damit man den Realitätsgehalt der Serie überprüfen kann. Geht es im Investment Banking wirklich so zu wie in dieser Serie? Und was machen Frauen dort eigentlich?

Gleich zu Anfang kam dann auch die Frage, wie Frau auf die Idee kommt in so eine männerdominierte Branche zu gehen? Für mich ist die Antwort einfach. Es war ein hervorragendes Lernfeld. Nirgendwo hätte ich soviel über Menschen gelernt wie in diesem Umfeld. Ich war eher untypisch. Schon als Kind war ich in Lederhosen auf Bäume geklettert und auf ein Jungengymnasium gegangen. Wir waren 5 Frauen in der Klasse, in den Parallelklassen gab es gar keine. Da habe ich schon einmal gelernt, dass Männer gute Kameraden sein können. Und tatsächlich ist ja der Finanzmarkt interessant – allerdings mit sehr eigenwilligen Arbeitszeiten, denn der Deal hat ein Closing Datum, er zieht dich und alles andere wird bis zum Closing unwichtig.

Investment Banker als Söldner

Investment Banker bezeichnen sich oft als Söldner oder Söldnertruppe. Söldner verkaufen nicht ihre Arbeitszeit, Söldner verkaufen ihr Leben, ihr Leben fürs Investmentbanking. Calls und Sitzungen am Wochenende oder tief in der Nacht. Kein Thema. Und da stellt sich die Frage zum Thema Beruf und Familie auf einmal ganz anders. Passt sich jetzt und das Investment-Banking an die Frauen an oder müssen sich Frauen dem Söldnerleben unterwerfen? Und wo bleibt da die Familie?

Frauen werden hier oft so wahrgenommen, dass Ihnen das Durchhaltevermögen fehlt. Das stimmt nicht. Frauen sind gut im Durchhalten. Und sie haben viel Voraussicht, sie haben oft einen anderen Blickwinkel und sehen Trends, die Männern nicht aufgefallen wären. Daher sind sie aus meiner Sicht unverzichtbar im Investment Banking. Eine andere Frau hat einmal zu mir gesagt: in der Bank erhole ich mich von meiner Familie und bei meiner Familie erhole ich mich vom Investment Banking. Sicherlich ist es viel schwieriger im Investment Banking Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Denn Kompetenz alleine reicht oft nicht aus. Es ist schon auch viel Einsatz gefordert. Und man kann die Grenzen etwas dehnen, früher nach Hause gehen, nachts arbeiten, wenn die Kinder im Bett sind, aber eben auch das funktioniert nur begrenzt.

Hollywood-Star Patrick Dempsey hat in einem Interview zum Film gesagt: Mich hat es schockiert, dass die Männer und Frauen in dieser Welt scheinbar nie aufhören zu arbeiten. Sie müssen den Geschehnissen ständig einen Schritt voraus sein und fast schon in die Zukunft sehen. Das war mir vor der Arbeit an diesem Projekt nicht bewusst. Es geht auch viel um Macht und Kontrolle.

Ist Investment Banking attraktiv für Frauen?

Was könnte also für Frauen attraktiv am Investment Banking sein? Sicherlich einmal die Tatsache, dass man schon im Investment Banking gewesen sein muss, um das ganze Finanzfeld, die Börse zu verstehen. Es ist ja meistens ein sehr diskretes Geschäft. Von Henry Ford stammt der Satz: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution, noch vor morgen früh!“

Da empfiehlt es sich schon sehr, dass Frau mal hinter die Kulissen schaut. Ausserdem ist dieses Feld nicht nur politisch sehr interessant, sondern ein Paradies für Körpersprachenleser und Vorausschauer und darin sind Frauen ja ziemlich gut. In der Serie wird gezeigt, wie der Banker Massimo auf den Leitzins spekuliert. Der Chef der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet entscheidet, ob der Leitzins gesenkt oder gehoben wird. Massimos Team setzt darauf. Es ist ein Gamble. Verlieren oder gewinnen sie 50 Millionen Dollar? Der Deal geht auf, weil sie am Gang von Jean Claude Trichet erkennt, wie seine Entscheidung aussieht. Das ist vielleicht ein bisschen zugespitzt, aber der Kern stimmt schon.

Ein guter Trader oder eine gute Traderin ist also nicht nur Hellseherin, sondern auch Körpersprachen-Leserin. Und wo wird die Zukunft geplant? Auch im Investment Banking. Banken finanzieren die Wirtschaft und so lernt Frau auch noch ganz nebenbei Entrepreneurship und neue kreative Geschäftsmodelle, sowohl für die Wirtschaft als auch für Finanztransaktionen kennen. Oder sie erfindet sie mit anderen sogar.

Der Finanzier Guido Maria Brera und Autor des Buchs, auf dem die Filmserie basiert, glaubt an das Bankwesen und sieht dessen wahre Aufgaben. Auch wenn es immer wieder Entgleisungen, Arroganz und sogar Betrug gibt. Der deutsche Aktienindex DAX enthält gerade ein etwas unrühmliches Beispiel. Und gerade deshalb: Wer der Vorstand zur Hälfte aus Frauen bestanden, wäre Wirecard dann auch so passiert? Wäre Lehman Brothers in Insolvenz gegangen, wenn sie Lehmann Sisters gewesen wären? Wir wissen es nicht. Aber eines wissen wir mit Sicherheit. Frau kann! Nicht nur von den Kompetenzen her, sondern auch Loyalität, Durchhaltevermögen, Kreativität, und- Voraussicht.

Hier der Podcast über Frauen im Investment Banking.

    Karen ist Serienunternehmerin, Wissenschaftlerin und Herausgeberin von Sustainable Finance. Sie berät Unternehmen in der digitalen Transformation, die Nachhaltigkeit in ihrer DNA beinhaltet. Sie wurde von Prestige Awards als „Investment Bankerin“ des Jahres 2020 ausgezeichnet. Sie hat Osteuropa Strategien für Top Tier Banken und ein erweitertes Ratingsystem entwickelt und die Umsetzung verantwortet.

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