Mobile Payment in der Schweiz: Trends, Sicherheit und Herausforderungen
Die Verbreitung von Mobile Payment nimmt in der Schweiz kontinuierlich zu und das hat Auswirkungen
Gemessen an der Anzahl an Transaktionen übertrifft das Bezahlen mit dem Smartphone unterdessen traditionelle Zahlungsmittel wie Bargeld und Debitkarten. Was einst als technologische Spielerei begann, ist heute ein fester Bestandteil des Alltags. Doch mit wachsender Verbreitung steigen auch die Anforderungen an die Sicherheit.
Mobile Payment hat sich in der Schweiz in den letzten Jahren von einer technischen Neuheit zu einem alltäglichen Zahlungsmittel entwickelt. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten setzen auf das Bezahlen mit Smartphones, Smartwatches oder anderen mobilen Geräten. In diesem Artikel wird auf die aktuellen Trends, Sicherheitsaspekte sowie die Herausforderungen und Zukunftsaussichten des mobilen Bezahlens eingegangen.
Index
Aktuelle Marktentwicklung und Nutzungsverhalten
Gemäss dem Swiss Payment Monitor 2025 [1] hat Mobile Payment mit einem Anteil von 30,7 % bei allen Transaktionen Debitkarten (24,4 %) und Bargeld (24,2 %) überholt. Das zeigt deutlich: Mobile Payment hat sich zur beliebtesten Zahlmethode in der Schweiz entwickelt.
Besonders bei kleineren Beträgen unter 20 Franken greifen Konsumentinnen und Konsumenten gerne zum Smartphone oder zur Smartwatch. Der Komfort, die Schnelligkeit und die zunehmende Akzeptanz an Verkaufsstellen tragen zur Popularität bei. Auch im Onlinehandel ist Mobile Payment mit Twint, Apple Pay oder Google Pay nicht mehr wegzudenken.
Dabei nimmt Twint eine Sonderrolle ein: Als Schweizer Lösung ist Twint im lokalen Finanzsystem fest verankert und ermöglicht es, direkt mit dem Bankkonto oder via Prepaid-Guthaben zu bezahlen. Mehr als 75 % der Schweizerinnen und Schweizer nutzen die App regelmässig [2]. Im Gegensatz dazu sind Apple Pay und Google Pay vor allem im internationalen Handel und bei Konsumentinnen und Konsumenten mit Kreditkarten beliebt.
Technologische Grundlagen des mobilen Bezahlens
Mobile Payment basiert auf unterschiedlichen technischen Verfahren. Eine zentrale Rolle spielt dabei die NFC-Technologie (Near Field Communication). Diese ermöglicht es, durch Annähern (10 bis 20 Zentimeter) eines mobilen Geräts an ein kompatibles Terminal (dem sogenannten Point of Sale), die Zahlungsinformationen zu übermitteln und damit eine Zahlung kontaktlos auszulösen. Diese Methode kommt insbesondere bei internationalen Lösungen wie Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay zum Einsatz.
Neben NFC wird zur Übermittlung der Zahlungsinformationen auch häufig auf QR-Codes (Quick Response) zurückgegriffen. Diese Technik wird insbesondere bei Twint verwendet. In der Praxis bedeutet dies, dass ein an der Kasse (am Point of Sale) angezeigter QR-Code mit dem Smartphone gescannt wird, um eine Zahlung zu autorisieren.
Je nach Anwendungsszenario – etwa bei Onlineeinkäufen oder bei der Überweisung von Geldbeträgen an Freunde (Peer-to-Peer) – können auch Bluetooth-Technologien oder eine Internetverbindung notwendig sein. Die Vielfalt dieser Technologien ermöglicht einen flexiblen Einsatz des mobilen Bezahlens, stellt jedoch gleichzeitig Anforderungen an die Infrastruktur, Netzabdeckung und Datensicherheit.
Sicherheit und Datenschutz
Obwohl Mobile Payment als sichere Zahlungsmethode gilt, existieren bestimmte Risiken, insbesondere im Umgang mit sensiblen Zahlungsdaten.
Ein grundlegender Sicherheitsaspekt im Mobile Banking ist der Schutz des mobilen Gerätes: Gelangt ein Smartphone oder eine Smartwatch in die falschen Hände und es fehlt eine adäquater Zugriffsschutz – beispielsweise Code, Passwort, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung – besteht die Gefahr, dass unberechtigte Zahlungen ausgeführt werden können.
Zudem ist Mobile Payment nicht vor den üblichen Gefahren der Cyberkriminalität gefeit. Angriffe in Form von Phishing, Malware oder durch soziale Manipulation (Social Engineering) können darauf abzielen, Zugriff auf die Zahlungsinformationen zu erlangen.
Auch die Frage des Datenschutzes ist von Bedeutung. Internationale Anbieter wie Apple oder Google speichern Informationen über das Zahlverhalten ihrer Kunden. In Folge mangelnder Transparenz kann dies zu rechtlichen und ethischen Bedenken führen.
Um sich vor diesen Risiken zu schützen, sollten Nutzerinnen und Nutzer bestimmte Sicherheitsvorkehrungen treffen. Hierzu zählt, dass der Zugang zum mobilen Gerät sowie zu den Mobile Payment Apps mittels Code, Passwort, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung geschützt wird. Zudem sollten Nutzerinnen und Nutzer dafür sorgen, dass das Betriebssystem sowie die Mobile Payment Apps immer auf dem aktuellen Stand sind. Des Weiteren ist es ratsam, die Benachrichtigungen über Zahlungsvorgänge zu aktivieren.
Zahlungsanbieter tragen ebenfalls zur Sicherheit bei: Die meisten Mobile Payment Apps bieten heutzutage die Option der Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) an und nutzen moderne Verschlüsselungstechnologien. Dennoch ist es essenziell, dass Nutzerinnen und Nutzer aktiv zur eigenen Sicherheit beitragen.
Herausforderung bei der Nutzung
Trotz der wachsenden Beliebtheit bringt Mobile Payment auch gewisse Herausforderungen mit sich. Ein Problem stellt die technische Abhängigkeit dar: Ist der Akku des mobilen Gerätes leer oder fehlt eine stabile Internetverbindung, kann der Zahlungsvorgang nicht ausgeführt werden. Gerade unterwegs kann dies zu Unannehmlichkeiten führen.
Auch auf Seiten der Konsumentinnen und Konsumente bestehen gewisse Hürden. Besonders ältere Menschen oder technikferne Nutzergruppen empfinden mobile Zahlungssysteme mitunter als kompliziert oder unsicher. Sie bevorzugen häufig klassische Zahlungsmittel wie Bargeld oder Debitkarten. Um diese Kluft zu überwinden, braucht es verständliche Informationen, Anleitungen und Kurse.
Nicht zu vernachlässigen sind die wirtschaftlichen Aspekte: Für Händler bedeutet die Einführung von Mobile Payment Systemen nicht nur organisatorischen Aufwand, sondern auch finanzielle Investitionen – etwa in neue Terminals (Point of Sale), Softwarelösungen oder Mitarbeiterschulungen.
Zukunftsaussichten und Innovationen
Die Entwicklung von Mobile Payment schreitet schnell voran. Bereits heute sind gewisse Trends erkennbar, die das digitale Bezahlen nachhaltig prägen werden.
Ein wichtiger Trend ist die Integration zusätzlicher Services in die Mobile Payment Apps. Nutzerinnen und Nutzer können dabei nicht nur bezahlen, sondern gleichzeitig Treueprogramme nutzen, Rabatte einlösen oder digitale Kundenkarten verwenden. Dieser erweiterte Funktionsumfang steigert die Attraktivität und den Nutzen dieser Anwendungen und stärkt die Kundenbindung deutlich.
Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt, ist die internationale Standardisierung und Interoperabilität. Mobile Payment soll künftig nicht nur lokal, etwa mit Lösungen wie Twint, sondern auch grenzüberschreitend reibungslos funktionieren. Besonders für internationale Reisende und im globalen Onlinehandel ist dies ein entscheidender Vorteil.
Zudem entstehen innovative Bezahlmethoden, die über das klassische Smartphone und die Smartwatch hinausgehen. So wurde beispielsweise ein Chip entwickelt, der direkt auf dem Fingernagel angebracht wird [3]. In Kombination mit einer App oder einer Kreditkarte ermöglicht er das kontaktlose Bezahlen allein durchs Vorhalten des Fingers an ein kompatibles Terminal (Point of Sale). Ob sich dies durchsetzen wird, ist allerdings fraglich, denn der Chip muss von einem Profi im Nagelstudio angebracht werden – und das alle zwei Monate erneut. Wohl etwas bessere Chancen hat der sogenannte Smart-Ring mit integriertem Chip. Auch er erlaubt das Bezahlen durch einfaches Vorhalten der Hand – diskret, schnell und ohne zusätzliches Gerät. Solche Entwicklungen zeigen, wie stark sich der Bereich in Richtung unsichtbarer Technologien bewegt.
Für Unternehmen eröffnen diese Fortschritte neue Chancen – von der Steigerung der Kundenzufriedenheit über Effizienzgewinne bis hin zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Gleichzeitig müssen jedoch datenschutzrechtliche und ethische Aspekte berücksichtigt werden, um das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer langfristig zu sichern.
Fazit
Mobile Payment hat sich in der Schweiz als erfolgreiche Zahlungsmethode etabliert. Die Akzeptanz steigt kontinuierlich, technische Innovationen erweitern die Einsatzmöglichkeiten, und Sicherheitsstandards verbessern sich laufend. Aber es existieren auch Herausforderungen, welche nicht zu vernachlässigen sind.
Quellen
[2] www.twint.ch/press/die-schweiz-liebt-twint
Autor: Dominik Schupp, Dozent Informationssicherheit, Team «eBanking – aber sicher!» (www.ebas.ch), Hochschule Luzern – Informatik

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