Kooperation zwischen Startups und KMUs – der Himmel auf Erden oder doch ein Höllentrip

Sollte ich die Zusammenarbeit mit einem KMU oder einem Startup vorziehen? Bringt mir eine solche Kooperation überhaupt irgendwelche Vorteile oder eher mehr Nachteile?

Eine Kooperation mit einem anderen Unternehmen einzugehen, wirft viele Fragen auf und es handelt sich dabei auch um eine Entscheidung, die gut überlegt sein sollte.

 

“Eine Kooperation beschreibt den strategischen Zusammenschluss von Unternehmen oder Personen um ein festgelegtes Ziel zu erreichen.”

Selbst im kleinen Rahmen kennen wir alle mindestens eine Situation, die ohne einen Kooperationspartner einfach nicht machbar gewesen wäre. Sei es eine Matheprüfung, für die wir Unterstützung brauchten oder eben die Hilfe bei der Umsetzung unserer neuesten Geschäftsidee.

“In jeder Zusammenarbeit liegt Stärke.”
– Max Lammer

In der Unternehmenswelt sind die häufigsten Gründe für eine Kooperation ein schwer umsetzbares Projekt, eine zu hohe Auftragsmenge oder auch fehlende Vertriebspartner für deine Produkte. Mit dem richtigen Partner gelingt es zumeist diese Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, jetzt gilt es nur mehr diesen Partner auch zu finden.

Stellen wir zunächst die Vor- und Nachteile gegenüber um zu erfahren, ob eine Kooperation eher ein Fluch oder doch mehr ein Segen ist. 

Pros – Vorteile von Kooperation

  1. Mehr Know-How und die Möglichkeit neues zu lernen und sich weiter zu entwickeln
  2. Frische Ideen – Das unternehmerische Alter von Startups ist jünger als das von KMU, weshalb sie zumeist offener für Innovationen und unkonventionelle Ideen sind.
  3. Objektivität der Ideen – Da die Startups zumeist noch von außerhalb der Branche kommen und unvoreingenommen sind, sind sie auch dazu in der Lage disruptive Ansätze zu entwickeln
  4. Schnellere Auftragsumsetzung und zusammen könnt ihr auch größere Aufträge erledigen.
  5. Auftragsrisiken werden auf die Beteiligten aufgeteilt.
  6. Bei Auftragskooperationen können Kosten durch die größeren Auflagen und Einkaufsmengen gesenkt werden
  7. Neue Kunden und neue Geschäftsbeziehungen
  8. Flexibilität – alles intern im eigenen Unternehmen zu produzieren würde diese einschränken
  9. Die Möglichkeit die Reichweite des eigenen Unternehmens nicht nur regional, sondern sogar global zu erhöhen.
  10. Entwicklungskosten – diese können teilweise eingespart werden, da man durch eine Kooperation eventuell die Möglichkeit erhält die Technologien des Partners günstig aufzukaufen
  11. Antrieb für die interne Innovationskultur – Der Innovationsansatz von Startups färbt positiv auf das eigene Unternehmen ab
  12. (Neue) Geschäftsfelder schneller erschließen – Startups sind weniger eingeschränkt mit ihren Strukturen und dadurch agiler
  13. Beteiligungen an Startups können lukrativ sein – Durch neue Umsätze, Exists, Kunden und neue Geschäftsbeziehungen

Cons – Nachteile der Kooperation

  1. Zu viel externes Know How – Dieses Wissen muss auch gekonnt in das Unternehmen integriert werden, was sich bei einer zu großen Menge schwierig gestalten könnte. Des Weiteren kann es in diesem Fall auch zu einer Abhängigkeit vom Kooperationspartner führen, was es zu vermeiden gilt.
  2. Unterschiedliche Unternehmenskulturen – Diese können zu einem großen Konfliktpotenzial für die Kooperation werden, deswegen ist ein gemeinsamer Nenner wichtig für eine funktionierende Zusammenarbeit.
  3. Zwischenmenschliche Probleme bei den Unternehmern – Auch diese können zu Konflikten und Vertrauensverlust führen und im schlimmsten Fall sogar zur Auflösung der Kooperation.
  4. Entscheidungen können je nach Vereinbarung nicht mehr alleine getroffen werden, sondern müssen in Abstimmung mit den jeweiligen Partnern getroffen werden
  5. Zeitintensiv – Konzeption, Screening, Aufnahme, Mentoring
  6. Wenig bis kein ROI – Deshalb ist die Streuung der Investments wichtig
  7. Der fehlende ROI muss mit einem starken Team, bestehend aus Internen und Externen aus der Startup-Szene sowie Beteiligungen an mehreren Startups ausgeglichen werden, was unter anderem zu höheren Kosten führen kann
  8. Zu viele gescheiterte Projekte bieten mediale Angriffsfläche – dies sollte durch die Intensität der Außenkommunikation ausgeglichen werden. Wenn der Firmenname nur im schlechten Licht mit den gescheiterten Projekten in Verbindung gebracht wird oder nach außen hin überhaupt nicht vorkommt, führt das zu einem Verlust von vielen, guten Ideen und Startups, da weniger Kontaktaufnahme durch die Außenwelt stattfindet.

Also, wie gelingt die Kooperation?

Ganz wichtig. Ohne Regeln funktioniert es nicht!

Für ein funktionierendes Zusammenwirken müssen Regeln von allen beteiligten Partnern festgelegt und selbstverständlich auch eingehalten werden.
Die
Kompromissbereitschaft sowie eine sinnvolle und gerechte Verteilung von Rechten, Pflichten und Aufgaben sind ebenfalls essenziell für ein erfolgversprechendes Kooperationsverhältnis.
Genauso sollten die
Kooperationsziele klar definiert sein. Ein guter Ansatz für eine gelungene Zieldefinition wäre die SMART Methode nach George T. Doran wonach Ziele spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert definiert werden sollen, um zu einem bestmöglichen Ergebnis zu kommen und die Motivation, dieses zu erreichen, aufrechtzuerhalten.

SMART Ziele setzen
Bild: SMART – Quelle: Eigene Darstellung

 

Hier findet ihr auch noch zusätzlich einen Artikel zu dem Thema 6 Tipps Für Erfolgreiche Projekte Mit Startups.

Was genau macht die Zusammenkunft von KMU und Startups so besonders?

Obwohl die klassischen KMU nicht auf Skalierung oder Wachstum ausgelegt sind und Startups meist sowohl national und auch international expandieren wollen, macht vor allem eine Kooperation mit einem frühphasigen Startup …

“… bis zu einer gewissen Größe und je nach Anlass auf jeden Fall Sinn.”
– Max Lammer

Startups bringen einen frischen Wind in die Klein- und Mittelbetriebe.

Sie haben bei der Problemlösung einen ganz anderen, weniger zurückhaltenderen, Zugang als bereits etablierte Unternehmen. Meistens sind sie auch besser digitalisiert und sind daher eine große Stütze bei dem Ausbau der Plattformökonomie jener KMU, die den Schritt in die Digitalisierung bis jetzt noch nicht gewagt haben. Die Plattformökonomie legt den Grundstein für die Digitalisierung und bildet das Wesen von Startups. Warum also nicht von einem “Profi” der Plattformökonomie unterstützen lassen?

“Plattformökonomie könnte grob durch die Zusammenführung von Providern und Kunden auf einem digitalen Marktplatz beschreiben, also als internetbasierte Geschäftsmodelle. Hotelportale, Handelsplattformen oder auch Suchmaschinen um nur ein paar zu nennen.”

Eine vorangetriebene Digitalisierung ist schließlich nicht nur wichtig um mehr Absatz zu generieren, sondern auch um neue Kundengruppen oder Märkte zu gewinnen oder auch die Interaktion mit bereits bestehenden Kunden zu verändern.
Und nebenbei geht die Digitalisierung einfacher voran als, wenn die Unternehmen dies alleine machen müssten.

Ein gutes Beispiel für die Digitalisierung ist die Maschinenbaubranche in Europa. Nur 0,7 % von 850 Milliarden Euro Umsatz wurden … über digitale Plattformen eingespielt. Derzeit legt diese Branche noch wenig Wert auf Plattformökonomie, was es zu Ändern gilt.

Vor allem durch Kooperationen, die zu einem großen Teil mit Startups eingegangen werden, sind zweistellige Wachstumsraten in den kommenden Jahren zu erwarten.

2020 lag Österreich beim Digital Economy and Society Index (DESI) Ländervergleich nur auf Platz 13. Zwar liegen wir mit diesem Wert leicht über dem EU-Durchschnitt, dennoch haben wir mit dem 13. Platz unser Potenzial noch nicht vollkommen ausgeschöpft. Um dies zu erreichen ist eine stärkere Zusammenarbeit zwischen KMU, Unternehmen und Startups notwendig und sollte auch dringend vom Staat gefördert werden!

Um die Suche nach passenden Kooperationsunternehmen zu erleichtern, besteht auch die Möglichkeit sich an Unternehmen und Programme zu wenden, die speziell für diesen Zweck ins Leben gerufen wurden. Das globale Innovationsunternehmen WhatAVenture, Pioneers oder auch die Startup Collaboration Challenge der WKÖ inno up, gehören beispielsweise dazu.

Egal welcher Weg gewählt wird um zu einem Kooperationsbetrieb zu finden, am Ende einer solchen Kooperation sollte immer eine strategische Zusammenarbeit das Ergebnis sein.

Eine optimale Kooperation entsteht dann, wenn die Beteiligten auch optimal aufeinander abgestimmt sind, dieselben oder ergänzende Ziele verfolgen und sich einig sind, wie diese zu erreichen sind. Ihre Kapazitäten komplettieren sich und sie stehen in keinem Konkurrenzkampf zueinander. Die Vorteile einer Kooperation sprechen klar dafür diesen Schritt zu wagen um seine Ideen und Träume zu verwirklichen und noch weiter gesehen über sich hinauszuwachsen.

By: Yvonne Maria Göstl & Kambis Kohansal Vajargah

Kambis Kohansal Vajargah ist Head of Startup-Services der Wirtschaftskammer Österreich. Als Entrepreneur, Company Builder und Startup Mentor unterstützt er außerdem Startups in der frühen Entwicklungsphase bei der marktreifen Umsetzung ihrer Ideen. Zu seinen erfolgreichen Unternehmungen zählen Startups, wie Carployee und die Softwareschmiede vendevio. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeiten liegt in den Bereichen digitales Marketing, strategische Unternehmensentwicklung und Leadership Management. Vom World Economic Forum zum europäischen Digital Leader ernannt, treibt er als aktive Kraft die Digitalisierung Europas voran. Sein Motto: Believe. Execute. Learn Mehr zur neuen WKO Startup-Initiative, dem Head of Startup-Services, unseren Open Office Hours & der österreichweiten Spotlight-Tour: www.startupnow.at

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